David Kayer erzählt über sein neues Leben in Australien. Der Pinkafelder, der 2018 beim BFV-Hallenmasters für den SCP zum besten Goalie gekürt wurde, lebt derzeit im australischen Perth – und war zuletzt auch deshalb in Quarantäne.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 20. April 2020 (01:43)

Im März 2019 reifte bei David Kayer der Entschluss, etwas Neues zu versuchen. Schon einmal war er in Australien zu Besuch, lernte Kontinent und Menschen schätzen und war so bereit für einen Neubeginn. Im Mai kam dann die frohe Kunde: „Nach zwei Monaten und einem sehr schwierigen VISA-Prozess wurde ich von der australischen Regierung ausgewählt, dort leben zu dürfen.“ So nahm er dann das Top-Testspiel für den SC Pinkafeld gegen Celtic Glasgow Ende Juni noch mit, bekam von Cheftrainer Florian Hotwagner auch einige Minuten, ehe es in ein anderes Abenteuer ging.

Melbourne an der Südostküste schrieb sich der sympathische Blondschopf auf die Fahne und in der knapp fünf Millionen Einwohner starken Großstadt sollte er schnell Anschluss finden. „Ich entschied mich auch für Australien, um hier bei einem Verein Fußball zu spielen. Erst trainierte ich bei Melbourne Victory mit, ehe ich bei Preston Soccer landete“, so der 27-Jährige, der ergänzt: „Ich erhielt dann an einer Privatschule, wo Deutsch unterrichtet wurde, auch sehr schnell Arbeit.“

Anschluss ans rege Treiben war so gegeben und bis Mitte März ging das Leben auch seinen normalen Gang. Dann kam Corona und der Alltag war auch für Kayer nur mehr ein schöner Gedanke zurück. Stattdessen folgten bange Blicke nach Italien und dann nach Österreich, wo sich das Virus wie ein Lauffeuer ausbreitete. Natürlich machte er sich in der Ferne Gedanken, was da gerade durch ganz Europa schwebt: „Ich verfolge die Nachrichten so gut es geht und via Facebook ist man auch gut im Bilde“, sagt er. „Klar ist es nicht so einfach, so weit von seiner Familie und dem Virus-Zeug weg zu sein. Mir geht es hier aber besser.“

„In den letzten vier Wochen war ich bis auf den Flughafen nirgends – echt zach.“ David Kayer, derzeit in Perth lebender Ex-Zweier-Goalie des SC Pinkafeld, über den Alltag, den viele Österreicher kennen.

Nach und nach mehrten sich auch in Australien die Infektionsfälle, die Unruhe wuchs. „Mitte März wurde die Lage in den Regionen Victoria (Anm.: Melbourne) und New South Wales (Anm.: Sydney) angespannter. Viele Arbeitsplätze gingen verloren, darunter auch meiner. Mir wurde vom Außenministerium empfohlen, schnell heimzufliegen und ich hatte fast keine andere Wahl mehr.“

Australien wuchs dem Ex-Nachwuchs-Tormanntrainer bei Rapid Wien aber ans Herz und er wägte Für und Wider ab. „Ein Rückflug hätte bedeutet, dass ich nicht mehr zurückkehren hätte dürfen“, schildert er, der noch zumindest ein Jahr bleiben will. Mut und Tatendrang waren gefragt und zehn Stunden vor Ablauf der Frist, die gleichbedeutend mit einer Heimreise gewesen wäre, suchte Kayer nach einer Arbeitsstelle. Irgendwo, es sollte nur Australien bleiben. „Ich bin dann sozusagen nach Perth geflüchtet.“

Privatschule suchte, Kayer sprang ein

Vier Stunden Flugzeit betrug der Weg an die Westküste. Es sollte sich lohnen. In der knapp zwei Millionen zählenden Hauptstadt des Bundesstaates Western Australia hatte der Pinkafelder Glück. Aufgrund des Coronavirus fiel an einer Privatschule der Austauschlehrer aus. „Glücklicherweise“, schmunzelte er, „ich habe in Wien Lehramt studiert und bin dann kurz vor Studienende nach Australien – man darf nämlich nur bis zum 30. Lebensjahr einreisen, um hier zu arbeiten.“

Dabei gilt für ihn wie bei vielen seiner Freunde und Bekannten in heimatlichen Gefilden derzeit: Home Office. „Es gibt sehr strikte Auflagen. Wechselt man etwa den Bundesstaat, muss man für 14 Tage in Quarantäne bleiben. Sollte ich gegen diese Regeln verstoßen, gibt es beträchtliche Strafen (Anm.: bis zu 250.000 Dollar), was ich natürlich nicht riskieren möchte.“ Bei einer Gastfamilie, die laut Kayer „gestrandete Ausländer“ aufnimmt, lebt er. „Von dort kann ich meinen Unterricht ganz gut koordinieren und an die Schüler weiterleiten. Das Niveau ähnelt einer Volksschule, wo viele Unterrichtsfächer gemischt sind. Zudem gibt es neben Englisch auch jährlich eine andere Fremdsprache. Heuer war Deutsch dran.“

20 Minuten zu Fuß habe er ans Meer. Dieses bekam er nach zuletzt 14 Tagen in Quarantäne endlich wieder zu Gesicht. Generell gelte: „So betroffen wie Europa sind sie hier nicht. Die Städte und Dörfer sind weitläufiger und auch dünner besiedelt. Vor allem hier in Perth werden wir schnell zum Alltag zurückkehren können. Dazu ist die Gesellschaft relativ jung. Es gibt aber auch in Teilen des Landes Ausgangssperren, die aber Vorsichtsmaßnahmen ähneln.“ Das ist in Österreich doch anders.