Das Meinungsbild bleibt gespalten. Während viele Klubs den Vorstandsbeschluss früher zu starten befürworten, wird das Hinauszögern scharf kritisiert.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 26. April 2021 (00:59)
Luftzweikampf nach kurzer Vorbereitung? Kohfidisch-Allrounder Klemens Grabler (l.) und Allhau-Defensivmann Mario Tackner würden bei einer Saison-Fortsetzung in sehr wenigen Spielen gegen den Abstieg aus der Burgenlandliga kämpfen.
BVZ

Am vergangenen Freitag tagte der BFV-Vorstand und das gesamte Fußball-Burgenland blickte gespannt dorthin. Gegen 21 Uhr vermeldete www.bvz.at dann in seiner ersten Schlagzeile: „Jetzt noch zuwarten, 2021/22 fix früher starten“.

Die Hintergründe hierbei: Die aktuell abgebrochene Spielzeit 2020/21 will man nach Möglichkeit irgendwie retten, um zumindest eine Wertung zu haben. Dafür braucht es nach den im Vorjahr geänderten (Corona)-Statuten zumindest eine absolvierte Hinrunde. Ein konkretes Zeitfenster wurde dabei nicht genannt, wobei zumindest der letzte Schlussstrich unters Fußballjahr mit 4. Juli gezogen wurde. Viel Zeit bleibt nicht, denn fix vorgegeben sind vom Verband minimum vier Wochen Vorbereitungszeit. Am Beispiel Siegendorf in der Burgenlandliga keimt die Problematik aber schon auf. Diese absolvierten im Herbst erst sechs Spiele und auch wenn Doppelrunden sowieso ein Muss wären, hätte der aufstiegswillige Nord-Klub noch acht Partien auszutragen. Bei einem etwaigen Start Anfang Juni wären das dann ganze sieben Monate ohne ein Pflichtspiel. „Dass ist alles nicht Fisch und nicht Fleisch“, kritisierte etwa Oberwarts Sportkoordinator Peter Lehner diese erste (kleine) Entscheidung, der dann gar noch anfügt: „Unter fünf Wochen Vorbereitungszeit ist es nach dieser langen Pause fast schon undenkbar und ich bin auch ehrlich, ich weiß nicht, ob wir dann dabei wären.“

Sorge um die kickende Zunft

Zu groß sei das Risiko diverser Verletzungen, die nicht nur Kicker wie der Jennersdorfer Michael Wagner (siehe Seite 55) befürchten. „Das würde schon zulasten der Gesundheit der Spieler gehen. In vier Wochen alles aufzuholen, geht nicht und ich hätte dafür auch kein Verständnis“, berichtet Güssings Sportlicher Leiter Johannes Jandrisevits, der anfügt: „Es wird nur hinausgezögert und das macht es für alle so schwierig und für meine Begriffe ist es auch entscheidungsschwach.“ Ähnliche Töne setzt auch Stegersbach-Sektionsleiter Joachim Poandl, der lange selbst kickte und als Trainer und Funktionär sein Handwerk versteht: „Für die Spieler ist das eine Katastrophe und auch fahrlässig ihnen gegenüber. Wir sind immer noch im Amateurbereich.“ Nachsatz von Heiligenbrunn-Trainer Mathias Kedl: „Wir hängen wieder in der Luft und es fehlt an einer echten Deadline.“

Eine wirklich faire Lösung gibt es nicht

Der Umstand zu warten ist eine Sache, die neue Saison früher zu beginnen eine andere. Das sieht ein Gros der Klubs derweil positiv – sofern aktuell dann endgültig abgebrochen und annulliert werden sollte –, auch wenn das Zeitfenster nicht so weit nach vorne geschoben wurde. Dennoch wurde der Start 2021/22 mit dem Wochenende vom 30. Juli und 1. August festgelegt. „Das ist gut, darauf kann man sich einstellen“, meint Kohfidisch-Stürmer Thomas Polzer und erhält Zustimmung etwa bei Jabing-Trainer Marc Seper: „Früher zu starten ist wirklich in Ordnung und auch gut.“

Einfach ist es nicht, denn es sehnen alle eine sportlich (halbwegs) faire Lösung herbei. Diese ist unter diesen Voraussetzungen nur schwerlich gegeben. Der SV Eberau etwa wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit unter normalen Umständen im Meisterkampf der 2. Liga Süd dabei. Dort meint Obmann-Stellvertreter Christian Kopfer: „Auf den Faktor Zeit zu spielen, finde ich in Ordnung. Vielleicht gibt es ja noch eine Möglichkeit und Tag X kommt. Ich wäre aber auch ein Freund von Relegationsspielen – ohne Absteiger.“ Nachsatz: „Es wäre nicht die fairste Lösung, aber eine Lösung. Zwei Saisonen ohne Meister ist nicht im Sinne des Wettbewerbes.“