Stocksport-Präsident Koller: „Für manche Neuland“. Aufgrund der Corona-Pandemie muss auch der Stocksport-Verband in vielen Dingen improvisieren. Nicht immer einfach, dennoch laufe alles nach Plan – auch für den Restart.

Von Daniel Fenz. Erstellt am 28. November 2020 (01:50)
Liebt und lebt seinen Sport. Bernd Koller ist nicht nur Präsident des Burgenländischen Eis- und Stocksportverbands, sondern selbst auch leidenschaftlich bei Mannschafts- und Weitenbewerben dabei.
zVg/Bernd Koller

Der aus Kemeten stammende Bernd Koller trat die Nachfolge von Langzeitpräsident Peter Salamon an (die BVZ berichtete). Nun erzählt er im Gespräch über die aktuelle Situation mit Covid-19 und berichtet auch über geplante Projekte in der Zukunft.

BVZ: Corona bestimmt derzeit unser aller Leben: Wie geht der Eis- und Stockverband mit der aktuellen Situation um?

Bernd Koller: Derzeit sind, wie schon in der Sommer-Saison, nur die Einzelbewerbe (Anm.: Ziel- und Weit) durchführbar. Dabei kann man die geforderten Regeln gut einhalten und auch das Ansteckungs-Risiko für die Spieler reduzieren. Die größte Herausforderung für den Winter waren auf jeden Fall die sich dauernd ändernden und kurzfristig erscheinenden Regeln. Diese haben uns mehrere Nächte gekostet. Vor allem bei der Durchführung des Österreich Cups im Weitenbewerb Ende Oktober, wo noch am Samstag andere Regeln galten, als am Sonntag. Veröffentlicht wurden dieser aber erst am Freitag.

Tägliche Besprechungen standen so an der Tagesordnung?

Koller: Richtig, neben den vielen notwendigen Abstimmungsgesprächen zwischen Einzelnen wurden unsere fixen monatlichen Termine mittels Online- Konferenz durchgeführt. Das war für einige Neuland, wurde aber sehr gut angenommen.

Inwiefern glauben Sie, dass heuer noch die Ausübung des Stocksports möglich sein wird. Werden Meisterschaften durchführbar sein? Und wie wirkt sich das auf Bundesebene aus?

Koller: Wir haben vor gut zwei Wochen als letzter Landesverband in Österreich die Mannschaftsmeisterschaften für die Winter-Saison abgesagt. Im heurigen Jahr findet daher als einziger Bewerb noch die Einzel-Ziel-Meisterschaft statt. Die Weitenbewerbe konnten wir bereits durchführen. Derzeit ist der offene Bewerb mit Mitte Dezember geplant. Wir hoffen, dass wir sie durchführen können.

Nachdem es die Qualifibewerbe für die Staatsmeisterschaften und Österreichischen Meisterschaften im Zielbewerb sind: Werden auch diese im Bund ausgetragen?

Koller: Auf Bundesebene wurde das gleiche Vorgehen wie bei uns im Land entschieden, wobei die Weitenwettbewerbe in der ersten Jänner-Woche 2021 und die Zielbewerbe Ende Jänner stattfinden. Spannend wird, ob und wie wir in dieser Saison internationale Bewerbe haben werden. Die geplante Europameisterschaft in Weiz im März 2021 wurde mit lauten Nebengeräuschen bereits abgesagt – genauso wie der Europacup in Deutschland, der dieses Wochenende ausgetragen werden hätte sollen.

Zurück zum Verband: Dieser lebt hauptsächlich von seinen Vereinen und den Förderungen. Wie schaut die finanzielle Lage aus, muss man bereits auf Rücklagen zurückgreifen?

Viele Ideen. Stocksport-Präsident Bernd Koller äußerte sich gegenüber der BVZ.
LVB

Koller: Unser großer Vorteil ist, dass wir alle ehrenamtlich arbeiten und die fixen Kosten durch die Unterstützung des Landes Burgenland abgedeckt sind. Hier hoffe ich vor allem bei den nächstjährigen Abrechnungen auf Kulanzlösungen für dieses schwierige Jahr. Auch wir haben beim eingeführten NPO-Fonds um Unterstützung angesucht – und diese erhalten.

An welchen Projekten im Verband wird trotz Stillstands im Sport gearbeitet?

Koller: Derzeit steht der Spielmodus wieder einmal im Fokus. Der Modus (Anm.: elf Mannschaften je Liga, jeder gegen jeden, an einem Wochenende im Jahr) hat seine Vorteile, ist jedoch aus meiner Sicht nicht so attraktiv und etwas veraltet. Ich sehe außerdem eine Durchführung für die Sommer-Saison in diesem Modus wegen Corona mehr als gefährdet. Wir werden einen konkreten Vorschlag ausarbeiten müssen und relativ schnell mit unseren Vereinen entscheiden, ob und wie wir die Mannschafts-Meisterschaften, im Sommer austragen können. Alternative wäre, wie in den höchsten Ligen, in Österreich das direkte Duell einzuführen (Anm.: wie im Fußball) – das brachte aber die letzten Jahre im Verband keine Mehrheit hervor.

Stichwort Kunsteisbahn Pinkafeld: Ist eine Überdachung bereits in weite Ferne gerückt?

Koller: Ein großes Leid im burgenländischen Eisstocksport ist, dass wir keine überdachte Anlage in einem der südlichen Bezirke haben. Derzeit werden fast alle unsere Bewerbe im Freien auf der Kunsteisbahn in Pinkafeld ausgetragen. Die Anlage ist für uns Stocksportler optimal und bietet immer perfekte Eisverhältnisse – wenn es eben nicht schneit oder regnet.

Die Hoffnungen darauf sind also verschwindend gering?

Koller: Ich glaube nicht daran, dass hier eine Überdachung geplant wird, auch aufgrund des Alters und der Technik der Anlage. Wünschen würde ich es mir, da von einer Überdachung nicht nur wir Eisstocksportler profitieren, sondern andere Sportarten wie Eishockey oder Eislaufen. Zusätzlich wäre mit der angrenzenden Steiermark, die keine Eishalle in Hartberg mehr hat, ein größeres Einzugsgebiet vorhanden.