Edelfan spricht über die schwere fußballfreie Zeit. Die Meisterschaft wurde annulliert und pausiert. Ein Schock für viele. Einer davon ist der 78-jährige Rudersdorf-Anhänger Franz Pokits. Auch er vermisst das Kicken.

Von David Marousek. Erstellt am 17. Mai 2020 (02:13)

Normalerweise hätten sich am vergangenen Samstag der USV Rudersdorf und der SV Heiligenkreuz zum 2. Liga-Derby getroffen. Sportlich wertvoll, emotional noch mehr, aber durch die Corona-Krise steht das Treiben am Rudersdorfer Sportplatz still. Das trifft nicht nur die Sportler und Funktionäre, sondern auch die Fans schwer. Franz Pokits lässt sonst nämlich kein Spiel seines USV aus. Sein Haus steht dabei auch nur wenige Meter vom Sportplatz entfernt. Dass derzeit alles ruht, schmerzt, hindert ihn aber nicht daran, auf seinem Lieblingsplatz für zwei Stündchen Platz zu nehmen. Wie an einem Spieltag eben. Der Stammplatz bleibt für ihn reserviert. „Ich sitze bei jedem Heimspiel hier“, verkündet er stolz.

Eine Gans macht Franz Pokits zum Torwart

Er war selbst als Spieler in Rudersdorf aktiv. Dabei schoss er einmal 38 Tore und einmal sogar 39 Treffer. Dafür winkte damals der Aufstieg in die Landesliga. Dort konnten die Rudersdorfer im Herbst nur wenige Punkte holen, wichtige Transfers waren vonnöten. Plötzlich konnte auch der Torhüter des USV nicht mehr kommen, was dazu führte, dass sich Goalgetter Pokits ins Tor stellte und den Klassenerhalt mitfixierte. „Wir hatten eigentlich einen Fehringer Torhüter und dem kaufte der Verein damals auch ein Moped, damit er zum Training kommen konnte. Plötzlich rief er an und erklärte, ihm habe eine Gans ein Kabel beim Moped durchgebissen und er könne nicht mehr erscheinen“, erinnert sich der heute 78-Jährige an die kuriose Geschichte zurück. Gelernter Torwart war er nie, seine eigentliche Position als Stürmer war dann aber unverkennbar. „Ich stand damals immer vor dem Sechzehner und spielte mit – wie Manuel Neuer heute“, lacht Pokits.

Nach dem Ende der sportlichen Karriere war er dann unter anderem als Sektionsleiter im Verein aktiv. Unter seiner Führung wurde Rudersdorf 1975 auch Cupsieger. Gegen Pinkafeld sorgten ein 2:2 im Hinspiel und ein 3:3 auswärts – damals noch im Modus mit Hin- und Rückspiel – für den Triumph. In der zweiten ÖFB-Cup winkte mit Rapid dann das Traumlos schlechthin. Auch Stürmer-Legende Hans Krankl kam nach Rudersdorf und gewann am 16. August 1975 klar mit 5:1.

„Es geht erst weiter, wenn es Spritzen gibt“

Der Fußball heute hat sich laut ihm deutlich verändert. „Wenn jetzt einer gerade schießen kann, dann hält er schon die Hand auf. Früher waren wir viel mehr einheimische Kicker. Mit Herbert und Helmut Peischl hatten wir da auch richtige Weltkicker in unseren Reihen“, erinnert sich Pokits zurück. Die beiden Brüder spielten ebenfalls in Rudersdorf. „Wenn Herbert geschossen hat, dann wackelte die Stange“, schmunzelt er. Leider verstarb Herbert Peischl bei einem Autounfall, als er zu einem Spiel für Burgauberg fahren wollte.

Doch auch heute gibt es noch viele gute Kicker im USV-Trikot. „Christoph Zotter, Daniel Jost oder Sascha Klucsarits – das sind alles gute Spieler“, lobt die Legende die heutige Zunft.

Auch wenn er den nächsten Saisonstart kaum mehr erwarten kann, wird er nun wohl seltener am Platz zugegen sein. „Ich glaube, es geht erst weiter, wenn es Tabletten oder Spritzen gibt. Mir ist das zu gefährlich. Meine Frau und ich sind beide gesundheitlich vorbelastet.“

Wie schon angeführt, hätte am Samstag das Derby stattgefunden. Nur zwei Punkte trennten die beiden Vereine vor der Annullierung. „Wir haben das Hinspiel in Heiligenkreuz mit Pech verloren. Dieses Mal wäre es Unentschieden ausgegangen. Abgestiegen wären wir aber sicherlich nicht“, erklärt Pokits, der mit Rudersdorf seinerzeit den Cupsieg und auch den Meistertitel feiern konnte. Das hat der Edelfan, der den USV immer im Herzen tragen wird, der heutigen Generation voraus.