Aufbruchstimmung mit neuem Funktionsteam. Der SV Großpetersdorf wird 100 Jahre jung. Ein Traditionsverein, der lange sportlich zu kämpfen hatte und sich nun nicht nur OSG-Chef Alfred Kollar ins SVG-Boot holte.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 30. April 2021 (01:40)

„Ich war leer und wollte nicht nach Hause. Denn schläft man erst einmal ein, dann ist es wirklich Gewissheit. Am nächsten Morgen ist man abgestiegen.“

Diese Worte wählte Großpetersdorfs Obmann Harald Schneller am vergangenen Freitagnachmittag. Dort bat er unter Einhaltung der Corona-Verordnungen zum Gespräch. Es gab auch einiges zu verkünden, denn trotz der sportlichen Pause allerorts, bewegte sich beim SV Großpetersdorf im Hintergrund vieles. Und die Nachrichten sind für alle, die es mit dem SVG halten, wirklich erfreuliche, denn mit Ex-SVG-Tormann und dem heutigen OSG-Geschäftsführer Alfred Kollar fand man einen neuen Präsidenten, der gleich von drei Vizepräsidenten flankiert wird. OK-Energie-Haus-Chef Michael Oberfeichtner, der mit seiner Firma schon länger als Hauptsponsor fungiert auf der einen, die Großpetersdorfer Urgesteine Sascha Wurglits und Heinz Unger auf der anderen Seite. Vier erfolgreiche Geschäftsleute sollen mithelfen, dass das nicht mehr eintritt, was diesen Text einleitete.

Dramatischer Abstieg am letzten Spieltag

2018/19 ging es für den großen SVG nach Jahren der sportlichen Schwierigkeiten – diverse Ausnahmen bestätigen die Regel – von der 2. Liga in die 1. Klasse Süd. Dabei war dies an Dramatik nicht mehr zu überbieten. Zur Pause führte Großpetersdorf am letzten Spieltag nämlich gegen Jennersdorf noch mit 2:0, während der direkte Konkurrent aus Heiligenkreuz in Rechnitz mit 0:1 hinten lag. Alles war angerichtet für eine weitere SVG-Klassenerhaltsparty, die schon länger legendären Status genießen. Daraus wurde nichts. Weil der HSV das Spiel in Rechnitz in ein 2:1 drehte und der SVG in eine 2:5-Niederlage lief. Die Stimmung, die nach Abpfiff herrschte, war vorsichtig ausgedrückt „speziell“. Die kickende Zunft saß oder lag minutenlang auf der ehrwürdigen Wiese, Obmann Schneller ging nahe der Ersatzbank auf und ab, rauchte eine nach der anderen, während auch von der Tribüne nur wenige Reaktionen kamen.

„Wir haben alle eine Träne verdrückt“, so Martina Wurglits, die stellvertretend für ihren Mann Sascha am Freitag an der Diskussion teilnahm. Dieser Tag wird für ewig in die Vereinshistorie eingehen. Natürlich zuvorderst im negativen Sinne. Aber auch im Positiven. Denn es ging ein Ruck des Zusammenhalts durch den Verein. Der prinzipielle Kader blieb in der 1. Klasse fast komplett erhalten, wobei vor allem die Großpetersdorfer Garde sofort ihre Bereitschaft mitzuhelfen ausdrückte. „Das ist eben auch ein eingeschworener Haufen“, sagt Wurglits, die schon als Spielermutter viele Mühen auf sich nahm und immer mit dabei war, wenn der heutige Kapitän Michael für den SVG auflief.

Die Mannschaft wurde dann zudem verstärkt und die darauffolgende Hinrunde war Balsam für die geschundene Seele. Diese verlief wie im Traum, man gewann alles und war auf direktem Weg zurück in die 2. Liga. Was passierte, weiß jeder: Corona und die Spielzeit 2019/20 wurde annulliert. Mit am härtesten im gesamten Burgenland traf es den SVG, der mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit aufgestiegen wäre. Über den Sommer 2020 vertraute man erneut genau diesem Kader. So leicht ging es aber nicht mehr von der Hand und auch wenn es weiter Aufstiegschancen gegeben hätte, wäre es ob der Konkurrenz kein einfaches Unterfangen gewesen. Auf Platz fünf stehend, mit allen Chancen, wurde die Saison am Montag annulliert.

Seit 4. Dezember schwebt der Plan bei Obmann Harald Schneller, den Vorstand auf neue Beine zu stellen, im Kopf herum. „Es kann keine bessere Sache für den SVG geben“, sagt er und verweist gleich auf den neuen Präsidenten Alfred Kollar. Dieser ist auch als ASKÖ Burgenland-Präsident tätig, stand selbst im Tor des SV Großpetersdorf und war auch zu Beginn des neuen Jahrtausends schon Obmann. Irgendwann riss der Kontakt etwas ab, Kollar zog nach Kukmirn und unterstützte dort auch den Sportverein. So wie beim SVG war es aber nirgends mehr. „Es war wie ein nach Hause kommen“, sagt der OSG-Geschäftsführer, der keine utopischen Ziele erklärte: „Wir wollen ein guter Teil der 2. Liga sein.“ Keine Burgenlandliga-Ambitionen – oder gar noch höher. Nein, auch wenn es die Anlage zulassen würde. Kollar: „Ich kenne im Burgenland viele Sportplätze, aber so einen wie in Großpetersdorf gibt es selten.“

„Man soll mit Freude zu uns kommen“

Auf dieser soll einiges passieren, wo Michael Oberfeichtner sein Hauptgebiet sieht. Vieles soll in naher Zukunft klima-neutral werden, die Kabinen dazu saniert und das Flutlicht auf LED umgestellt werden. Zudem sind in der Kantine vegane Speisen angedacht – nicht alltäglich im meist konservativen Amateurfußball-Tun. „Wir wollen alles nachhaltiger machen und auch CO2-neutraler arbeiten. Uns ist wichtig, die Möglichkeiten unserer Spieler überall zu erhöhen“, erklärt Oberfeichtner, der vieles bis 2022 erledigen will und ergänzt: „Man soll mit Freude zu uns auf die Anlage kommen.“

Sportlich soll es nach dem neuerlichen Abbruch spätestens 2022 zurück nach oben gehen. Nach zwei Jahren, die aufgrund der Umstände extrem schwierig waren. Das Gros des Kaders soll dabei erneut gehalten werden, die Großpetersdorf-DNA weiter erhalten bleiben. Natürlich nicht nur, denn es wird auch auswärtige Kräfte brauchen, die dann aber absolute „Spitzenleute“ sein sollen. Da lief es in den letzten Jahren mit etwa Daniel Gotthardt, Geza Garda oder Tormann Csaba Somogyi eigentlich besser als zuvor, wobei diese in diesem Jahr auch nicht mehr ganz an die Leistungen des Vorjahres herankamen. Die Saat ist mit dem „eingeschworenen Haufen“ sowieso gelegt. Es geht darum, an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Mit Trainer Andi Konrad, der weiter „Chef“ bleibt und sich gemeinsam mit Oberhaupt Schneller nun mit den Kickern zusammensprechen will. Dass es zu einem großen Umbruch kommt, ist derweil auszuschließen. „Wir wollen nicht mit zehn Legionären kicken. Dafür bin ich dann auch der komplett falsche Mann“, so Kollar, der den Wiedereinstieg wie folgt erklärte: „Als ich am 4. Dezember erstmals wieder hier war, war es wie ein nach Hause kommen.“

Sportlicher Erfolg ja, großer Zwang nein

Von utopischen Plänen sieht man beim SVG ab. Die Burgenlandliga wird in der Runde quasi überhaupt nicht in den Mund genommen. Dafür ist in den letzten Jahren zu viel passiert und es gab mehr schmerzhaftere Niederlagen als schöne Siege. Das soll der Vergangenheit angehören, wo auch das Umfeld seinen Teil dazu beitragen will. Gar nicht groß in Erscheinung treten ist die Devise. „Natürlich wollen wir sportlichen Erfolg haben, aber ohne Zwang. Dazu wollen wir die Infrastruktur auf andere Beine stellen und auch der Nachwuchs wird extrem wichtig sein, denn der stellt unsere Grundlage da. Ohne diesen geht es nicht“, so Kollar, der anfügt: „Ein Verein wie der SV Großpetersdorf gehört ganz einfach in die 2. Liga.“ Man ist geneigt, ihm zuzustimmen.