Daniel Seper: Wenn zwei Herzen in einer Brust schlagen . Rapid Wien und SV Oberwart, diese zwei Vereine bestimm(t)en das Leben des gebürtigen Oberwarters, der als heute fast 31-Jähriger seinen Traum vom Profifußball lebt.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 27. Juli 2021 (02:58)

Ein Hallo hier, ein Händeschütteln da: Daniel Seper (30) ist im Informstadion zuhause. Vor knapp drei Wochen gastierte der SK Rapid Wien im ehrwürdigen Oberwarter Geläuf und Seper zeigte sich mittendrin.

Nicht nur auf SVO-Seite, wo die große Abschiedsbühne eigentlich Stürmer Marc Farkas, der nach knapp 18 Jahren seine Schuhe an den Nagel hing, gehörte, aber auch Daniel Seper sein voraussichtliches Lebewohl vom Fußballerdasein feierte. In den zweiten 45 Minuten durfte er noch einmal ran, verteidigte wie eh und je und kassierte gegen seinen grün-weißen Lieblingsklub beim späteren 0:3 auch nur zwei Gegentreffer.

„Sollten das wirklich meine letzten Minuten gewesen sein, dann bin ich sehr glücklich, dass ich diese gegen Rapid machen durfte“, sagt er, in dessen Brust zwei (Lieblings)-Herzen schlagen: Rapid Wien und der SVO!

Schon im Garten wurde um jede Kugel gekämpft

Schon als Knirps jagte er wie so viele andere der Kugel hinterher. Gegen Bruder Marc lieferte er sich nicht nur im heimischen Garten viele hitzige Duelle, die der jüngere der beiden Seper‘s viele Male für sich gewann. Der Ältere war dabei nie neidisch, sondern forderte und förderte das Können des um drei Jahre jüngeren Blondschopfs. Folgerichtig ging es in den SVO-Nachwuchs, denn das Elternhaus ist keine fünf Gehminuten vom Informrund entfernt.

Antizipation, Stellungsspiel, Zweikampfhärte: Diese fußballerischen Attribute blieben dann auch dem damaligen BNZ nicht verborgen und so durfte sich „Sepi“ mit den Besten des Landes messen. 2007 folgte dann das Debüt für die Oberwarter Erste, wo er schnell zur Stammkraft und ob seines damals jungen Alters von knapp 17 Jahren auch für höherklassige Vereine interessant wurde.

Tolle Vita für den Innenverteidiger

Der SV Stegersbach, damals Krösus des Südens, schlug zu und sollte es trotz erstmaligen Regionalliga-Abstiegs 2009 nicht bereuen. Seper verteidigte gut, verteidigte hart und so ging es in den Landesnorden zum SC Neusiedl/See. Sein Studium für Sport und Geschichte, welches er an der Uni Wien absolvierte, war ein optimaler Grund, um seine Zelte zum ehemaligen Bundesligisten zu verlagern. Es dauerte nicht lange, ehe er, nicht nur ob seiner offenen Art, zum NSC-Kapitän avancierte.

Eine nicht alltägliche Auszeichnung für einen Südburgenländer, der gern besungenes Ziel der Neusiedler Hardcore-Fans wurde. Auch weil er den Spagat zwischen nötiger Professionalität und Geselligkeit wie kaum ein Zweiter beherrschte. Aber auch der NSC musste irgendwann runter und für Seper ging es erstmals zurück zum SVO, von wo er dann ständiges Regionalliga-Mitglied wurde. Egal ob in Sollenau oder beim Wiener Sportklub, wo er auch Kapitän war, Seper lieferte konsequent, auch wenn ihm der Profifußball nicht ganz vergönnt war.

„Der SVO war mein erster Verein und soll auch mein letzter sein. Für mich schließt sich ein Kreis.“ Daniel Seper

Dafür hat er andere Highlights hinter sich: Testspiele gegen Red Bull Salzburg oder Paris St. Germain, Derbys gegen die Vienna oder die vielen, oft sehr gut besuchten Nachbarschaftstreffen in unseren Breiten. Eltendorf sollte dann in der Burgenlandliga seine letzte Station sein, ehe es zurück nach Oberwart ging. „Der SVO war mein erster Verein und soll auch mein letzter sein. Für mich schließt sich ein Kreis.“

Seit einem Jahr in der Bundesliga mit dabei

Dass dieser Kreis keine Fußball-Abstinenz bedeutet, ist seit dem vergangenen Jahr klarer als noch zuvor. Da trudelte nämlich ein Angebot ein, das Seper nicht ablehnen konnte. Seine Video-Analysen beim TV-Sender Sky, die die Bundesliga betrafen, machten so Eindruck, dass ein Engagement beim österreichischen Rekordmeister Rapid Wien kommen sollte.

Eine Ehre, denn Grün-Weiß, ähnlich wie das Oberwarter Blau-Weiß, bestimmt im Hause Seper schon lange die Gespräche nicht nur rund um den Mittagstisch. „Rapid Wien ist ein Verein, zu dem ich seit meiner Kindheit eine besondere Beziehung habe. Ich bin sehr stolz, täglich für den größten Verein Österreichs arbeiten zu dürfen“, so Seper, der nicht nur als Video-Analyst, sondern auch als Assistent im Trainerteam von Didi Kühbauer werken darf.

„Versuche, jeden Tag besser zu werden“

Dort hat er nach einem Jahr auch schon einiges hinter sich. Die Rapidler waren in der Vorsaison schärfster Verfolger von Red Bull Salzburg, haben zudem eine talentierte und auch interessante Mannschaft, die vor allem mit ihren Fans im Rücken ein sehr unangenehmer Gegner für viele Klubs in Europa sein kann. „Mir gefällt es nach wie vor sehr gut“, erklärt er der BVZ und ergänzt: „Ich versuche, mich täglich weiterzuentwickeln, besser zu werden und nach erfolgreicher Absolvierung der UEFA-A-Lizenz auch bei Rapid meine nächsten Entwicklungsschritte zu setzen.“

Wie diese dann aussehen könnten? „Man kann im Profi-Fußball nur relativ wenig vorhersagen und auch planen. Es geht oft rasch nach oben, aber ebenso schnell wieder nach unten. Deshalb möchte ich auch nicht ganz ausschließen, nochmals die Packler zu schnüren.“

Pass bleibt beim SVO, Nummer kennen alle

Der Spielerpass bleibt nämlich in Oberwart liegen und sollte etwa die Personalnot bei den Mannen von Florian Hotwagner extrem groß sein, ist es nicht unwahrscheinlich, dass irgendwann der Name Seper wieder in der Mannschaftsaufstellung aufscheint. Mit Realismus begegnet Seper diesem Umstand: „Mit meinen fast 31 Jahren bin ich langsam, aber sicher, schon im Herbst meiner Karriere. So plane ich meine kommenden Jahre grundsätzlich als Trainer im Profi-Fußball.“

Nachsatz: „Wer weiß schon, was die Zukunft bringt?“ Ein bisschen Wehmut bleibt aber natürlich dabei. Dafür waren die Eindrücke als Kicker zu prägend: „Es waren doch 20 Jahre, wo ich beinahe täglich auf dem Platz stand. Aber glücklicherweise bleibe ich dem Fußball ja treu, auch wenn die Rollen getauscht wurden.“

Mit den Rapidlern hat er nicht nur einiges vor, sondern auch schon vieles erlebt. Die Highlight-Liste des Oberwarters, der ab und an bei den Trainingsspielen mit dabei ist: „Vizemeistertitel, Teilnahme an der Champions League-Qualifikation oder auch das Spiel gegen Arsenal im Emirates blieben haften. Auch das 8:1 gegen den WAC war toll.“

Und natürlich hat er auch die Zukunft beim SVO im Blick. „Denen wünsche ich nur das Beste und viel Erfolg. Der Verein ist gut aufgestellt.“ Und wenn Not am Mann ist, ja dann: „Kennen beim SVO alle meine Handynummer.“