SV Mattersburg: „Handball-Defensive wird nicht reichen“. Nach Hartberg ist vor Salzburg. Der SVM muss am Sonntag beim Meister bestehen – und braucht dabei auch Mut.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 02. August 2019 (06:02)
Ivansich
Voll dabei. Stephan Schimandl (Mitte) feierte am Sonntag beim Heimspiel gegen Hartberg ein perfektes Bundesliga-Startelf-Debüt. Der 20-jährige Mattersburger traf nach Vorlage von Patrick Bürger zum 1:0 und durfte sich neben dem 2:1-Sieg somit auch gleich über sein erstes Bundesliga-Tor freuen.

Hartberg hat sich zum Auftakt für den SV Mattersburg als dankbarer Gegner erwiesen, was praktische Erkenntnisse betrifft. Die Steirer agierten speziell in der ersten Halbzeit nämlich sehr passiv. Gut möglich, dass das vor allem am Auftreten der Burgenländer gelegen haben mag, die durch hohe Intensität und ordentliches Pressing auf die offensive Tube drückten. Auch die Führung entstand aus so einer Situation. Ballverlust Hartberg, Weitschuss Christoph Halper, Abpraller, Querleger von Patrick Bürger auf Stephan Schimandl und der 20-Jährige schob bei seinem ersten Bundesliga-Spiel von Beginn an (Ende der Saison 17/18 kam er schon zu einem Kurzzeit-Debüt als Wechselspieler) zum 1:0 ein. Die gute Erkenntnis: Mit dem nötigen Aufwand ist es für Grün-Weiß ohne weiteres machbar, einen Gegner wie Hartberg durchaus dauerhaft zu kontrollieren und unter Druck zu bringen.

Nach der Pause fiel der SVM dann aber kurzfristig stark zurück und überließ den Gästen das Zepter. In dieser Phase gelang nicht nur der Ausgleich zum 1:1, auch der zweite Gegentreffer lag in der Luft, ehe sich Mattersburg wieder erfing und die Partie schließlich entscheiden konnte. Doch warum der plötzliche Einbruch? Trainer Franz Ponweiser: „Wir waren da zu grün. Vielleicht muss auch ich die Truppe in solchen Situationen besser zügeln, dass nicht ständig die Tiefe gesucht wird.“

Nun wartet der Serienmeister

An sich sei zwar das schnelle Spiel in den Raum der Auftrag gewesen. Irgendwann braucht es aber auch während der 90 Minuten Regenerationszeiten – die holt man sich im Zuge einer ruhigeren Kugel im Ballbesitz. Das sind dann zwar etwas weniger attraktive Phasen, aber dafür eben zweckmäßig im Sinne der zweiten Luft. „Wenn die erste Pressinglinie nicht mehr einwandfrei funktioniert, dann kriegst du aufgrund der Räume gleich Probleme.“ Nicht minder wichtig ist also auch diese Erkenntnis: Der Aufwand muss durchdachter und somit taktisch klüger abgerufen werden. Hartberg konnte diesen Fehler nicht bestrafen, der nächste Gegner würde das schon tun.

Schließlich geht es am Sonntag um 17 Uhr ausgerechnet auswärts bei Meister Red Bull Salzburg weiter. Dort wird neben Aufwand auch Taktik eine ganz wesentliche Rolle spielen. Darum sagt Ponweiser: „Wichtig wird sein, dass wir Flexibilität im Spiel an den Tag legen.“ Einerseits bedeutet das klarerweise diszipliniertes Verteidigen, aber nicht nur das: „Eine Handball-Defensive, bei der wir uns nur um den Kreis herum aufstellen, wird nicht reichen.“ Der Chefcoach weiß, dass Grün-Weiß Mut in den richtigen Spielmomenten und dann die nötige Konsequenz unter Beweis stellen muss. „Da geht es darum, wie wir Eins-gegen-Eins-Situationen lösen, aber auch wie wir Möglichkeiten erkennen.“

Eine Spielidee wird es fix geben

In diesem Spannungsfeld zwischen kontrollierter Defensive und der notwendigen offensiven Entlastung gilt es auch die optimale personelle Mischung zu finden. Ponweiser unterstreicht immer wieder, Taktik und Aufstellung auch anhand des Gegners zu fixieren. Ob dann beim spielstarken Meister auch Techniker wie Jano oder Andi Gruber wieder zum Zug kommen? Sie mussten gegen Hartberg auf der Bank Platz nehmen.

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Blick des Goldtorschützen nach oben. Martin Pusic traf gegen Hartberg per Elfer und fixierte so den 2:1-Auftaktsieg gegen die Steirer. Der Stürmer des SV Mattersburg wurde eingetauscht, holte danach im Zuge einer strittigen Situation mit dem gegnerischen Goalie Rene Swete einen Strafstoß heraus und hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg.

Der Trainer ließ sich zu Wochenbeginn alle Möglichkeiten offen, sagte nur: „Wir werden sicher mit einer Idee in die Partie gegen Salzburg gehen und anhand dessen aufstellen. Wenn Spieler richtig gut in Form sind, werden wir das aber natürlich ebenfalls berücksichtigen.“ Nicht berücksichtigt wurde zuletzt Marko Kvasina, der aufgrund der U21-EM zwei Wochen später ins Training eingestiegen war und gegen Hartberg zuschauen musste.

Ponweiser über den Status quo des Stürmers: „Pusic, Bürger, Schimandl haben zuletzt ordentlich Dampf gemacht, ihnen gegenüber wäre es unfair, wenn einer nicht berücksichtigt worden wäre.“ Plötzlich steht mit Stephan Schimandl ein weiterer Offensiver zur Verfügung. Weshalb der neue Cheftrainer auch sagt: „Der Kader ist zwar kleiner, aber richtig gut. Daher sind auch alle Spieler gefordert. Für jeden heißt es jetzt: raus aus der Komfortzone.“

 Personalsituation lässt viele Optionen offen

 Ganz gleich, wer letztlich beim Meister auflaufen wird. Die Herausforderung wird traditionell riesig. Und auch wenn Franz Ponweiser Siegeshunger in sich trägt, darf die Erwartungshaltung bei einem Gegner wie Salzburg doch ein wenig defensiver sein, wie er schmunzelnd zugibt. „Sollten wir am Sonntagabend mit einem Punkt im Gepäck heimfahren, werden wir nicht unglücklich sein.“ Für die nächste Partie wohl noch nicht, aber generell bald ein Thema sein könnte Florian Hart. Er ist nach dem überstandenen Patellasehnenproblem weiter auf einem guten Weg, bestätigt Ponweiser. „Das eine oder andere Wehwehchen gab es nach dem Hartberg-Spiel, aber sonst ist alles soweit ok.“ Auch David Nemeths Bänderverletzung im Knöchel entwickelt sich so, dass bald Land in Sicht ist.