Maul- und Klauenseuche: Der Stillstand damals. Vor 47 Jahren wurde der Spielbetrieb im Burgenland unterbrochen, Zeitzeugen erinnern sich daran.

Von Martin Plattensteiner. Erstellt am 30. März 2020 (05:24)

Vorweg – dieser Artikel hat kaum im Entferntesten mit der heutigen Lage auf der Welt zu tun. Er kann aber erinnern, mahnen, helfen – denn: im Frühjahr 1973 wurde (Ost)Österreich von einer Seuche heimgesucht. Eine, die den Menschen direkt nicht wehtat, jedoch dem, was wir üblicherweise verzehren.

Leser, die vor 1970 geboren worden sind, können sich sicher noch an die Maul- und Klauenseuche (MKS) erinnern, die von Jänner bis Juni 1973 vor allem in Ostösterreich grassierte. Dem Autor dieser Zeilen sind noch die sogenannten Seuchenteppiche aus feuchten Sägespänen in Erinnerung – eine kosmetische und auch pädagogische Maßnahme rund um die Orte. Fahrzeuglenker und Insassen mussten aussteigen, Schuhe desinfizieren. Rund 80.000 Tiere von Bauernhöfen mussten gekeult (also notgeschlachtet) werden. Schwer betroffene Gemeinden wurden damals zu Sperrgebieten erklärt.

Auch der Fußball-Spielbetrieb im Burgenland litt unter der Seuche. Da manche Regionen besonders gefährdet waren, konnte etwa die Landesliga nicht nach Plan durchgeführt werden. „Bis zu vier Nachtragsspiele standen am Programm, auch unter der Woche“, erinnert sich Franz Ziniel. Der jetzige Kittsee-Trainer hat dafür einst recherchiert – als Redakteur einer Chronik des USV Halbturn.

„Tierarzt meinte, ich muss auch bleiben“

Einen, den es damals auch persönlich hart getroffen hatte, ist Josef Pöckl, in den 70er-Jahren ein gefürchteter Stürmer der Halbturner. „Meine Großeltern hatten einen Bauernhof“, so der Ex-Goalgetter. „Da kam der Amtstierarzt und meinte, ich muss jetzt auch daheim bleiben – für drei Wochen.“ Pöckl war nicht der Einzige der Mannschaft unter Quarantäne. „Die Spiele wurden aber alle nachgetragen.“

Auch Günter Welz aus St. Margarethen hat nachgeforscht. Die Saison wurde damals mit zahlreichen Nachtragsspielen durchgezogen, im Juli war man dann doch fertig, Siegendorf stieg auf.

Vom sportlichen Aspekt her hatte der damalige Landesliga-Aufsteiger Baumgarten ab der fünften Runde als Leader ausgezeichnete Karten. Durch die Seuche im Frühjahr kam es zu vielen Absagen. Der Klub erholte sich davon nicht so richtig, war aber schließlich froh, nicht aufsteigen zu müssen. Wie sich die Themen zur heutigen Zeit, in der auch manche Klubs eher nicht aufsteigen wollen, doch ähneln.

Einer, der damals für den SV Mattersburg spielte, ist Hans Kundak. Der „schwergewichtige“ Bomber aus Neufeld kann sich an die Rückrunde noch erinnern: „Manche Vereine durften nicht spielen, in Mattersburg aber konnte der Spielbetrieb gut aufrechterhalten werden. Es gab auch Nachtragsspiele, aber bis Sommer ist es sich ausgegangen.“