Ein Finale der Superlative. Wenn selbst ehemalige Bundesliga-Meister wie Philipp Horvath sprachlos sind, dann war das Endspiel besonders.

Von David Marousek. Erstellt am 13. Mai 2021 (01:55)
Grenzenloser Jubel. Nach 2019 krönen sich die Güssinger wieder zum Meister der 2. Basketball Bundesliga – und das in einem der engsten Finalspiele aller Zeiten. Keines der beiden Teams gewann in der Finalserie mit mehr als zwei Punkten Unterschied.
David Marousek

Was für ein Saisonabschluss für die Güssing-Jennersdorf Blackbirds. Fast das gesamte Match über liefen die Güssinger den Panthers hinterher, in den letzten beiden Minuten stand man mit zehn Punkten Rückstand mit dem Rücken zur Wand. Wenige Sekunden vor dem Ende der Spielzeit kamen die Blackbirds aber zurück ins Spiel und als Jakob Ernst durch die Fürstenfelder Reihen tanzte, die Steirer sich nur mehr mit einem Foul helfen konnten, Ernst aber trotz des Fouls zum 78:78 ausglich, da wussten die Güssinger, dass gleich etwas Magisches passieren würde.

Vor zwei Wochen erklärte Jakob Ernst noch im BVZ-Gespräch, dass er „Verantwortung übernehmen wolle“. Als hätte er das mit dem Ausgleich nicht schon zur Genüge getan, verwandelte er den anschließenden „And One“-Freiwurf zum 79:78-Finalsieg seiner Mannschaft.

Philipp Horvath: „So noch nicht erlebt“

„Was Dani aus der Mannschaft gemacht hat, das ist einfach unglaublich.“

Blackbirds-Obmann Karl Baldauf über seinen Meistertrainer Daniel Müllner.

„Obmann Karl Baldauf freut sich über den Meistertitel.
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Selbst für die abgebrühten ehemaligen Güssing Knights-Spieler war dieses Herzschlagfinale unfassbar. Mit der Schlusssirene liefen Spieler und Trainerteam aufs Feld, Christoph Astl sank vor Freude auf den Boden und Jakob Ernst verschwand in einer Jubeltraube. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, freute sich Philipp Horvath. Youngster Noah Hajszan konnte den Erfolg nicht fassen: „Das Spiel war dreimal verloren – unglaublich!“

Auch Wolfgang Astl, Vater von Spieler Christoph, erfreute sich am Erfolg seines Sohnemannes. Für den Arzt gab es nämlich während des Spiels gleich zwei Einsätze. Einmal hielten die Schuhe seines Sohnes dem Druck nicht mehr stand und Papa Wolfgang brachte per Expresslieferung ein neues Paar Treter in die Halle. Nach der Schlusssirene war der ehemalige Präsident der Güssing Knights der Erste, der den Sekt für die Spieler bereitstellte.

Auch Ex-Spieler Matthias Klepeisz und Ex-Obmann Reinhard Koch gratulierten dem 2. Bundesliga-Meister. Ex-Kapitän Manuel Jandrasits verfolgte das Spiel aus Mauritius via Livestream, Thomas Klepeisz drückte aus Deutschland die Daumen.

Auch Basketball-Generalsekretär Stefan Laimer war anwesend und überreichte dem Siegerteam seinen Pokal. Vor zwei Jahren gab es für die Blackbirds noch einen oben geschlossenen Pokal, auf Initiative des Generalsekretärs musste in diesem Jahr ein offener Cup her, um für Feierlichkeiten gewappnet zu sein. Eine Genugtuung für die Güssinger, die seit Eintritt in das Spitzensportlerkonzept der Liga auf soziale Kontakte verzichten mussten und sich noch strengeren Regeln und Tests freiwillig unterwarfen, dafür aber ihren Sport ausüben durften.

Trotz Schulterverletzung feuerte Thomas Knor seine Truppe an.
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Nur von der Bank aus sah Thomas Knor das Duell der beiden Spitzenteams. Trotz Schulterverletzung war er jedoch als Motivator und lautstarker Antreiber mit dabei. Auch Kapitän Sebastian Koch war eigentlich seit dem Spiel am Mittwoch der Vorwoche verletzt und fand sich nicht in der Starting-Five wieder. Mit einem doppelten Bänderriss im Knöchel und einem Fuß, der in allen Farben des Regenbogens leuchtete, warf Sebastian Koch dennoch alles ins Spiel. Das hinderte den zwei Meter großen Forward nicht daran, mit 19 Punkten zum Topscorer – gemeinsam mit Jakob Ernst – zu avancieren. Die anschließende Bierdusche heilte jedoch bereits einige Wunden (siehe Foto rechts unten). „Cook“ wurde anschließend von der Liga sogar als Final-MVP ausgezeichnet.

Für Headcoach Daniel Müllner nur ein weiterer Beweis des Teamgeistes. „Dass Basti mit Verletzung gespielt hat, das ist genau das, was das Herz der Mannschaft zeigt. Ich bin einfach nur stolz auf die Mannschaft, die Jungs haben sich das so verdient. Und das alles auch noch ohne unsere Fans im Rücken“, so der Headcoach. Auch von Obmann Karl Baldauf gab es nach dem Schlusspfiff nur Lobesworte: „Ich bin stolz auf die Burschen und auf den Trainer. Dani hat da etwas aus der Mannschaft gemacht, das ist einfach unglaublich.“

Grenzenloser Jubel. Nach 2019 krönen sich die Güssinger wieder zum Meister der 2. Basketball Bundesliga – und das in einem der engsten Finalspiele aller Zeiten. Keines der beiden Teams gewann in der Finalserie mit mehr als zwei Punkten Unterschied.
David Marosuek, David Marosuek

Für die siegreichen Güssinger gab es anschließend zahlreiche Glückwünsche, auch von der Konkurrenz. „Es haben uns so viele Fans, Freunde und Teams geschrieben und uns zum Sieg gratuliert. Die Gunners holen den Cup und wir werden Meister, das war einfach super für den burgenländischen Basketball“, freute sich Müllner.

Kraft tanken und für neue Saison planen

An die kommende Saison hat Headcoach Daniel Müllner laut eigenen Aussagen „noch keine Sekunde verschwendet“. Zu viel hätte die abgelaufene Saison mental und an Kraft abverlangt. „Wir genießen jetzt einfach mal. Wenn alles lockerer wird, dann schauen wir uns die Planungen an. Bis Ende Mai wollen wir Entscheidungen, aber mental und körperlich brauchen alle eine Pause“, führte Müllner aus. Weiter geht es mit Feedbackrunden und Einzelgesprächen.

Eine Arbeit steht laut Müllner jedoch für die Güssinger noch an: „Wir sind jetzt gerade dabei die Meistershirts zu drucken.“