Markus Kuster fühlt sich bei Karlsruhe wohl . Markus Kuster hat sich in Karlsruhe eingelebt. Dass er beim neuen Klub aktuell Zweiergoalie ist, stört nicht. Denn bis auf weiteres zählt: „Das Gesamtpaket passt.“

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 23. Oktober 2020 (02:12)
Bei seinem neuen Klub in Karlsruhe ist Kuster aktuell hinter Marius Gersbeck die Nummer zwei.
Ivansich

Er gehörte zu jener Gruppe von Mattersburg-Profis, deren Vertrag im Sommer 2020 auslief – und die sich auch aktiv verändern wollte. Darum entschied sich Markus Kuster schon nach dem Ende der Saison gegen die angedachte Vertragsverlängerung beim SV Mattersburg und für eine neue Herausforderung. Acht Tage, nachdem der Bilanzskandal der Commerzialbank Mattersburg aufgeflogen war, unterzeichnete der Goalie aus Pama dann einen Vertrag beim Karlsruher SC. In dieser Phase war noch nicht ganz klar, ob und wie es beim langjährigen Bundesliga-Verein aus dem Burgenland – wo Kuster über die Fußballakademie den Sprung in die Kampfmannschaft schaffte und seit April 2014 das Tor hütete – weitergehen würde. Längst ist der Ausgang der Geschichte bekannt. Für den SVM gab es keine Rettung mehr, der Verein schlitterte in die Insolvenz, ist von der Bildfläche verschwunden und soll nun als neuer Verein MSV 2020 vor allem über den bestehenden Nachwuchs wiederbelebt werden.

All das hat Kuster nur noch aus der Ferne miterlebt. Er, der im Sommer 2018 ein Angebot vom dänischen Hauptstadtklub Bröndby Kopenhagen ausschlagen musste (weil er vertraglich gebunden war), erfüllte sich nun seinen Traum vom Auslands-Engagement und arbeitet seit 23. Juli beim Traditionsverein in der gut 300.000 Einwohner großen Stadt im südwestdeutschen Bundesland Baden-Württemberg.

„Das Training tut mir gut, ich fühle mich wohl und komme schön langsam so richtig in Karlsruhe an.“ Markus Kuster über die nötige Eingewöhnungsphase in der neuen Umgebung

Drei Monate später ist der ehemalige Einser-Tormann des SV Mattersburg bereits um jede Menge neuer Erfahrungen reicher. Auch wenn Kuster, der sich mit Marius Gersbeck in der Vorbereitung um das KSC-Einserleiberl matchte, rein sportlich noch nicht dort steht, wo er längerfristig gerne hin möchte. Denn der 26-Jährige ist bis auf weiteres die Nummer zwei bei den Profis, das hat Cheftrainer Christian Eichner im Vorfeld des 2. Bundesliga-Auftakts entschieden. „Ich habe richtig gut begonnen bis Mitte der Vorbereitung, ehe mir beim Test gegen St. Pölten zu Beginn nach einem Eckball ein Fehler passiert ist (Anm.: Dieser führte zum 0:1, am Ende siegte Karlsruhe 2:1).

Die Tage davor hatte ich eine Magen-Darm-Grippe, das hat sich auch körperlich länger bemerkbar gemacht. Danach habe ich nicht mehr so wie davor in die Spur gefunden, habe mir selbst zu viel Druck gemacht und Marius Gersbeck war in dieser Phase einfach besser. Der Trainer hat das mit mir analysiert, die Entscheidung war berechtigt.“ Böse oder down war der Nordburgenländer übrigens in keinster Weise, das wäre im Profigeschäft auch kontraproduktiv. Stattdessen ist nun Geduld und stetige Arbeit angesagt, um auf die nächsten Chancen zu warten. Während der Länderspielpause etwa stand Kuster beim 4:2-Testspielsieg in Mainz im KSC-Gehäuse, in der 2. Bundesliga erhält freilich bis auf weiteres Gersbeck den Vorzug.

Mittlerweile kann sich die langjährige Nummer eins des SV Mattersburg auch wieder voll und ganz auf die besagte tägliche sportliche Arbeit auf und neben dem Platz konzentrieren. Das war in den Wochen davor insofern nicht immer ganz leicht, als diverse organisatorische Belange zu erledigen waren – von der Einrichtung für die unmöbliert angemietete Wohnung über das Auto bis hin zum Bankkonto waren parallel zum Training auch andere Punkte auf der Zu-Erledigen-Liste nötig und wichtig. „Diese organisatorische Komponente habe ich unterschätzt – und würde ich jetzt anders machen. Aber das ist auch ein Lernprozess.“ So oder so kommt Kuster zugute, dass Lebensgefährtin Hanna Jauck auch in Deutschland an seiner Seite ist. „Sie ist wirklich eine sehr große Hilfe und nimmt mir privat einiges ab.“

Nächste Aufgabe wartet am Freitag in Nürnberg

Ergo gilt der Fokus längst wieder voll der Tormanntätigkeit. „Ich habe zuletzt bereits gemerkt, dass viel weitergegangen ist.“ Also hat sich Markus Kuster beim Vorletzten, der nach drei Niederlagen zum Auftakt zuletzt gegen Sandhausen 3:0 erfolgreich blieb, in Stellung gebracht. Am Freitag geht es um 18.30 Uhr in Nürnberg zur Sache, wo der Fußballakademie-Absolvent wieder von der Ersatzbank aus für einen möglichen Einsatz bereit sein wird.

Sehr wohl weiß der zweifache Gesamtsieger der BVZ-Sportlerwahl seinen Status zu schätzen, auch wenn der aktuell eben nicht die Einserposition ist: „Ich bin einfach sehr dankbar, wie meine Karriere bislang verlaufen ist. Da ich schon immer ins Ausland wollte, ist es umso besser, jetzt in der 2. Deutschen Bundesliga einen coolen Verein gefunden zu haben, wo das Gesamtpaket passt. Das Training tut mir gut, die Stadt gefällt mir sehr und der Verein ist in Bewegung. Aktuell wird das Stadion umgebaut, das Interesse am Fußball ist sehr groß.“ Genau in diesem Kontext erfährt die sportliche Warteschleife einen anderen Wert: „Ich fühle mich einfach wohl und komme schön langsam so richtig an in Karlsruhe.“