Nachwuchsfussball: Auf Analyse folgt Plan bis 2030. Burgenlands Verband will die Zahl der Nachwuchsteams steigern und langfristig an eine Lizenzvergabe koppeln.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 31. Juli 2019 (06:18)
Fenz
BFV-Boss Gerhard Milletich (l.) und Hans Füzi.

Was tun, um den Fußball im Burgenland nachhaltig aufrechterhalten zu können? Diesem Problem will der Burgenländische Fußballverband (BFV) mit einer aktuellen Faktensammlung entgegentreten. Einig sind sich die Protagonisten, dass im Nachwuchsfußball angesetzt werden muss, um dort die Basis langfristig zu stärken. Darum wurden Daten aus jeder Gemeinde erhoben. Hans Füzi, Sportlicher Leiter, erklärt: „Wir haben für das Jahr 2018 herausgefiltert, wie viele Kinder im Volksschulalter tatsächlich aktiv Klubfußball spielen.“

Burgenlandweit gibt es bei den Burschen einen Schnitt von 25,55 Prozent (siehe Grafik), die Mädchen erreichen 2,13 Prozent, Buben und Mädchen zusammen kommen auf 14,1 Prozent. „Für uns war diese Zahl überraschend hoch. Wenn bei den Burschen fast jeder dritte aktiv spielt, ist das schon sehr gut. Unser Ziel sind trotzdem 30 Prozent.“ Geschlechterübergreifend peilen die Verantwortlichen 20 Prozent an. Auch weil die lange Zeit komplett verwaiste Sparte des Mädchenfußballs zumindest zart sprieße. Füzi bestätigte, dass in der neuen Saison in der U10 und U12 der Versuch von zwei reinen Mädchenmeisterschaften erfolgt.

„Die Zusammenarbeit mit den Nachwuchsleitern ist fantastisch und eine starke Basis, auf der wir aufbauen.“ Hans Füzi, Sportlicher Leiter des BFV, über den Draht zu den Nachwuchs-Verantwortlichen

Vor allem soll es generell über kurz oder lang eine breite Nachwuchs-Streuung bei sämtlichen Klubs geben. Abzulesen sei laut Füzi nämlich auch ein Faktor: „Ob Kinder in einer Gemeinde Fußball spielen, hängt vor allem von den handelnden Funktionären und der Vereinsphilosophie ab. Wir haben etwa Fälle mit sehr vielen Volksschulkindern, die allerdings nicht beim Fußballklub aktiv sind. Umgekehrt gibt es kleine Ortschaften, wo der Prozentsatz überraschend hoch ist.“

Zu berücksichtigen seien hier auch Umstände wie jener, ob die jeweilige Gemeinde eine Hochburg einer anderen Trendsportart ist und die Kinder so aus gutem Grund fernbleiben. Oder ob die Gemeinde respektive der Fußballverein im Nachwuchs in einer Spielgemeinschaft (SPG) – Zusammenschlüsse sind in diesem Bereich mittlerweile vielerorts üblich – involviert ist. Hier gilt es laut BFV dann zu beachten, welche Gemeinde beziehungsweise welcher Verein bei der jeweiligen SPG federführend ist.

 Aktuelle Lage wird erkundet

 Wichtig sei BFV-Präsident Gerhard Milletich zum jetzigen Zeitpunkt die Erhebung des Status quo: „Die Analyse wurde deshalb gemacht, um zu wissen, wie die Lage tatsächlich aussieht.“ Bürgermeister und Obmänner werden nun brieflich informiert, wie sich die Situation im jeweiligen Ort darstellt. „Unser Ansatz ist, dass sich jeder Verein hinterfragen soll. Insgesamt sind die Fakten gut, aber es gibt schon die Befürchtung, dass diese Zahl über Einzelschwächen hinwegtäuscht. Dem soll nun langfristig entgegengewirkt werden.“

Erste Schritte seien aus Sicht des Verbands dafür bereits gesetzt worden. Etwa mit dem Beschluss, quantitativ schwache Nachwuchsteams mit einer gewissen Zahl an Jahrgangsälteren auffüllen zu können. Auch die Nachwuchsförderung sei in den letzten Jahren von 80.000 auf 160.000 Euro verdoppelt worden. Füzi: „Vor sechs Jahren waren wir noch bei 400 gemeldeten Nachwuchsteams. Im Herbst 2018 waren es nur noch 300, jetzt haben sich wieder 350 Mannschaften angemeldet.

Die Zusammenarbeit mit den Nachwuchsleitern ist fantastisch und eine starke Basis, auf der wir aufbauen. Im Bundesvergleich haben wir im Burgenland von der U7 bis zur U18 die höchste Dichte. Der Trend stimmt also, aber wir wollen die Nachhaltigkeit garantieren.“

 „Enden soll der Prozess in der Lizenzvergabe“

 Diese Nachhaltigkeit soll in Zukunft auch an eine Lizenzvergabe gekoppelt sein. Hier wird an einem Punkteschlüssel gearbeitet, der angepasst an die Größe der Gemeinde und die Zahl an Kindern für jeden Klub ein Mindestmaß an Nachwuchsteams einfordert. Dieser Schlüssel sei, wie die Verantwortlichen klarstellen, für Klubs mit einer bereits bestehenden Nachwuchsarbeit im Normalfall kein ernsthaftes Problem.

Brocreative; antpkr/Shutterstock.com; BVZ-Grafik: Bischof

Vom zeitlichen Rahmen her peilt der Verband eine Art Lizenzierungs-Vorstufe im Jahr 2025 an. Bis dahin gibt es die Möglichkeit, vor allem einmal die Basis im Volksschulalter zu stärken. Füzi: „Das ist der erste Lösungsansatz. Wenn ich mich rechtzeitig um meine „Kunden“ kümmere, werde ich den Verein auch aufrechterhalten können.“ Und Milletich ergänzt: „Es soll hier bei den Kleinsten auch kein Abwerben von Kindern geben.“ Der BFV-Boss sieht als Parndorf-Obmann in den vergangenen Jahren durch die Stärkung seines Nachwuchsbereichs selbst, wie Youngsters aus der Umgebung im Nachwuchs zum SC/ESV kommen. „Das soll aber nicht bei den Kleinsten sein. Ab einem gewissen Alter ist es nicht zu verhindern, dass die Besten einen eher kleinen Klub verlassen. Oft kommen diese Kinder aber gut ausgebildet wieder zum Heimatverein zurück, auch das sehen wir.“

Finanzielle Investitionen

Bis 2030 könnte dann der gesamte Nachwuchs im Fokus stehen. Milletich: „Enden soll der Prozess in der Lizenzvergabe. Wir wollen so die bereits engagierten Klubs aufwerten und ein Kriterium schaffen, dass es künftig zu wenig ist, sich nur um die Kampfmannschaft zu kümmern. Schritt für Schritt wollen wir dieses Ziel erreichen.“

Dass dafür auch finanziell etwas in die Hand genommen und zudem Personal lukriert werden muss, ist dem Verbands-Präsidenten bewusst. „Natürlich wird das nur mit Geld möglich sein. Hier gilt es künftig den richtigen Prozentsatz vom Gesamtbudget dem Nachwuchs zuzuordnen.“ Soll es doch künftig zum guten Ton gehören, über einen eigenen Nachwuchs zu verfügen. „Schließlich ist das auch eine gesellschaftspolitisch wichtige Imagegeschichte.“