Neun Bundesländer im Planungsvergleich. Absteiger ja/nein, Zeitpunkt der Wertung im Fall eines Abbruchs? Die neun Landesverbände haben unterschiedliche Linien – ein Überblick.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 18. Februar 2021 (02:23)
BVZ

Corona beutelt den Amateurfußball seit einem Jahr kräftig durch. Die Saison 2019/2020 wurde bekanntlich abgebrochen und annulliert. Für die aktuelle Punktejagd sprach der ÖFB auf Basis eines Rechtsgutachtens im Sommer eine Empfehlung aus. „Wir gehen davon aus, dass diese auch rechtlich hält“, sagt Thomas Hollerer.

Der ÖFB-Generalsekretär und Jurist stellt beim Blick zurück klar, dass vor rund acht Monaten eine Regelung gefunden werden musste, die eine rechtlich sichere Variante darstellt, zudem eine Wertung garantiert, bei der eine Mindestvoraussetzung im Sinne sportlicher Fairness festgeschrieben ist und die auch noch regionale Besonderheiten der jeweiligen Verbände berücksichtigt. „Wir wollten schließlich nicht mit dem Rasenmäher über die jeweiligen Verbände drüberfahren.“ Diesem Anforderungs-Mix gerecht zu werden, ohne zu wissen, wie sich die Corona-Pandemie entwickeln würde, sei im besagten Sommer 2020 vor Beginn der neuen Saison die große Herausforderung gewesen. Immer mit der Überschrift, dass eine Wertung oberste Priorität hat. Hollerer: „Andernfalls wäre das nach der annullierten Meisterschaft eine Bankrotterklärung für die Lernfähigkeit gewesen.“

Und doch braucht es in diesem Spannungsfeld eben auch faire Rahmenbedingungen. Die wurden insofern festgeschrieben, als die Meisterschaften dann gewertet werden sollen, wenn zumindest einmal jeder gegen jeden gespielt hat, also eine Hinrunde absolviert ist. Meister und Aufsteiger wären damit möglich. Davon Mannschaften absteigen zu lassen, rät der ÖFB explizit ab, sofern nicht die gesamte Meisterschaft gespielt werden kann. Verpflichtend sei das allerdings nicht, wie Hollerer auf Nachfrage bestätigte. „Das war auch deswegen kein Thema, weil die Bundesländer ganz unterschiedliche Ligastrukturen haben.“

Fakt ist: Der ÖFB-Empfehlung eines ausgesetzten Abstiegs folgen aktuell zwei Verbände – mit Wien ist noch ein drittes Bundesland möglich, die Entscheidung folgt hier erst. Alle anderen Länder haben sich in ihren Bestimmungen auf Absteiger verständigt. Sehen Sie einen Bundesländer-Überblick und die unterschiedlichen Herangehensweisen bei den Wertungen:

Vorarlberg und Steiermark

In Vorarlberg und in der Steiermark wird die Seuchensaison – was den Auf- und Abstieg betrifft – genau so abgewickelt, wie vom ÖFB empfohlen: Aufsteiger ab zumindest einer gespielten Hinrunde, Absteiger nur nach einer voll gespielten Saison. Sollten sich in Vorarlberg nach der Hinrunde übrigens weitere Partien ausgehen, würde das Frühjahr trotzdem nur gewertet werden, wenn es komplett gespielt wird. Danach sieht es natürlich nicht aus. Im Falle eines Abbruchs oder einer unvollständigen Meisterschaft wird die Tabelle der Hinrunde gewertet. Punkt. Die Steirer wiederum würden laut ihren Bestimmungen im Falle einer Frühjahrs-Fortsetzung sehr wohl einen Teil werten: jenen Stand, bei dem „alle Vereine (Mannschaften) die idente Anzahl an Meisterschaftsspielen absolviert haben. Dies wird durch Herausnahme jener Runden, in denen nicht alle Spiele absolviert wurden, vorgenommen.“

Oberösterreich, Tirol und Salzburg

Das steirische System ähnelt hier jenem in Oberösterreich , Tirol und Salzburg . Unterschied: Dort soll es ab zumindest einer gespielten Hinrunde nicht nur Auf- sondern eben auch Absteiger geben. In die Tabelle fließen aber auch hier im Fall eines Meisterschaftsabbruchs im Frühjahr oder einer letztlich nicht komplettierten Saison nur jene Spiele ein, die einer vollständig absolvierten Runde entstammen. Fehlt beispielsweise am Ende ein Spiel aus Runde 17, dann werden auch allen anderen Klubs ihre Punkte aus dieser Runde wieder gestrichen.

Tirol schert insofern ein wenig aus, als dass es je nach Ligagröße eine Mindestanzahl an gespielten Runden verlangt. Beispiel: In einer 14er-Liga müssen 20 komplett gespielte Runden absolviert sein, damit der Tabellenstand bei Abbruch zur Wertung herangezogen wird. Sind es weniger, gilt die Hinrunde.

Burgenland und Niederösterreich

Burgenland und Niederösterreich folgen der ÖFB-Empfehlung insofern, als zumindest eine gespielte Hinrunde für eine Wertung maßgeblich ist. Absteiger sind in beiden Landesverbänden vorgesehen, auch wenn nicht der komplette Spielplan abgewickelt werden kann. Die Tabellenendstände könnten zudem per Quotient errechnet werden: Dann nämlich, wenn zum Zeitpunkt eines Abbruchs zwei oder mehr Mannschaften eine unterschiedliche Anzahl an Spielen absolviert haben. In diesem Fall würden die Punkte durch die absolvierten Spiele dividiert. Seitens des BFV fährt man ein von NÖ leicht abweichendes Programm, als die Quotienten-Regel erst zur Anwendung kommt, wenn zumindest ein Drittel der Frühjahrsspiele gespielt ist. Ansonst zählt die Wertung der Hinrunde.

Ein weiteres individuelles Wertungssystem gibt es in Kärnten . Hier peilen die Verantwortlichen neben Auf- auch Absteiger an – in diesem Punkt unterscheidet sich die Fußballfamilie aus dem südlichsten Bundesland nicht vom großen Rest. Sehr wohl wird beim Kärntner Fußballverband aber bei der möglichen Wertung ein anderer Weg eingeschlagen. Alle Spiele, die gespielt wurden, die zählen auch. Voraussetzung ist, dass bereits 90 Prozent durchgeführt wurden. Hat ein Verein dann weniger Partien ausgetragen als andere, hat er Pech gehabt. „Vom Prinzip her stimmt es so. Dafür werden Vereinen, so wie bei den anderen Varianten, keine bereits erspielten Punkte weggenommen“, erklärt Geschäftsführer Richard Watzke. So sich die 90 Prozent nicht ausgehen (wovon auszugehen ist), würde die Wertung nach der Hinrunde herangezogen werden.

Wien

Bleibt noch Wien. Hier ist aktuell noch nicht endgültig entschieden, ob es im Zuge der Meisterschaftswertung neben Aufsteigern auch Absteiger geben wird. Das sei laut Vizepräsident Johannes Dobresberger Thema der kommenden Vorstandssitzung. Fest steht aber das primäre Ziel: Mit der kompletten Austragung der Hinrunde soll eine Wertung erzielt werden. Sollte in weiterer Folge die Frühjahrssaison gestartet, aber nicht beendet werden, gilt die Wertung nach der Hinrunde. Hier ist seitens des WFV laut Dobretsberger „keine Quotienten-Regelung oder eine andere Variante geplant“. In diesem Punkt wird in der Bundeshauptstadt also gleich wie im äußersten Westen beim Vorarlberger Fußballverband verkehrt.

Unterschiedliche Vorlaufzeiten: Niederösterreich hat eine Fünf-Wochen-Vorlaufzeit beschlossen. Heißt, dass ab dem behördlichen „Go“ für den Fußball fünf Wochen später die ersten Meisterschaftspartien angesetzt werden. Vielen andere Bundesländern – darunter auch dem Burgenland – reichen vier Wochen Vorbereitungszeit. Andere haben das noch nicht explizit festgelegt. „Aus meiner persönlichen Sicht sind sechs Wochen Vorbereitungszeit notwendig“, sagt Raphael Koch, Direktor des oberösterreichischen Fußballverbands.

Fast jedes Fußball-Bundesland kocht also in manchen Bereichen sein eigenes Süppchen, auch wenn sich am Ende doch wieder genügend Überschneidungen erkennen lassen. „Wir wollten den Landesverbänden die Möglichkeit geben, auf regionale Unterschiede besser reagieren zu können“, erklärt Hollerer, warum es vom ÖFB diesbezüglich lediglich eine Empfehlung gab. Ob jede einzelne Wertungs-Variante der Landesverbände rechtlich wasserdicht sei? „Ich bin mir sicher, dass sich alle Verbände ihre Situation überlegt haben und wissen, was sie tun.“ Aktuell ist ohnedies unklar, wann und ob es im Frühjahr wieder mit dem Amateurfußball losgehen kann. Deshalb ergänzt Burgenlands Fußballverbands-Präsident Gerhard Milletich auch: „Ganz gleich, was jeder Landesverband entschieden hat, wird es in fast allen Regionen nicht über die Hinrunde hinausgehen. So gesehen sind die Voraussetzungen gar nicht mehr so unterschiedlich.“ Bis eben auf die Causa Absteiger. Die wird unter den aktuellen Voraussetzungen tatsächlich nicht einheitlich gehandhabt.

Hollerer will übrigens Gerüchten, wonach die Politik bereits ein Verbot von Kontaktsportarten bis zum Sommer vorbereite, keinen Glauben schenken: „Das halte ich für kompletten Quatsch. Es gibt derzeit leider sehr viele Gerüchte. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Faktenbezug verlieren.“

Für den ÖFB-Generalsekretär hält der Sport nämlich ein Argument in Händen, das mehr und mehr bedeutsam wird: „Wenn man das an Tests koppelt, dann ist das eine Chance für die Gesellschaft, die Testanzahl massiv zu erhöhen. Da kommt einiges zusammen, was uns allen in der Pandemie-Gesamtstrategie helfen kann. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass im Frühjahr gespielt wird.“