Reserven-Thema im Burgenland: Bekenntnis bis zum Zwangsabstieg

Erstellt am 15. Mai 2022 | 04:29
Lesezeit: 5 Min
Burgenland Reserven Ein Bekenntnis bis zum Zwangsabstieg
BFV on Tour. BFV-Geschäftsstellenleiter Karl Schmidt, BFV-Finanzreferent Rainer Hack, BFV-Mitarbeiter Heinz Lautischer, Gruppe Mitte-Obmann Gerhard Kornfeind, BFV-Präsident Günter Benkö, BFV-Vizepräsident Ernst Wild, BFV-Nachwuchsreferentin Gabi Pinter, Gruppe Süd-Obmann Josef Hafner sowie Schiedsrichter-Obmann Benjamin Steuer (v.l.) beim Bezirk Mattersburg-Termin in der Kantine des ASV Draßburg. Foto: Richard Vogler
Foto: Richard Vogler
Der Vorstand des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) verständigte sich auf eine neue Regelung im Erwachsenenfußball, die den Betrieb der Reserven stärken soll. Ab der Saison 2022/2023 gilt: Ein „Nichtantreten“ bei mehr als 25 Prozent der Spiele in der Reserve hat akute Auswirkungen – dann wird der betreffende Verein am Ende der Saison an das Tabellenende gereiht und muss mit Kampfmannschaft und Reserve zwangsabsteigen.
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Der Umgang mit den Reserven war zweifelsohne das polarisierendste Thema, das die Führungskräfte des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) bei ihren bisherigen „BFV on Tour“-Terminen zu hören bekamen. In den einzelnen Bezirken hatten Vereinsvertreter dabei die Möglichkeit ihre Probleme und Anregungen im zwanglosen Rahmen kundzutun.

Dabei kristallisierte sich inhaltlich eben ein wesentlicher Faktor heraus. BFV-Geschäftsstellenleiter Karl Schmidt: „Die Reservethematik steht über allem, weil es eben auch nicht immer ganz einfach ist eine zweite Mannschaft zu stellen. Hier ist vor allem der Freitagtermin ein Problem.“

Längst ist das sogenannte „Nichtantreten“ keine Seltenheit mehr, haben pro Liga einige Klubs ein oder mehrere „Sternderl“ in der Tabelle, die eine oder mehrere Absagen des betreffenden Vereins mit der Reserve ausweisen.

Interessanter Aspekt: Jene Vereinsvertreter, die bei „BFV on Tour“ anwesend waren, ließen laut Schmidt aber trotzdem zu einem überwiegenden Teil wissen, dass die Reserven unbedingt beibehalten werden sollten. „Abschaffen ist keine Lösung, da sind sich die meisten einig.“ BFV-Präsident Günter Benkö geht in der Klarheit sogar noch einen Schritt weiter: „Keine Reserven mehr wären der Tod für unseren Fußball.“

Dass das Thema Spannungen mit sich bringt, steht fest. Fakt sei auch, dass in manchen Ligen sehr wohl eine starke Diskrepanz spürbar ist, was den Zugang zum Thema betrifft. Schmidt: „Der eine Verein trainiert beispielsweise unter der Woche mit der Reserve und kann beim Match 16 Spieler stellen. Der andere Verein hat Probleme, am Spieltag überhaupt eine Mannschaft zusammenzubekommen. Da sind die Unterschiede eben groß.“

Bis zu 25% Nichtantreten erlaubt, danach Abstieg

Besagte Hindernisse und Probleme gelte es künftig besser in den Griff zu bekommen – etwa die Schwierigkeit des Freitag-Termins für Reserven. 17.30 Uhr vor den Kampfmannschaften ist einfach keine attraktive Anpfiffzeit, wenn ohnehin bereits Personalmangel herrscht und kein Kicker fehlen sollte. Hier werde man Varianten prüfen – wie die Möglichkeit eines neuen Alternativ-Termins für die Reserven, oder auch grundsätzlich die Variante einer Austragung nach den Kampfmannschaften, falls der Personalmangel besser behoben werden kann, indem Ersatzspieler von der Ersten dann in der Zweiermannschaft auflaufen.

So oder so erfolgte parallel am Dienstagabend im Zuge eines einstimmigen Vorstandsbeschlusses auch für die Zukunft ein klares Bekenntnis des Verbands für die Reserven. Ab der kommenden Saison wird ein Verein bei mehr als 25 Prozent „Nichtantreten“ in der „Revue“ am Ende der Saison an die letzte Stelle gesetzt und muss zwangsabsteigen.

In den 2. Klassen, wo es keine Absteiger gibt, wäre die Konsequenz der Entzug des Aufstiegsrechts für die Kampfmannschaft in der betreffenden Saison.

Die Vorgänge bei der Reserve sind so jedenfalls noch mehr auch an die Kampfmannschaft geknüpft. Neben den bislang obligaten Verbandsstrafen des Straf- und Meldeausschusses (STRUMA) für das „Nichtantreten“ soll künftig auch jenes bestehende Regulativ forciert werden, bei dem geschädigte Klubs eine Strafzahlung vom Gegner für den Einnahmenentgang einfordern können.

Paragraph 12, Absatz 5 der BFV-Durchführungsbestimmungen sieht hier nach Liga gestaffelte Zahlungen vor. Diese verflossen bislang, wenn sich die Klubs nicht selbst aktiv darum kümmerten. Künftig soll aber auch hier eine neue Selbstverständlichkeit folgen.
Benkö: „Wir beschäftigen uns schon lange mit der Materie, haben zahlreiche Sitzungen abgehalten und zeigen nun eine klare Linie, dass wir uns zu den Reserven bekennen, weil sie ein wichtiger Faktor für das Überleben der Vereine sind. Es freut mich sehr, dass dieser BFV-Beschluss auch einstimmig erfolgte.“

Was auf den ersten Blick – Zwangsabstieg bei mehr als 25 Prozent – hart klingt, sei laut Karl Schmidt durchaus praxistauglich. „In Niederösterreich etwa gibt es schon bei etwa zehn Prozent diese Konsequenz. Bei einer Liga mit 16 Vereinen bedeutet unsere Regelung, dass ein Nichtantreten pro Saison bis zu sieben Mal möglich ist. Wir sehen das als Lösung, die umsetzbar ist und dem generellen Betrieb im Unterhaus zugute kommen wird.“

Anders gesagt rechnet die Verbandsspitze nicht mit einer Zwangsabstiegs-Flut. Das sei auch gar nicht die Absicht, wie Günter Benkö klarstellt: „Es betrifft ja nur wenige Vereine, die hier überhaupt keine Möglichkeit sehen. In den meisten Fällen ist es machbar.“

Offen angesprochen wird von Verbandsseite dann auch die Variante, dass sich Klubs mit akutester Personalnot zusammenschließen, um künftig wieder gestärkt durchstarten zu können. Bis 20. Mai sind hier die jeweiligen Teams für den Meisterschaftsbetrieb der neuen Saison zu melden. „Meist sind die Probleme in der Reserve auch mit Personalmangel in der Kampfmannschaft verbunden,“ so der BFV-Präsident.

Rein auf die Reserven bezogen sei die Prognose für die neue Saison aber trotzdem weit besser als die Lage derzeit, wo es noch (zu) viele „Nichtantreten“ gibt. Deshalb meint Karl Schmidt auch: „Vor der Covid-Pandemie waren es bei den Reserven ein, zwei Vereine, die öfter als sechs Mal nicht angetreten sind. Wir gehen davon aus, dass sich die allgemeine Lage wieder mehr normalisiert und deshalb die beschlossenen Konsequenzen auch gar nicht angewandt werden müssen.“