David Kraft ein Mann mit Klasse. David Kraft (30) und das Südburgenland? Das passt. Egal wo der aktuelle Kohfidisch-Tormann auch aufschlägt, beliebt war er überall. Nicht nur wegen seiner Klasse.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 26. Februar 2021 (01:11)
Ein echter Typ. David Kraft zeigte in Stinatz, Stegersbach, Ritzing und Kohfidisch seine Klasse. In naher Zukunft will er das an die Goalie-Jugend weitergeben. Anfänge sind gemacht.
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„Dich werden wir hier nicht mehr los …“ Was die BVZ vor knapp eineinhalb Jahren vor einem Kohfidischer Transfer-Fotoshooting bei einem Testspiel in Rechnitz scherzhaft Richtung David Kraft artikulierte, ist lange Realität: Der gebürtige Niederösterreicher und das Südburgenland gehören zusammen. Dabei ist er nicht nur Tormann, sondern ein Typ, wie es ihn im Fußballgeschäft nur selten gibt.

„Sportlich“ laufe es bei ihm „derzeit mäßig“. Heimtrainingspläne und Laufeinheiten sind nicht seins, bekräftigt er: „Ich ließ schleifen, was ich nur schleifen lassen konnte.“ Aber keine Sorge, liebe Kohfidisch-Fans – dort spielt „Krafti“ nun schon seit knapp eineinhalb Jahren – er wird da sein, wenn die erste Kugel nach der Corona-Unterbrechung rollt.

„Es wird im Burgenland ganz einfach anders gelebt. Der Sportplatz ist ein Platz, wo alle Menschen zusammenkommen.“ David Kraft über seine „Liebe“ zum burgenländischen Fußball

Alleine sein Einstand beim aktuell 13. der Burgenlandliga-Tabelle hätte kaum besser sein können. Beim ersten Derby der Saison 2019/20 feierte Kraft gegen den SV Oberwart sein Heimdebüt. Fünf vereitelte Großchancen und ein gehaltener Elfmeter später, war er der Held des Abends. Nicht nur nach den 90 gespielten Minuten, auch zu späterer Stunde: „Die Fidischer Kantine ist ja auch ein Traum.“

Im niederösterreichischen St. Aegyd (Bezirk Lilienfeld), dort stammt der NMS-Lehrer her, lernte er sein Hand(schuh)werk, ehe das St. Pöltener Nachwuchszentrum rief und er auch beim aktuellen Bundesligisten SKN St. Pölten gemeldet war. 2011 ging es dann nach Wien und der Stadtliga-Titel mit Ostbahn XI folgte. Nach der erfolgreichen Saison wurde er aber „aussortiert“ und das Abenteuer Südburgenland begann. Beim heute nicht mehr existenten ASK Stinatz schlug er auf. Er blieb ein halbes Jahr, ehe es zum damaligen Ostligisten Ritzing ging. Auch dort war er nicht nur ob seiner Größe präsent und spielte viel.

Es folgte der erste Anlauf bei „seinem“ Verein: SV Stegersbach, damals Regionalligist, sicherte sich die Handschuh-Dienste und bereute es nicht. „Dort war es Wahnsinn. Wie engagiert die Leute waren – die gaben alles für den SVS.“ Legendäre Trainings-Busfahrten aus Wien später, war er angekommen und lernte nicht nur Kollegen, sondern Freunde kennen. „Michi Daum, Julian Binder und viele mehr sind das heute noch. Wir haben tagtäglich Kontakt.“

Weil der SVS aber (unnötig) abstieg und die sportliche Karriere-Fahnenstange noch nicht zu Ende war, kam das Engagement des Wiener Sportclubs gerade recht. „Ich kann mich mit sehr vielem, was den Klub auch politisch auszeichnet, identifizieren und das Drumherum war super. Nur wurde das Ganze innerhalb der Mannschaft kaum gelebt.“

Es war klar, wohin es ihn führen wird, nämlich zurück nach Stegersbach. Dort kickte man unter Max Karner in der Burgenlandliga und verzauberte mit der Spielweise das Land. Zwei Jahre dauerte es, ehe die Mannschaft zerfiel und Kraft kurzfristig zurück nach Niederösterreich wechselte. St. Peter war kein erfolgsversprechendes Intermezzo und so wurde das Kohfidisch-Angebot genau sondiert und für gut befunden.

„So lange es geht, will ich auch im Süden bleiben“, sagt er und ergänzt auf die Frage nach dem Warum: „Mir gefällt es unglaublich gut. Das Zusammensitzen hinterher ist nur hier so. In Wien zählt es mehr, wie man sich präsentiert und auch in Niederösterreich ist es anders. Es wird im Burgenland ganz einfach anders gelebt. Auch dass junge Menschen auf den Sportplatz gehen, habe ich anderswo noch nicht erlebt. Das ist eben ein Platz, wo alle zusammenkommen.“

Bleibt Kohfidisch in der Liga, bleibt auch Kraft beim ASK, sofern der Verein es auch will. Das bestätigt er, denn: „Erst wenn wir die Familienplanung weiter vorantreiben, wird es sich zeitlich nicht mehr ausgehen.“ Das sei aber noch nicht so weit. Dafür schaffte er Fakten an anderer Stelle: Seit vergangener Woche lebt „Krafti“ mit Ehefrau Kerstin im Eigenheim in St. Aegyd. Schmunzelnder Abschluss: „Dafür war Corona dann doch gut. Ich hatte sehr viel Zeit …“