Reserve & Klasseneinteilung: Schluss-Akkord als Saison-Auftakt

Erstellt am 23. Juni 2022 | 05:28
Lesezeit: 6 Min
BFV Amateurfußball Schlussakkord als Auftakt der neuen Saison
Der BFV-Hauptsitz in Eisenstadt steht am heutigen Donnerstag im Fokus des Geschehens. Am Hotterweg tagt der Vorstand des BFV. Foto: Fenz
Foto: Bernhard Fenz
Der Vorstand des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) wird am heutigen Donnerstag die abgelaufene Saison formell abschließen. Die neue Klasseneinteilung steht, allerdings hat 2. Liga Mitte-Absteiger Kaisersdorf einen Antrag auf Weiterverbleib gestellt. Bei der Reserve-Thematik stehen Neuigkeiten an: Der Beschluss des Zwangsabstiegs bei mehr als 25 Prozent Nichtantreten dürfte ausgesetzt werden. Und auch beim Spielmodus könnte sich künftig noch etwas tun. Hier steht das Play-off-System kritisch unter der Lupe.
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Geht Parndorf über den Umweg der Relegation noch in die Regionalliga Ost? Seit dem 1:7-Debakel von Spiel eins des Miniturniers in Krems ist de facto klar, dass der Zweite auch 2022/2023 in der Burgenlandliga bleiben wird.

Zwei Teams hätten von einem Parndorf-Aufstieg profitiert, weil es dann keinen Burgenlandliga-Absteiger und in weiterer Folge einen dritten Aufsteiger von der 1. Klasse Mitte in die 2. Liga Mitte gegeben hätte. Nun ist aber fix: Burgenlandliga-Schlusslicht FSG Oberpetersdorf/Schwarzenbach steigt in die 2. Liga Mitte ab, weiter unten bleibt der Dritte Kobersdorf in der 1. Klasse Mitte.

„Wir sind der Meinung, dass die Wertung so nicht korrekt war, weil Sigleß zu spät zurückgezogen hat und daher als Letzter geführt werden müsste.“ Kaisersdorf-Obmann Roland Egresich über die Beschwerde

Es ist also Zeit, nach den vielen Auf- und Abstiegsentscheidungen die vom Spielausschuss des BFV durchgeführte Neueinteilung für die neue Saison final auf Schiene zu bringen. Zu diesem Zwecke trifft der Vorstand des Fußballverbands am heutigen Donnerstagabend zusammen. An sich ist die Prozedur ein Formalakt, diesmal allerdings gilt es auch, sich mit einem Antrag aus Kaisersdorf zu befassen.

Der dortige Verein wurde Letzter der 2. Liga, steigt somit ab und und ist in der kommenden Saison – übrigens als Spielgemeinschaft mit Markt St. Martin, das somit aus der 2. Klasse ausscheidet – in der 1. Klasse Mitte aktiv. Geht es nach den Klubverantwortlichen, so besteht jedoch das Recht auf Verbleib in der 2. Liga.

Warum? Weil in der besagten 2. Liga Mitte der SV Sigleß (der wiederum nach einem Jahr Pause nun in der 2. Klasse Mitte neu einsteigt) vor Meisterschaftsstart 21/22 seinen Spielbetrieb einstellte. Das passierte allerdings erst Mitte Juli 2021, nachdem der Verein dem gesamten Meisterschaftsbetrieb zugeordnet wurde.

Aus den Sigleß-Partien wurde für die Gegner eine spielfreie Runde, aus der 16er-Liga wurde eine 15er-Liga, der BFV änderte die sogenannte Grundzahl, die für Auf- und Abstieg wesentlich ist, von 16 auf 15. Eben da liegt der Fehler, so das sinngemäße Protest-Argument. Die Grundzahl-Änderung hätte erst mit der nun neuen Saison 22/23 erfolgen dürfen, Sigleß hätte nach dem Ende dieser Saison noch als 16. und Letzter geführt werden müssen.

Kaisersdorf-Obmann Roland Egresich: „Wir sind der Meinung, dass die Wertung so nicht korrekt war, weil Sigleß zu spät zurückgezogen hat und daher als Letzter geführt werden müsste. Wir haben am Samstag über unseren Anwalt ein Beschwerdeschreiben beim BFV eingebracht.“

Mittlerweile sind die Klassen aufgrund der während der Saison bestehenden Auf- und Abstiegsregelungen vom BFV-Spielausschuss bereits neu eingeteilt (siehe ganz unten). Durch die beiden Aufsteiger Pöttsching und Bad Sauerbrunn 1b sowie Burgenlandliga-Absteiger FSG Oberpetersdorf/Schwarzenbach sind auch schon 16 Klubs für die neue Saison der 2. Liga berücksichtigt – mehr geht in der Regel nicht. Aus Sicht der Antragssteller wäre der korrekte Schritt, dass eben nur der formell nach wie vor geführte 16. und Letztplatzierte SV Sigleß absteigen müsste.

Ob diesem Antrag auf Einteilung der neuen Spielgemeinschaft in der 2. Liga Mitte stattgegeben wird? BFV-Präsident Günter Benkö: „Wenn so ein Schreiben einlangt, wird natürlich sachlich darüber gesprochen und dann entschieden.“

Für BFV-Geschäftsstellenleiter Karl Schmidt ist trotzdem naheliegend, dass sich am Auf- und Abstieg nichts ändern sollte. Er sagt: „Denn wäre die Grundzahl bei 16 geblieben, dann hätte es nicht einen, sondern zwei Absteiger gegeben. Auch dann wäre Kaisersdorf somit betroffen gewesen.“

Reserven: Höhere Strafen, aber kein Zwangsabstieg

Der Ausgang des Kaisersdorfer Protests ist eine wichtige Facette der BFV-Vorstandssitzung. Davon betroffen ist allerdings nur ein relativ kleiner Kreis der rot-goldenen Klubs. Wesentlich mehr Vereine haben mit dem zuletzt beschlossenen Thema „Reserven“ direkt zu tun, wonach bei mehr als 25 Prozent „Nichtantreten“ der „Revue“ pro Saison der gesamte Verein aus der jeweiligen Liga oder Klasse zwangsabsteigen muss. In der 2. Klasse würde das Aufstiegsrecht verfallen.

Diese Regelung dürfte aufgrund des rechtlich dünnen Fundaments aber nun doch nicht in der angedachten Form kommen. Fakt ist, dass der bestehende Beschluss noch einmal durchbesprochen und höchstwahrscheinlich nicht in der angedachten Form umgesetzt wird. Benkö drückt es so aus: „Wir werden, sollte es so sein, den gefassten Beschluss nicht aufheben, sondern bis auf weiteres aussetzen.“

Statt einem Zwangsabstieg bei einem gewissen Prozentsatz an „Nichtantreten“ werden alternativ dazu wohl die Geldstrafen – spürbar – erhöht. Eine etwaige Variante könnte hier auch sein, einen Teil der Strafe dem schuldlosen Klub zukommen zu lassen. Das alles gilt es aber noch mehrheitlich zu klären.

Neuer Spielmodus statt Play-off-System?

Zumindest für die Gruppe Mitte ist beim Thema neue Meisterschaft auch der Modus interessant. Erstmals wurde etwa in der teilnehmerschwachen 2. Klasse (12 Klubs) – nach dem Bundesliga-Vorbild – mit einem Grunddurchgang, einer Punktehalbierung und einem Meister-Play-off sowie einem Cup-Play-off gespielt.

Der zweifelsohne attraktive Modus stand allerdings gerade in der Praxis im Widerspruch zu den personellen Ressourcen vieler Klubs – 32 Runden sind viel. Nun soll eine Variante geprüft und besprochen werden, im Fall von 12 oder 13 Vereinen eine Meisterschaft mit Hin- und Rückrunde zu spielen und danach noch einen Liga-Cup mit einem BFV-Cup-Ticket als Belohnung im K.o.-Modus auszutragen. So könnte man den Klubs zumindest zwölf Heimspiele garantieren – und parallel eine Überlastung vermeiden.