NPO-Unterstützungsfonds: Eine Hilfe, die polarisiert. Die Reaktionen aus dem Burgenland auf jenes Bundes-Hilfspaket, das auch Sportvereine betrifft, gehen von offener Zustimmung bis hin zu offener Ablehnung.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 11. Juli 2020 (05:21)
Burgenlands Spitzen-Repräsentanten des organisierten Sports (v.l.n.r.): Alt-Landeshauptmann Hans Niessl (Präsident Sport Austria), Karin Ofner (Präsidentin Sportunion Burgenland), Robert Zsifkovits (Präsident ASVÖ Burgenland), Christian Illedits (SP-Sportlandesrat) und Alfred Kollar (Präsident ASKÖ Burgenland).
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Mit insgesamt 700 Millionen Euro ist der Topf gefüllt, den die türkis-grüne Bundesregierung im Zuge ihres NPO-Unterstützungsfonds für gemeinnützige Vereine aus Sport, Kultur und anderen gesellschaftlichen Bereichen, generell also „Non Profit Organisationen“ (NPO), präsentiert hat.

Sie alle sollen versorgt werden, um im Zuge der Corona-Krise existenziell halbwegs über die Runden zu kommen und eine Unterstützung zu erhalten. Seit Mittwoch dieser Woche können Anträge gestellt werden. Die rot-goldenen Reaktionen auf das bestehende Gesamtpaket fallen, was den organisierten Sport betrifft, allerdings unterschiedlich aus.

Niessl: „Andernfalls heißt es Game over“

Burgenlands Altlandeshauptmann Hans Niessl bedankte sich in seiner Funktion als Präsident von Sport Austria für die Fertigstellung des Pakets, stellte aber klar, dass viele Vereine aufgrund der Krise schon große Einnahmenverluste zu beklagen hatten.

„Wir haben lange um diese Unterstützung für unsere Sportvereine gekämpft, uns fachlich sehr stark eingebracht, früh eine Zusicherung erhalten, aber auf die Fertigstellung der Richtlinien durch die Ministerien lange warten müssen.“ Deshalb sei es so wichtig, „dass es nun rasch zu Auszahlungen kommt. Andernfalls könnte es für viele Game over heißen.“

Illedits: „Weniger als ein Almosenpaket“

Besonders harsche Kritik kam von Niessl Nachfolger auf politischer Ebene im Burgenland, was die Verantwortung für den Sport betrifft – SP-Landesrat Christian Illedits. Er sagt unter anderem: „Das aktuelle Sporthilfepaket ist weniger als ein Almosenpaket.“

So sei bei den Fixkosten, die zu 100 Prozent abgerechnet werden können, nicht einmal die Aufwandsentschädigung für den Zeugwart enthalten – entgangene Einnahmen würden in einem Strukturfonds mit nur sieben Prozent berücksichtigt. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe für Illedits eine „sogenannte Bagatellgrenze von 500 Euro. Das bedeutet, dass unsere kleinsten Sportvereine, die nicht mehr als 500 Euro an entstandenem Schaden angeben, gar keine Unterstützung bekommen.“

Der Landesrat forderte zudem erneut, dem Sport ein gesondertes Förderpaket mit eigenen finanziellen Mitteln und entsprechenden Richtlinien zur Verfügung zu stellen.

Ofner: „Zum ersten Mal in der Geschichte“

Burgenlands Spitzen bei den Sportdachverbänden bewerteten den NPO-Unterstützungsfonds teils vorsichtig optimistisch, teils durchaus positiv. So bedankte sich Karin Ofner, Präsidentin der Sportunion, im Zuge einer Aussendung bei den handelnden Personen der Bundesregierung für das „gute Ergebnis“ und stellte fest: „Zum ersten Mal in der Geschichte ist es uns gelungen, dass eine ‚Katastrophenhilfe‘ des Bundes auch für Sportvereine geschaffen wird.“

Ziel müsse sein, 100 Prozent der Sportvereine durch die Krise zu bringen. In weiterer Folge gelte es dann, die richtigen Erkenntnisse zu ziehen und dem Sport sowie den Ehrenamtlichen jenen Stellenwert einzuräumen, der ihnen aufgrund der Leistungen für die Gesellschaft zustehe.

Ordentlich ausfinanzierte Leistungsvereinbarungen mit den Sportvereinen für ihr aktives Engagement stünden auch auf der weiteren To-Do-Liste, ebenso wie die von allen Dachverbänden geäußerte Forderung nach der Öffnung der Schulsportstätten. Wichtig sei es laut Ofner nun aber einmal im Hinblick auf den NPO-Fonds, dass das Geld rasch am Konto der Vereine ankomme.

Zsifkovits: „Da gäbe es genug Erfahrung“

Ein Punkt, der auch ASVÖ Burgenland-Präsident Robert Zsifkovits besonders wichtig ist: „Gottseidank kommt jetzt Bewegung ins Spiel, aber eine positive Bewertung kann es erst dann geben, wenn tatsächlich auch Geld an die Vereine gegangen ist.“

Zsifkovits hätte übrigens lieber einen eigenen Sporttopf beim Hilfspaket gesehen, der dann, wie unter anderem von Niessl ebenfalls gefordert, über die von Sport Austria ausgelagerte Bundes-Sport GmbH abgewickelt wird. Diese hat auch sämtliche Förderungen im Sport über.

Für die aktuelle Abwicklung wird die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft zuständig sein. „Vielleicht wird das über diese Schiene auch gut gemacht. Nur rechnet die staatliche Fördereinrichtung jedes Jahr 80 Millionen Euro für den Sport ab, da gäbe es genügend Erfahrung und das Wissen, wie der Sport tickt.“

Kollar: „Hoffentlich rasch & unbürokratisch“

Und ASKÖ Burgenland-Präsident Alfred Kollar ergänzt: „Hoffentlich ist die Auszahlung aus dem NPO-Unterstützungsfonds rasch und unbürokratisch. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Hilfsfonds eine wirkliche Unterstützung ist.“

Denn einige Vereine bräuchten bereits dringend finanzielle zusätzliche Hilfe. Die ASKÖ Burgenland habe laut Kollar in der Zwischenzeit ihren Vereinen mit Aktionen wie „offener Sportplatz“ oder der Rückerstattung des Mitgliedsbeitrags unter die Arme gegriffen.