Patrick Schmidt: Zwischen Ersatzbank und Legendenstatus. Für Patrick Schmidt war das erste Jahr als England-Legionär gespickt mit Höhen und Tiefen und einem großen Happy End.

Von Martin Ivansich. Erstellt am 02. August 2020 (02:33)
From Zero TO Hero. Patrick Schmidt avancierte mit Toren und Assists bei Barmsley zum Helden.
APA/Neubauer

Profi-Fußballer, häufig ein schmaler Grat zwischen Jubel und Enttäuschung. Oft sind es nur Momente, die über den weiteren Verlauf einer Karriere entscheiden. Einer, der davon definitiv ein Lied singen kann, ist der Eisenstädter Patrick „Pipo“ Schmidt. Im Sommer 2019 wechselte der Stürmer von der Admira zum Barnsley FC in die Championship, die zweithöchste Spielklasse Englands. Und so richtig zufrieden durfte der Offensivmann über weite Strecken der Saison nicht sein. Sein Klub lag fast durchgehend im Tabellenkeller, persönliche Spielzeit war zudem rar gesät.

Schmidt als Spezialist für die „crucial goals“

Trotzdem blieb der 22-Jährige immer fokussiert: „Natürlich will man spielen, aber es bringt nichts, wenn man dann nachlässt. Ich habe immer wieder, auch wenn es nur Kurzeinsätze waren, Chancen bekommen.“ Und die nutzte der ehemalige U21-Teamspieler im Saisonfinish. Auch als es drauf ankam. Acht Runden vor dem Ende lag Barnsley sieben Punkte hinter dem rettenden Ufer. „Da hat niemand auch nur einen Cent auf uns gesetzt. Wir haben aber immer an uns geglaubt.“

„Ich weiß jetzt vor allem eines, dass ich etwas bewegen kann und da bin, wenn ich gebraucht werde.“ Patrick Schmidt, Stürmer FC Barnsley

Und das machte sich am Ende bezahlt. Wobei in den letzten beiden Runden ein wahrer Kraftakt hermusste. Nach der Niederlage gegen Meister Leeds drei Spiele vor Schluss, schien die Lage aussichtslos. Klar war: Es mussten nun zwei volle Erfolge gegen die Aufstiegskandidaten Nottingham und Brentford her — die wurden dann zu Geduld- und Schmidt-Festspielen. Gegen Nottingham kam „Pipo“ in Minute 81 ins Spiel und schoss in der 91. Minute das entscheidende 1:0 und hielt damit sein Team weiter im Rennen um den Klassenerhalt.

Der finale Spieltag wurde dann zu einem echten Krimi für das Team des österreichischen Trainers Gerhard Struber. Die Ausgangslage war aber weiterhin fast aussichtslos. Barnsley musste beim FC Brentford, der selbst mit einem Sieg den Direktaufstieg in die Premiere League fixieren hätte können, gewinnen. Gleichzeitig musste entweder Wigan oder Luton patzen. Luton gewann gegen Blackburn 3:2, Wigan holte gegen Fulham nur ein 1:1. Und die Struber-Elf? Der gelang in Brentford die große Überraschung. Ein 2:1 bedeutete den Klassenerhalt. Mittendrin wieder Patrick Schmidt. Zwei Minuten nach seiner Einwechslung bereitete der Burgenländer den Siegestreffer vor — wieder in der Nachspielzeit.

Patrick Schmidt, Stürmer beim Barnsley FC
Ivansich

Für die Barnsley-Fans Grund genug ihren Ösi-Legionär als Legende zu bezeichnen und Spezialist für „crucial goals“ (entscheidende Tore). Schon im Dezember entschied er mit einem Nachspielzeit-Tor das Spiel in Millwall und sein wichtigster Moment in der „extra time“ sollte im allerletzten Spiel noch kommen. Als Legende sieht sich der ehemalige Admiraner jedenfalls noch nicht, dazu kann er sich selbst zu gut einschätzen: „Klar waren nach so einem Ende, wo uns jeder abgeschrieben hat, die Emotionen überragend. Wir haben Tolles geleistet und ich durfte meinen Teil dazu beitragen.“ Trotzdem weiß Schmidt: „Im nächsten Jahr heißt mein Ziel mehr Spielzeit.“

Und ein besseres Bewerbungsschreiben dafür, als die letzten beiden Kurz-Einsätze, kann es nicht leicht geben. Darüber wird sich Trainer Gerhard Struber definitiv Gedanken machen müssen. Von dem hält Schmidt übrigens richtig viel: „Er hat unglaublichen Anteil daran, dass wir in der Championship bleiben. Wir hatten, bevor er kam, nach 16 Spielen neun Punkte. Er gibt der Mannschaft so viel Vertrauen und Glauben. Er hat vom ersten Tag an seine Idee verfolgt und uns die eingepflanzt. Er ist ein großartiger Trainer.“ An eine Leihe, die noch vor der Corona-Pause durchaus ein Thema war, wird aktuell nicht mehr gedacht. Der Angreifer will sich in England durchbeißen: „Daran werde ich im zweiten Jahr alles setzen. Der Trainer hat mir auch das Gefühl gegeben, mich unbedingt zu brauchen.“ Und die letzten Wochen haben Schmidt, der eine richtige Achterbahn-Fahrt in seiner Premieren-Saison auf der Insel durchlebte, viel Selbstvertrauen gebracht: „Die Lockerheit ist immer mehr gekommen. Ich habe genug Selbstvertrauen und vor allem weiß ich eines, dass ich etwas bewegen kann und da bin, wenn ich gebraucht werde.“