Ein notwendiger Appell für den ruhenden Ball. Dass im Unterhaus kein Trainingsbetrieb möglich ist, versteht BFV-Boss Gerhard Milletich – grünes Licht für andere Sportarten allerdings nicht.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 29. Januar 2021 (03:23)
Sportplätze gesperrt. Derzeit ist bis auf Spitzensport – im Fußball bedeutet das Bundesliga und 2. Liga sowie der Fußballakademie-Betrieb – kein Training vor Ort erlaubt. Auch die Anlage am Burgenländischen Fußballverband (BFV) ist aktuell verwaist. 
Bernhard Fenz

Im Blick zurück war der Frühjahrs-Lockdown ein Klacks. Quasi. Als die Corona-Pandemie in Österreich angekommen war, hatte das erstmalige Herunterfahren des öffentlichen Lebens tatsächlich daheimbleibende Menschen zur Folge. Zehn Monate später befinden wir uns im mittlerweile dritten Lockdown. Längst gibt es wesentlich mehr Erfahrungswerte im Covid-Umgang, eine Impfung, die gerade in den Startlöchern steht, wesentlich mehr Mobilität, aber auch neue Mutationen des Virus und nach wie vor zu hohe Infektionszahlen.

In diesem Spannungsfeld zwischen Pflicht und Bürde, zwischen Einsicht für die Maßnahmen und Ärger über die Beschränkungen, steckt auch der Amateurfußball fest. Der gemeinsame Trainingsbetrieb ruht, noch ist völlig unklar, ab wann sich zumindest Kleingruppen wieder auf den Sportplätzen treffen können. Zuletzt forderten die elf Teamsportverbände, allen voran der Fußball als größte Interessensvertretung, gemeinsam ein schrittweises und an nötige Sicherheitsmaßnahmen gekoppeltes Wiederhochfahren. Parallel zur geplanten Schulöffnung (angepeilt ist hier der 8. Februar) solle das passieren.

BFV-Präsident Gerhard Milletich hofft auf ein baldiges Öffnen, geht aber noch von etwas Wartezeit aus.
Bernhard Fenz

Ob dieser Wunsch an die für Maßnahmen federführende Bundesregierung erfüllt wird, bleibt abzuwarten. Gerhard Milletich, Präsident des Burgenländischen Fußballverbands (BFV), will hier keine Prognose abgeben. Fakt ist für den Verbands-Boss derzeit nur eines: „Es ist klar, dass momentan keine Form von einem gemeinsamen Training möglich ist.“ Daran habe man sich zu halten. Milletich selbst befindet sich auch im besagten Spannungsfeld, sagt: „Es muss leider sein, auch wenn der Fußball dadurch enormen Schaden erleidet. Wir werden auf der Ebene der aktiven Kicker und auch bei den Funktionären Leute verlieren. Das ist extrem bitter. Vor allem, weil es so wichtig wäre, dass wir endlich wieder beginnen könnten. Ich bitte aber auch um Verständnis, dass derzeit nicht mehr möglich ist.“

Wenigstens gebe es laut Milletich einen Hoffnungsschimmer: Spätestens mit Beginn der neuen Saison 2021/2022 sollte wieder Normalität eingekehrt sein. Ein schwacher Trost. Aber eben ein Trost. Das aufgebrachte Verständnis des BFV-Präsidenten für die Maßnahmen wurde allerdings zuletzt aufgrund der Öffnung der Skigebiete, inklusive den Bildern von Menschentrauben bei den Liften, auf eine harte Probe gestellt. „So ist es nicht nachvollziehbar, warum etwa ein Training mit Abstand verboten ist.“

„Skifahren hätte in dieser Form verboten werden müssen.“ BFV-Präsident Gerhard Milletich wunderte sich angesichts der Bilder aus manchen Skigebieten, dass Fußballtrainings ein Tabu sind

Der 64-Jährige steht aber aufgrund der generell unsicheren Covid-Lage noch auf der Bremse. Statt jetzt alles aufzumachen, sagt er: „Skifahren hätte in dieser Form, wie wir es gesehen haben, verboten werden müssen. Hier misst man mit unterschiedlichem Maß.“

Trainingsvideo: Beleg für ein heikles Thema

Kein Wunder, dass dann die emotionalen Wogen hochgehen. Weil der Fußball stillsteht und sich auch innerhalb der Szene Spannung in jede Richtung aufbaut – etwa was gut, falsch, richtig oder wichtig ist. Ein Beispiel dafür ist ein 23-sekündiges Video von 2. Liga Mitte-Klub SV Schattendorf, das eine Kleingruppe beim Training am Platz zeigt und zuletzt in der Fußballszene die Runde machte – mehr dazu finden Sie auf www.bvz.at. Ganz genau sei laut den Vereinsverantwortlichen nicht mehr zu eruieren, von wann die Aufnahmen tatsächlich stammen – weil klubintern generell immer wieder mit Videos gearbeitet werde und diese dann im internen Umlauf seien. Sie zeigten junge Reserve-Spieler und Nachwuchskicker beim selbstständigen Training in der Kleingruppe. Auch etwas Schnee an der Böschung sorgt für zeitliche Unklarheit und ein Fragezeichen. Obmann Alexander Bernhardt stellte jedenfalls fest, dass die besagten Sequenzen zu einem Zeitpunkt aufgenommen wurden, als das auch erlaubt war – und dass seit dem Verbot kein Teamtraining stattgefunden hat.

Das Beispiel zeigt aber vor allem eines: Dieses Thema ist heikel, sensibel und erzeugt unglaubliche Eigendynamik. Nicht zuletzt deshalb appelliert Milletich an das Durchhaltevermögen der Vereine. Gerade jetzt, wo alle Beteiligten längst in den Startlöchern für eine Fortsetzung der Saison scharren. „Die Funktionäre und Trainer müssen weiterhin soweit fair und korrekt agieren, dass keine verbotenen Dinge gemacht werden.“ Stichwort Start von unerlaubten Trainings und unkontrollierte Auswüchse, die am Ende vielleicht das schrittweise Aufmachen des Sportbetriebs verzögern würden. „Auch wenn alles noch so schwer fällt – letztlich würde es nur schaden.“ Und BFV-Geschäftsstellenleiter Karl Schmidt ergänzt: „Die Meisterschaft startet erst dann, wenn es ausreichend Vorlaufzeit zur Vorbereitung gibt. Darauf haben wir geachtet, so gesehen sollten alle geduldig bleiben. Die Zeit zum Trainieren wird kommen.“