Trimmel und der Union-Höhenflug: „Wir haben noch extremes Potenzial“

Erstellt am 22. September 2022 | 05:04
Lesezeit: 4 Min
Christopher Trimmel „Wir haben noch extremes Potenzial“
Höhenflug. Der 6:1-Auswärtssieg bei Schalke 04 Ende August, im Bild die Profis nach dem Schlusspfiff, war keine sportliche Eintagsfliege. Union Berlin – hier Rani Khedira und Christopher Trimmel, v.l.) – hat in der Bundesliga mit 17 Punkten aus den ersten sieben Spielen die beste Bilanz aufzuweisen.
Foto: Shutterstock/Vitalii Vitleo
Christopher Trimmel ist als deutscher Tabellenführer derzeit beim Nationalteam. Bei Union Berlin lief es zuletzt blendend. Vor allem spielerisch ist der Plafond noch nicht erreicht.
Werbung

Sieben Spieltage sind in Deutschlands Eliteliga absolviert. Zeit für eine erste Pause, weil der Nations-League-Plan auch Termine für die Nationalteams benötigt. Zeit aber auch für eine erste Bilanz, die vor allem Union Berlin als Tabellenführer mit 17 Punkten ein tolles Zeugnis ausstellt.

Die „Eisernen“ aus dem Ortsteil Berlin-Köpenick sind als einzige der 18 Mannschaften noch ungeschlagen, haben mit vier Toren die wenigsten Gegentreffer kassiert und nach Ligakrösus Bayern München mit 15 die zweitmeisten Tore erzielt. Auch wenn es in der internationalen Parallel-Welt mit zwei Pleiten in der bisherigen Europa-League-Gruppenphase nicht nach Wunsch gelaufen ist: Man darf schon getrost von einem Union-Traumstart in die Saison sprechen. Oder, Christopher Trimmel?

„Das ist das Schönste an der aktuellen Situation: Wir können unser kompaktes Defensivspiel gut zur Geltung bringen, aber spielerisch sind wir noch nicht am Plafond.“

Der Mannersdorfer ist seit 2014 sportlicher Fixpunkt bei Union und aktuell Kapitän. Er sagt: „Natürlich ist die aktuelle Bilanz in der Bundesliga ausgezeichnet.“ Und doch gibt es keinen Anlass in irgendeiner Weise abzuheben: „Innerhalb der Mannschaft ist das sowieso kein Thema. Hier gibt es eine klare Mentalität, so etwas lassen wir nie zu.“

Die Tugend, intern gar nicht erst Unruhe in irgendeine Richtung aufkommen zu lassen, sei eine wichtige Zutat für die Stabilität von Union Berlin. Das ist laut Trimmel auch der Personalpolitik von Sportdirektor Oliver Ruhnert in Kombi mit Cheftrainer Urs Fischer geschuldet. „Trotz Umbruchs im Sommer gelingt es immer wieder Spieler zu verpflichten, die charakterlich hundertprozentig zur Mannschaft passen. Es geht ja nicht nur ums Sportliche, sondern das ist auch eine Frage der Mentalität.“

Christopher Trimmel „Wir haben noch extremes Potenzial“
Voll fokussiert. Christopher Trimmels Erfahrung und Stärke ist bei Union Berlin nach wie vor ein wichtiges Puzzleteil für die Mannschaft. Fotos: Shutterstock/Vitalii Vitleo
Foto: Shutterstock/Vitalii Vitleo

Heraus kam bislang eine gewohnt kompakte Truppe, die speziell in der Bundesliga bislang unglaublich erfolgreich auftritt – und in deren Reihen der 35-jährige Trimmel nach wie vor eine tragende Rolle einnimmt. Demut, und Bodenständigkeit sind in diesem Zusammenhang nie verkehrt.

Aber auch eine klare Aussage über das, was beim Leader noch möglich ist, kann ein erfahrener Spieler Marke Christopher Trimmel treffen: „Vor allem beim Spiel mit dem Ball haben wir noch extremes Potenzial, was die Entwicklung betrifft. Das ist das Schönste an der aktuellen Situation: Wir können unser kompaktes Defensivspiel gut zur Geltung bringen, aber spielerisch sind wir noch nicht am Plafond.“

Inwieweit dieses besagte Potenzial rasch ausgereizt werden kann, wird sich noch zeigen. Der straffe Terminkalender mit Europa-League-Gruppenspielen sowie der Bundesliga lässt gerade im Trainingsbetrieb inhaltlich eher wenig zu. Rotieren, regenerieren, punktuelle Matchvorbereitung - bei so vielen Partien am Stück bleibt klarerweise wenig Zeit für die substanzielle Arbeit an Spielformen und dergleichen.

Andererseits wiederum gut so, denn: Diesen Terminstress hat sich die Mannschaft von Urs Fischer durch starke Leistungen erarbeitet. Wer im Profifußball mehrfachbelastet ist, muss davor einiges richtig gemacht hat. So gesehen ist die aktuelle Phase auch eine weitere Erntezeit für Union Berlin. In der es nach dem jüngsten 2:0-Erfolg gegen Wolfsburg (Trimmel spielte durch) in der kommenden Woche am Samstag auswärts gegen Oliver Glasners Eintracht Frankfurt zur Sache geht.

Frankreich und Kroatien als Länderspiel-Schmankerl

Dazwischen steht für den Burgenländer aber ein ganz anderes Thema im Fokus. Seit Montag bereitet sich Trimmel unter der Leitung von Teamchef Ralf Rangnick mit dem Nationalteam auf die beiden ausstehenden Nations League-Spiele der Liga A/Gruppe 1 vor. Heute, Donnerstag (20.45 Uhr), geht es in Paris St. Denis gegen Frankreich zur Sache, das Juni-Duell in Österreich endete 1:1.

Am Sonntag (20.45 Uhr) folgt noch das Heimspiel gegen Kroatien, das zum Auftakt auswärts 3:0 besiegt wurde. Mit vier Punkten und zuletzt zwei Pleiten gegen Dänemark liegt Österreich derzeit auf Platz drei, zwei Zähler vor Schlusslicht Frankreich. „Man sieht schon, wie hoch das Niveau sein muss, wenn die Franzosen noch sieglos sind.“

Als Favorit trete man jedenfalls nicht an, wohl aber soll im besten Fall freilich was mitgenommen werden. „Auch wenn die Zeit dafür kurz ist: Wir Spieler sind gefordert, die vorgegebenen Inhalte möglichst perfekt umzusetzen. Es gibt sicher eine entsprechende Spielidee.“