Der gelebte EM-Traum für Ziegler und Kiefer. Miriam Ziegler und Partner Severin Kiefer sind fokussiert auf das Heim-Event in Graz. Wird die Sache gar kitschig?

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 04. September 2019 (05:28)
GEPA-pictures  Graz/2020
Vorfreude. Das Eiskunstlauf-Paar Miriam Ziegler und Severin Kiefer arbeitet auf die bevorstehende Europameisterschaft in Graz hin. Dort soll der Heimvorteil, gepaart mit einer Top-Leistung, Berge versetzen.

Jede Saison hat ihre Höhepunkte. Für das Eiskunstlauf-Duo Miriam Ziegler und Severin Kiefer gibt es nach Olympischen Spielen, Teilnahmen an großen Turnieren sowie Welt- und Europameisterschaften für die Wettkampf-Saison 2019/2020 einen besonderen Fokus: Die Heim-EM von 20. bis 26. Jänner 2020 in Graz.

„Das ist einzigartig, ich freue mich schon total drauf, das ist ein echter Karriere-Höhepunkt“, lässt Ziegler im Gespräch mit der BVZ rasch durchklingen, welchen Stellenwert diese EM in ihrer Laufbahn genießt.

„Warum sollen wir uns nicht hohe Ziele setzen?“

Fast schon kitschig wäre es, würde der 25-jährigen Burgenländerin und ihrem 28-jährigen Partner aus Salzburg ausgerechnet da erstmals bei einem Großereignis der Sprung in die Medaillenränge gelingen. Nach Platz zehn bei der Weltmeisterschaft in Japan sowie Platz sieben bei der EM in Moskau 2018 soll Anfang des neuen Jahres der große Wurf gelingen. „Es muss in dieser Woche viel zusammenpassen, aber es ist schon einmal toll, in einer Position zu sein, in der wir an eine Medaille denken dürfen“, freut sich Miriam Ziegler über die Ausgangslage vor der neuen Saison.

Was passieren müsste, um tatsächlich Edelmetall in Händen halten zu können? „Unser Trend geht nach oben. Wir wissen, dass wir super auftreten müssen, dann können wir von uns aus Plätze nach oben kletttern. Aber natürlich sind wir gleichzeitig schon auch von der Konkurrenz abhängig, ob dann dort Fehler auftreten.“ Die Kombination mehrerer Faktoren wird es also ausmachen.

„Nur warum sollen wir uns nicht hohe Ziele setzen?“ 2018 wurde das Duo in Moskau EM-Siebenter, Ende Jänner 2019 entschieden die beiden bei der EM in Minsk die Kür auszulassen und den Wettkampf abzubrechen. Die emotional so schwierige Situation nach dem überraschenden Tod ihres Trainers Jean-Francois Ballester im Dezember war der Grund. „Wir hätten hier Fünfter werden können.“

Nun könnte die Unterstützung des Publikums auch noch einen Heimvorteil mit sich bringen. „In Verbindung mit einer starken Leistung wollen wir auch die Preisrichter auf unsere Seite bekommen.“

„Ziegler/Kiefer neu“ mit noch mehr Abwechslung

Wenn nämlich alles passt, sollte sich das Duo zu diesem Zeitpunkt in der Szene schon neu positioniert haben. Ziegler/Kiefer haben im Zuge der Sommervorbereitung nämlich besonderen Wert darauf gelegt, dass sich Kür (mit elf Hebungen wesentlich mehr als zuletzt, dazu mehr eistänzerische Elemente) und Kurzprogramm (auf Dynamik ausgerichtet) künftig stärker voneinander unterscheiden. „Wir wollen hier einfach auch noch mehr von uns anbieten. Die Deutschen (Anm.: Bruno Massot und Aljona Savchenko in Pyengchang 2018) haben das bei ihrem Olympiasieg ähnlich aufgebaut.“

Ende September startet die neue Saison mit der Nebelhorn-Trophy im deutschen Oberstdorf, zwei Wochen danach folgt ein Wettkampf im finnischen Espoo. „In dieser Phase wollen wir noch einmal ausloten, ob alles passt, um noch an etwaigen Kleinigkeiten arbeiten zu können.“

Danach stehen zwei Events der „ISU Grand Prix Serie“ am Programm, konkret von 1. bis 3. November in Grenoble und von 15. bis 17. November in Moskau. „Hier soll dann der nächste Schritt erfolgen, da wollen wir schon möglichst positiv auffallen.“

Eiskunstlauf-Taktik trifft hier also auf einen ausgeklügelten Plan, um im Jänner 2020 in Graz möglichst effizient auftreten zu können. Ob es am Ende für den großen Wurf reicht, wird sich zeigen. Am Aufwand im Vorfeld sollte es aber nicht scheitern. „Wir arbeiten wirklich hart und wollen einfach nichts dem Zufall überlassen.“