Eine Zeitreise als Appetit-Anreger. Andy Ivanschitz und Martin Stranzl waren bei der Heim-EM dabei – und kennen die Spieler-Euphorie bestens.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 10. Juni 2021 (01:57)

Am 8. Juni 2008 stand das Wiener Ernst Happel-Stadion unter Strom. Gastgeber Österreich traf bei der Heim-EURO zum Auftakt auf Kroatien. Ein volles Stadion, dazu Massen an Public Viewing-Veranstaltungen – all das war ein spürbares Ventil für die Fußball-Euphorie eines ganzen Landes. 13 Jahre danach steht die Fußballnation Österreich vor der mittlerweile dritten EM-Teilnahme bei jener EURO, die aufgrund der Covid-Pandemie von 2020 auf 2021 verschoben werden musste und die diesmal in elf verschiedenen Ländern stattfindet. Am Sonntag heißt es demnach für unser Nationalteam um 18 Uhr in Bukarest gegen Nordmazedonien anzutreten.

„Ich denke oft und  gerne daran zurück“

So oder so kommt die EU(RO)phorie im Land diesmal wohl etwas gemäßigter an die Fans ran. Aufgrund der strengen Auflagen war das Team im Zuge der Camp-Aufenthalte wesentlich eingeschränkter greif- und sichtbar. Zudem werden sich die Zuschauerzahlen bei der Europameisterschaft durch die limitierten Auslastungsmöglichkeiten in Grenzen halten. Wenigstens geht nach den Lockdowns und den vielen Fragezeichen bezüglich der Durchführbarkeit aber schon mehr als gar nichts. In Zeiten wie diesen ist das ein Anfang. Zu vergleichen ist die allgemeine Begeisterung rund um die EURO mit jenen Wochen im Jahr 2008 jedoch sicher nicht.

m Martin Stranzl weiß, wovon er spricht. Der Urbersdorfer war Stammspieler in der Innenverteidigung und hat den Mai und Juni 2008 noch genau in Erinnerung. Als sich das Team vom EURO-Quartier in Stegersbach aus vorbereitete und danach die Ernstfälle bestritt – auch wenn das Turnier nach dem 0:1 gegen Kroatien, dem 1:1 gegen Polen und dem 0:1 gegen Deutschland bereits nach der Vorrunde wieder zu Ende gehen sollte: „Das war schon eine super Atmosphäre. Ich denke oft und gerne daran zurück – es war einfach ein schönes Erlebnis für uns alle.“

Dass coronabedingt aktuell vor allem die Kraft der Fans nicht dieselbe wie damals sein könne, sei klar. Aber nicht nur das. „Auch aufgrund der unterschiedlichen Schauplätze ist der gesamte Zirkus so einer Veranstaltung nicht in derselben Form geballt.“ Dass Österreichs Teamspieler trotzdem längst unter Strom stehen, davon geht der mittlerweile 40-jährige Ex-Legionär (1860 München, Stuttgart, Spartak Moskau und Mönchengladbach) aus. „Bei mir war das zumindest so, dass vom ersten Trainingslager für die Europameisterschaft an bereits eine gewisse Anspannung da war.“

2008 klappte das sportliche Unterfangen bei der EURO trotzdem nicht wie erhofft. 2021 wartet nun zum Auftakt Nordmazedonien. Stranzls Erwartung: „Es birgt immer eine gewisse Gefahr gegen eine Mannschaft, die als Underdog gilt. Aber der Anspruch ist ja weiterzukommen – dann musst du dieses Spiel einfach gewinnen.“ Soweit zur Theorie. Der Südburgenländer weiß freilich auch, dass die Dinge in der Praxis anders laufen können. „Drei Spiele ohne Tore sind ein Faktor, der in den Köpfen drin ist. Da braucht man nicht herumreden. Darum kann auch viel davon abhängen, ob dem Team rasch der Knopf aufgeht. Dass es dann einfacher werden kann, ist klar.“
m Die zweite burgenländische Stütze des 2008er-Teams ist mit dem gebürtigen Baumgartener Andreas Ivanschitz der damalige Kapitän. Auch der 37-Jährige kann sich noch bestens in die Köpfe der aktuellen Spieler reinversetzen: „Du freust dich einfach enorm auf den Tag X, möchtest unbedingt schon spielen.“

 „Du brauchst da eine Punktlandung“

 Und auch wenn Österreich am Sonntag mit Nordmazedonien nicht wie 2008 gegen Kroatien auf einen Turnier-Geheimfavoriten trifft. Leicht wird der Auftakt sicher nicht, das ist Ivanschitz klar: „Die haben sich auch für die EURO qualifiziert. Es wird ein hartes Stück Arbeit, bei der Österreich die Nordmazedonier nicht unterschätzen darf – das wird auch nicht passieren.“

In den verbleibenden Tagen gelte es für die Mannschaft noch, sich soweit zu finden, um im entscheidenden Moment da zu sein. „Du musst bei so einem Turnier dann mit der Leistung eine Punktlandung hinlegen. Ich hoffe, dass den Spielern das gelingt.“

 Ehrenpreis hier, da ein mögliches Söhne-Duell

 Andy Ivanschitz selbst wurde zuletzt auf einer anderen Ebene offizielle Anerkennung zuteil. Der langjährige Profi (Rapid Wien, Salzburg, Panathinaikos Athen, Mainz, Levante, Seattle und Pilsen) erhielt am vergangenen Sonntag im Zuge der Landessportehrenzeichen-Verleihung von Hans Peter Doskozil persönlich den Ehrenpreis des Landeshauptmannes. „Ein spezieller Preis, über den ich mich freue und den ich gerne entgegengenommen habe. Ich bin stolz, im Burgenland so eine Auszeichnung erhalten zu dürfen.“ Der Ex-Mittelfeldspieler hat seinen Lebensmittelpunkt schließlich mittlerweile in Wien, wo Ivanschitz bei der Vienna in der Nachwuchsausbildung der 11- bis 14-Jährigen tätig ist. Aber auch auf Salzburg liegt mittlerweile ein ganz spezieller Fokus – familiär bedingt. Sohn Ilia, bislang für die Vienna im Einsatz, steht schließlich ab Sommer im neuen U15-Kader der Akademie von Red Bull Salzburg. Klar, dass der Vater hier den Sohn am Weg Richtung möglicher Profikarriere voll unterstützt.

Gleiches gilt übrigens auch für Martin Stranzl. Er hat den sportlichen Werdegang seines Sohnes Elias ebenfalls genau im Blick. Stranzl junior wird in der Fußballakademie Burgenland ab der Saison 21/22 für die neue U15 schwitzen. 13 Jahre nach dem gemeinsamen EURO-Abenteuer der Väter könnten sich die Söhne als Gegner der 2007er-Jahrgänge in der ÖFB-Jugendliga treffen. Auch diese Geschichten schreibt der Fußball.