Manfred Luisser: Ein gemischter Blick zurück. Der BFV-Funktionär zieht gut drei Wochen nach seinem Ende als Sportreferent Bilanz. „Nach 40 Jahren im Verband war der Abschied schon komisch – und nicht normal.“

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 29. März 2020 (06:04)

Eine Kampfabstimmung beendete also die Sportfunktionärs-Laufbahn von Manfred Luisser. Am 1. März musste der Güssinger seinem von der Gruppe Nord aufgestellten Gegenkandidaten Josef Bauer als Sportreferent Platz machen, nachdem die Mehrheit der Klubs (84:71) für den Leithaprodersdorfer abgestimmt hatten.

Rückblende. Es war der Schlusspunkt einer turbulenten und komplexen Phase vor der Hauptversammlung, in der es vor allem um die geographische Mandatsverteilung im BFV-Vorstand ging. Am Ende des Ringkampfes um die Personen-Verteilung Nord/Mitte/Süd entschlossen sich Vereine der Gruppe Süd einen Antrag auf die Abschaffung des Sportreferenten zu stellen. Dessen Agenden sollten künftig aufgeteilt werden, war das generelle Credo der Antragsteller. Auch Konrad Renner, Vizepräsident der Gruppe Süd, war einer der Befürworter.

Der Ausgang ist bekannt (die BVZ berichtete ausführlich): 132 Vereine (85,25 Prozent) lehnten den Antrag ab und stimmten für die Beibehaltung des Sportreferenten. Danach folgte die besagte Kampfabstimmung und auch das Ende der Ära Luissers. Drei Wochen danach sprach die BVZ mit dem nunmehrigen Ex-Sportreferenten.

„Habe im Lauf der Jahre gelernt zu verlieren“

Dieser sagt: „Die Abstimmung an sich habe ich schon bei der Hauptversammlung entspannt gesehen. Ich akzeptiere das Ergebnis und habe im Lauf der Jahre gelernt zu verlieren. Warum sollte ich aus dem Norden oder der Gruppe unterstützt werden, wenn der Süden mit dem Antrag klarstellt, dass ich nicht mehr erwünscht bin? Natürlich war der Abschied nach 40 Jahren im Verband (Anm.: ab Jänner 1980 Jugendausschuss, später Instruktor im Trainerreferat und seit 1991 Verbandskapitän/Sportreferent) nicht normal und schon ein bisserl komisch. Besonders stört mich, dass da im Vorfeld etwas vom Zaun gebrochen wurde. Was die Gruppe Süd inszeniert hat, war ein absoluter Schwachsinn.“

Luissers Hauptkritik: Dass der Antrag fünf vor zwölf noch eine Gegenreaktion auf die Nominierung Bauers war. „Wer so etwas Einschneidendes wie die Abschaffung des Sportreferenten will, soll das früher einbringen. Das gehört in den offiziellen Wahlausschuss und braucht Vorlaufzeit, wenn es um konstruktive Veränderungsvorschläge geht.“

Mittlerweile beobachtet der 70-jährige Pensionist und Langzeitfunktionär die Geschehnisse aus der Ferne. Auf die vielen Jahre als Verbandskapitän und Sportreferent (die Funktion wurde umbenannt, die Aufgaben waren aber annähernd gleich) blickt Manfred Luisser mit einem guten Gefühl zurück. „Ich habe das immer gern gemacht und bin auch mit den Vereinen relativ gut ausgekommen.“ Das Wörtchen relativ sei in diesem Zusammenhang deshalb nötig, weil der langjährige Verantwortliche für den Spielbetrieb und die Gruppeneinteilung den Klubs auch nicht uneingeschränkt entgegenkommen konnte.

„Auch ich hätte manche Entscheidung gerne anders gefällt, musste mich aber stets an die Bestimmungen halten. Da ist der Job des Sportreferenten sehr undankbar. Wenn es um heikle Entscheidungen geht, stehst du dann oft alleine da.“ Dass es aus Luissers Gruppe Süd nicht mehr die uneingeschränkte Unterstützung für ihn gab, nimmt er zur Kenntnis, wünscht sich aber, dass „wir im Süden wieder mehr Funktionäre kriegen, die sportlich denken und keine Machtbedürfnisse ausüben. In dieser Hinsicht sehe ich das beinhart. Nur Muskeln spielen zu lassen ist zu wenig.“

Neueinteilung der Ligen und Klassen war geplant

Der Pädagoge Luisser ist nun jedenfalls nicht nur beruflich, sondern auch in Sachen Fußball Pensionist. Ein Problem? „Nein, ich genieße meine Freizeit, auch wenn die aufgrund der Corona-Krise natürlich auch etwas eingeschränkt ist.“

Eine Sache hätte er, wie er verrät, trotzdem noch gerne in der Praxis umgesetzt: „Ich hatte eine praktisch fertige landesweite Neueinteilung der Klassen und Ligen in der Schublade – gruppenübergreifend und mit Berücksichtigung der Regionen. Daran habe ich seit rund drei Jahren gearbeitet, jetzt wollte ich noch die Hauptversammlung abwarten. Und nun ist es eben so, wie es ist.“