Ein Startschuss, der Lust auf mehr macht. Günter Benkö bewertet die bisherigen Partien positiv. Sogar der ungebliebte VAR kommt bei ihm gut weg.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 17. Juni 2021 (02:13)
Günter Benkö
Günter Benkö, Obmann des Burgenländischen Schiedsrichterkollegiums. 
BVZ

Damals, das neue Jahrtausend war noch sehr frisch, agierte Günter Benkö tatsächlich mittendrin auf höchster europäischer Ebene. Eine in der Situation höchst umstrittene, aber letztlich absolut richtige Handselfmeter-Entscheidung gegen Portugal ebnete am 28. Juni 2000 Frankreich den Weg zum 2:1-Sieg in der Verlängerung – durch das besagte Golden Goal in der 117. Minute. Der Rauchwarter Benkö leitete das EURO-Halbfinale und erlebte dabei einen sportlichen Höhepunkt seiner internationalen Karriere.

Knapp 21 Jahre danach ist der heute 65-Jährige beruflich in Pension, ehrenamtlich nach wie vor als Obmann des Burgenländischen Schiedsrichterkollegiums Chef der rot-goldenen Unparteiischen und in der Sache nach wie vor höchst fußballinteressiert.

Nur die Erinnerung an die damalige aktive Zeit ist mittlerweile wesentlich blasser. „Das alles ist schon so lange her, da denke ich nicht mehr wirklich dran – höchstens dann, wenn das Thema medial aufgewärmt wird“, schmunzelt der langjährige Spitzen-Referee. Der beim Zuschauen übrigens nach wie vor auch den geschulten Blick auf die Unparteiischen wirft. „Das mache ich schon immer wieder und schaue mir an, wie die Schiedsrichter auftreten.“

Dänemark-Spiel: „Ich hätte nicht fortgesetzt“

Das erste EURO-Wochenende bewertet Günter Benkö jedenfalls positiv, auch was die Leistungen der Unparteiischen betrifft. „Da waren keine gravierenden Fehler dabei, es war soweit alles in Ordnung,“ stellte er am Montag gegenüber der BVZ klar. Auch die so dramatischen Geschehnisse rund um den Zusammenbruch, den Herzstillstand und die Wiederbelebung von Dänemarks Christian Eriksen beim Spiel gegen Finnland habe der Unparteiische gut begleitet. Dass der Referee später die Partie fortsetzte – Finnland setzte sich 1:0 durch –, kann Benkö nicht nachvollziehen. „Der Schiedsrichter hat das nicht zu entscheiden, er muss das ausführen, was die Verantwortlichen entscheiden. Wäre ich hier für die Spielfortsetzung zuständig gewesen, hätte ich das Match aber sicher nicht mehr fortgesetzt.“

In diesem Zusammenhang gibt es mit dem Video Assistant Referee (VAR) längst die im internationalen Fußball etablierte Form des Video-Schiedsrichters. Benkö trat hier stets als Gegner dieser Schiedsrichter-Unterstützung auf – mittlerweile steht er mit dem VAR-Prinzip zumindest nicht mehr auf Kriegsfuß: „Das, was zu kontrollieren war, wurde auch gut erledigt. Und dort, wo kurzfristig Kritik aufgekommen ist, war sicher die Unterstützung für die richtige Entscheidung dabei. Der 1:1-Ausgleich von Nordmazedonien gegen Österreich war zum Beispiel nie und nimmer ein Foul, das hat schon so gepasst.“ Letztlich ging die Sache mit 3:1 bekanntlich gut aus, auch wenn dem mitfiebernden Benkö das rot-weiß-rote Auftaktmatch einige Nerven gekostet hatte, wie er lachend verrät. Wie er nun die weiteren Chancen des Teams von Franco Foda bewertet? „Schwer zu sagen. Ich hätte natürlich nichts gegen den Aufstieg ins Achtelfinale.“

Ob es für Österreich nach dem ersten Sieg der EM-Geschichte bei dieser Endrunde nun tatsächlich in höhere Sphären geht, wird sich weisen. Turnierfavoriten hat der Rauchwarter freilich andere: „Frankreich ist für mich mit England und Deutschland der heißeste Tipp.“