Ein ganz spezielles 2020 für Markus Schmidt. FSG Oberpetersdorf/Schwarzenbach-Trainer Markus Schmidt hat neben den Corona-Auswirkungen im Jahr 2020 auch noch den SVM-Skandal hautnah miterlebt.

Von Bernhard Fenz und Michael Heger. Erstellt am 09. Januar 2021 (04:41)
Markus Schmidt hat seit Ende September bei der FSG Oberpetersdorf/ Schwarzenbach als Cheftrainer das sportliche Sagen.
Patrick Bauer

„Es war wirklich ein ganz eigenartiges Jahr“ weiß Markus Schmidt über „sein 2020“ zu berichten. Er, der zu Beginn des Jahres 2020 als Teil des Trainergespanns zusammen mit Franz Ponweiser die sportlichen Geschicke beim Bundesligisten SV Mattersburg leitete, hatte neben dem allgegenwärtigen Corona-Thema mit dem Commerzialbank-Skandal und somit mit der Auflösung des SVM noch einen weiteren herben Schlag zu verkraften. Aber der Reihe nach:

Corona-Zwangspause machte den Beginn

Zunächst wurde die Bundesliga-Meisterschaft unterbrochen, auch trainiert durfte zunächst nicht werden. „Irgendwann kamen dann die Gruppen-Trainings mit der Abstands-Regel, ehe dann Mitte/Ende Mai wieder das Mannschaftstraining gestartet werden konnte, das war schon eine sehr ungewöhnlich und vor allem unbekannte Situation“, erklärte Schmidt.

Die Belastung für das Trainer-Team, das erst vor Beginn der Saison 2019/2020 übernommen hatte, wurde auch danach nicht geringer, denn mit „Englischen Wochen“, also mit Doppelrunden, noch dazu in Form von Geisterspielen, wurde im Juni die Bundesliga-Saison durchgepeitscht. Schmidt und seine Mannschaft schafften sportlich eigentlich den Bundesliga-Erhalt, ließen mit Admira und Schlusslicht WSG Tirol zwei Teams in der Qualifikationsgruppe hinter sich.

Für die Saison 2021/22 war Schmidt sogar ein Kandidat auf den Cheftrainer-Stuhl bei den Profis des SV Mattersburg. „Ich wurde schon im Sommer davor gefragt, ob ich mir den Posten zutraue, aufgrund meiner fehlenden UEFA-Pro-Lizenz wurde jedoch die Lösung mit Franz Ponweiser und mir als Trainer-Team gefunden. Für 2020/2021 war die Entscheidung noch nicht gefallen, es kam dann aber sowieso ganz anders“, spielt Schmidt auf den Super-Gau in Mattersburg an.

Von einem Tag auf den anderen musste der Bundesligist als Folge der Commerzialbank-Pleite seine Pforten schließen, wurde kein neuer Cheftrainer mehr benötigt. „Diese Situation hat mich schon hart getroffen, da ich ja lange Jahre für den Verein tätig war.“

Am 5. August wurde dann – nach letzten vergeblichen Versuchen, den Verein zu retten – die Einstellung des Spielbetriebs bekannt gegeben, somit war definitiv Schluss.

Bis knapp zwei Monate später die nächste Aufgabe folgte. Am 26. September stand Schmidt erstmals als Cheftrainer der FSG Oberpetersdorf/Schwarzenbach in der Burgenlandliga an der Seitenlinie, nachdem er nur wenige Tage zuvor Kurt Jusits als Trainer abgelöst hatte. Die FSG siegte in Markt Allhau mit 4:0.

Schmidt über seine Entscheidung für den Abstiegs-Anwärter in der Burgenlandliga: „Ich hatte direkt nach dem Mattersburg-Out keine Angebote. Komischerweise habe ich dann genau in der Woche gleichzeitig drei Anfragen erhalten, eine aus der 2. Liga Mitte und eine weitere aus der Burgenlandliga. Ich habe mich für die FSG entschieden, da ich einige Spieler schon von den Mattersburg Amateuren kannte.“ Mit dem Gang vom Profibereich retour hat der 43-Jährige kein Problem. „Mich hat es nie gestört, im Amateur-Bereich zu arbeiten.“

Im Frühjahr wartet wieder Abstiegskampf

Nach dem Premieren-Sieg mit der FSG in Markt Allhau ging es für Schmidt und sein neues Team in dieser Tonart allerdings nicht weiter, ehe es zur Corona-Unterbrechung der Meisterschaft kam. In den drei weiteren Spielen (gegen Bad Sauerbrunn 0:1, in Kohfidisch 2:3) gelang kein Punkt mehr. Wobei eigentlich schon: Gegen St. Margarethen siegte die Mannschaft am 18. Oktober 4:0, aufgrund eines Fehlers bei der Anzahl der Einwechsel-Perioden wurde die Partie aber mit 0:3 strafverifiziert. Die FSG legte Protest ein, dieser wird noch behandelt.

Fakt ist aktuell: Mit vier Punkten liegt die FSG Oberpetersdorf/Schwarzenbach am Tabellen-Ende, heißt für das Frühjahr 2021 (wann immer wieder gespielt werden kann) „Abstiegskampf pur“, eine Parallele zum SVM.

Die Wünsche für das neue Jahr hat Schmidt jedenfalls klar definiert: „So bald wie möglich wieder Fußball vor Zuschauern spielen, wenn möglich ohne Corona-Unterbrechungen.“ Ebenso will er natürlich mit seiner Mannschaft den Liga-Erhalt schaffen. „Danach definieren wir die Ziele im Verein neu.“

UEFA-Pro-Lizenz: „Es hat mir nicht zugesagt“

Wie sich die generelle Trainerkarriere von Schmidt in weiterer Folge entwickelt, wird die Zukunft weisen. Kein Thema mehr ist in dieser Hinsicht die UEFA-Pro-Lizenz, in deren aktuell laufenden Kurs Schmidt noch aufgenommen worden war.

Der Wahl-Loipersbacher hat die Ausbildung aber vorzeitig beendet, stellt ehrlich klar: „Es hat mir einfach überhaupt nicht zugesagt, darum habe ich diesen Schritt gesetzt.“

Mit der aktuellen A-Lizenz-Ausbildung habe er genügend Perspektiven, um seiner Trainer-Tätigkeit in vielen interessanten Bereichen nachgehen zu können. „Aber so viel zu investieren, um dann vielleicht einmal Bundesliga-Trainer zu sein, wollte ich nicht.“