Schattendorfer Trainingsvideo im Fokus. Viel ist auf Burgenlands Fußballplätzen aufgrund des laufenden Lockdowns derzeit nicht los. Wie auch? Freilich sind bei den Kickern die Sportstätten (ausgenommen Spitzensport) schließlich gesperrt. Gerade im Kontext dieser Fußball-Flaute- und Verbotszeit macht seit Mittwoch ein Videomitschnitt die Runde, der sich in Burgenlands Fußballszene rasant verbreitet und entsprechend polarisiert.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 22. Januar 2021 (18:06)
Alex Bernhardt, spielender Obmann des SV Schattendorf, stellte klar, dass das besagte Trainingsvideo zu einem Zeitpunkt erstellt wurde, als Kleingruppentraining erlaubt war.
Martin Ivansich

Zu sehen ist in dem 23-sekündigen Mitschnitt ein Kleingruppentraining des SV Schattendorf, in deren Rahmen jeweils sechs Kicker auf der Anlage des SVS im Zuge von verschiedenen Übungen mit oder ohne Ball trainieren.

Heikle Zeitpunkt-Frage: „Da war Training erlaubt“

Besonders pikant ist das Video, da wir uns aktuell eben im Lockdwon befinden und alle Mannschaftsaktivitäten verboten sind. Die BVZ fragte bei Alexander Bernhardt, Obmann des SV Schattendorf nach, wann trainiert wurde. Schließlich ist gerade das in diesem Zusammenhang der heikle Punkt: „Zum thematisierten Video kann ich nur sagen, dass es zu einem Zeitpunkt gemacht wurde, als Trainings erlaubt waren.“ Konkret handle es sich laut Bernhardt um jenes kurze Zeitfenster vor Beginn des dritten Lockdowns am 26. Dezember, als der ÖFB rund eine Woche vor Weihnachten am 17. Dezember informiert hatte, dass im Nachwuchsbereich ein Kleingruppentraining jeweils mit bis zu sechs Kickern – auch mit Ball, aber unter Einhaltung der Abstandsregeln - stattfinden dürfe. 

Der besagte Videomitschnitt zeigt eine Gruppe von Spielern beim Training.
BVZ

Im Erwachsenenbereich wäre das auch in diesem Zeitraum nur dann in besagter Größe möglich gewesen, wenn die Kicker aus maximal zwei Haushalten stammen. 

Bei den Spielern war aber, wie Bernhardt auf Nachfrage klarstellte, eine Mischung aus jungen Reserve- und Nachwuchskickern des Vereins aktiv. Auch der 17-jährige SVS-Neuzugang Jakob Koppensteiner (er stieß jetzt im Winter von Bad Sauerbrunn zur Mannschaft von Trainer Alfred Wagentristl) sei bereits dabeigewesen, alles habe sich somit im erlaubten Rahmen gehalten.

Das Kleingruppentraining hat laut Obmann Alexander Bernhardt zu einem Zeitpunkt stattgefunden, als es erlaubt war.
BVZ

Ob der SV Schattendorf in weiterer Folge seit dem Lockdown Mannschaftstrainings dieser Art oder sonstige gemeinsame Einheiten vor Ort durchgeführt habe? „Nein“, so Bernhard. „Definitiv arbeiten wir im Heimtraining, das von den Trainern geführt wird. Es treffen sich auch Spieler zum „Sporteln“ unter Einhaltung der Vorgaben, so wie das die gesamte Bevölkerung macht – auch Nicht-Fußballer.“

„Gefährde keine Gesundheit“

Bernhardt selbst, er ist neben seiner Obmann-Tätigkeit bekanntlich auch Goalie des zweitplatzierten 2. Liga Mitte-Klubs, arbeite übrigens „im Tormanntrainingsbereich zu zweit auf einem öffentlichen Platz in Schattendorf, auch das ist laut meinen Recherchen erlaubt. Es besteht da für mich kein Unterschied zu Freizeitsportlern auf jeweiligen Funcourts, Eislaufplätzen und Skipisten, aber auch kleinen Bergen, wo Rodeln erlaubt ist. Ich werde es mir auch nicht durch Leute, die uns oder mich anschwärzen möchten, verbieten lassen, solange es erlaubt ist.“

Notfalls habe Bernhardts Mutter einen großen Garten, „den ich auch schon für Tormanntrainings genutzt habe. Definitiv kann ich auch sagen, dass ich keine Gesundheit gefährde und selbst auch sehr vorsichtig agiere in Bezug auf Covid, da ich meine alleinstehende Mutter keinesfalls gefährden möchte.“

Ein weiteres Bild vom Videomitschnitt des besagten Schattendorf-Trainings.
BVZ

Dass nun ein Video von einem Training im Umlauf ist, kommentiert der Obmann aber auch selbstkritisch in Bezug auf den eigenen Verein: „Mich beschäftigt eigentlich nur, wie ein internes Video – und wir haben Unmengen davon – an die Öffentlichkeit gelangt. Weiters schockiert mich auch, dass meinen Infos zufolge dieses Video von Trainern aus der Liga weiterverbreitet wurde, die noch dazu ein freundschaftliches Verhältnis zu mir pflegen. Aber das ist leider das Geschäft. Ich bin überzeugt, dass im Verein keine Person – soweit ich davon Kenntnis habe – jemand gesundheitlich gefährdet hat und es stimmt mich etwas traurig, dass unser angebotenes Einkaufsservice (Anm.: als Unterstützung für die ältere Schattendorfer Bevölkerung) im Lockdown eins und unser Coronakonzept, das vom BFV gelobt wurde, weniger Aufmerksamkeit als diese Thematik erfahren hat.“

Erfreulich sei es für das Vereins-Oberhaupt, dass "andere Sportarten mit Auflagen erlaubt sind und ich nicht mit dem Finger auf andere zeige. Leider ist die unklare Rechtslage das Problem. Wobei ich auch etwas Verständnis für die Politik habe, da natürlich nicht alles mit Gesetzen, die sich wöchentlich ändern, abbildbar ist."