BFV: Skurriles Tauziehen um Sportreferent. Die Gruppe Nord stellt für die BFV-Hauptversammlung mit dem Leithaprodersdorfer Josef Bauer einen eigenen Kandidaten als Sportreferenten auf. Ob es zu einer Kampfabstimmung um die besagte Position gegen den offiziellen Wahlausschuss-Kandidaten Manfred Luisser aus Güssing überhaupt kommen wird, bleibt aber offen. Denn aus dem Süden wurde nun im Gegenzug ein Antrag eingebracht, um die Position des Sportreferenten ersatzlos zu streichen. Auf der Strecke bleiben könnte in diesem skurrilen Tauziehen die Sachlichkeit.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 12. Februar 2020 (19:21)
Der Burgenländische Fußballverband wählt am 1. März einen neuen Vorstand. Vor allem die Position des Sportreferenten ist aktuell höchst vakant.
Bernhard Fenz

Am 1. März findet um 10 Uhr die Hauptversammlung des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) statt. Die dortige Wahl des Vorstands wird allerdings kein bloßer Formalakt, bei dem ein Vorschlag mehr oder weniger durchgewunken wird, wie das im Vorfeld bis vor kurzem eigentlich noch zu erwarten war.

Großer Stein des Anstoßes der Wahl wird nämlich die Funktion des Sportreferenten sein, die bislang von Manfred Luisser ausgeübt worden war. Hier haben sich die Vorgänge in den vergangenen Tagen zugespitzt und förmlich überschlagen, was aufgrund eines Antrags aus der Gruppe Nord und eines darauffolgenden Antrags aus der Gruppe Süd nun zu einer völlig skurrilen Situation an besagtem 1. März im Kulturzentrum Eisenstadt führen wird.

Erst wird bei der Hauptversammlung nämlich über einen Antrag der Vereine der Gruppe Süd abgestimmt werden, die die Position des Sportreferenten ersatzlos streichen wollen. Für diesen einschneidenden Schritt benötigt es eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Vereine. Sollte dieser Antrag abblitzen, würde die Funktion des Sportreferenten beibehalten werden – und dann aber im nächsten Schritt eine Kampfabstimmung folgen, in deren Zuge die Vereine zwischen dem Leithaprodersdorfer Josef Bauer (der nach einem erfolgreichen Antrag von der Gruppe Nord ins Rennen geschickt wurde) und dem Güssinger Manfred Luisser (dem bisherigen Sportreferenten und offiziellen Kandidaten des Wahlausschusses) abstimmen werden.

Norden legte vor, Süden zog nach

Blick zurück: Der vom BFV beauftragte Wahlausschuss hat im Vorfeld der Hauptversammlung und sämtlicher Gruppensitzungen einen offiziellen Wahlvorschlag für den künftigen Vorstand erstellt. Den besagten Ausschuss bilden der Vorsitzende Konrad Renner, Burgenlandligaobmann Josef Pekovics sowie die drei Gruppenobmänner Joachim Wild (Nord), Kurt Lipovits (Mitte) und Josef Hafner (Süd). Dabei regte (der mittlerweile ehemalige) Gruppe-Mitte-Obmann Kurt Lipovits – er trat bei der Gruppensitzung im Jänner geplanterweise zurück - noch vor seinem Abgang an, statt dem bisherigen BFV-Schriftführer Josef Bauer mit dem stellvertretenden Direktor der Wirtschaftskammer Burgenland, Harald Schermann (UFC Mannersdorf), ein neues Vorstandsmitglied als Schriftführer zu nominieren. Um für die nötige regionale Ausgewogenheit zu sorgen, wie Lipovits klarstellte. Im Zuge einer geheimen Abstimmung wurde der Antrag mit 4:1-Stimmen angenommen und der Gruppe Mitte-Vertreter Schermann auf die Vorschlag-Liste gesetzt.   

Nun wurde der vom Wahlausschuss abgewählte Bauer von der Gruppe Nord im Zuge der Gruppensitzung am 1. Februar als Sportreferent-Gegenkandidat von Luisser nominiert und ins Rennen geschickt. Der UFC Tadten brachte den Vorschlag ein, der auch die dafür nötige Anzahl an unterstützenden Vereinen erhielt und dann bei der Abstimmung mit einer deutlichen Mehrheit angenommen wurde. Soweit, so klar.

Am vergangenen Montag, dem letzten Tag der Antragsfrist vor der Hauptversammlung, legten dann wiederum zahlreiche Vereine der Gruppe Süd nach und brachten ihrerseits den Antrag ein, die Position des Sportreferenten ersatzlos zu streichen. Im Fußballjargon war das quasi der unmittelbare Konter auf den Angriff des Nordens. Denn: Hinter vorgehaltener Hand ortet man im Süden die Gefahr, ein weiteres Mandat an den Norden zu verlieren, sollte es zu einer Kampfabstimmung und einer Wahl Bauers kommen, denn: Luisser genießt, wie gemunkelt wird, scheinbar nicht die komplette Unterstützung südlich des Geschriebensteins – eine g’mahte Wiesn wäre diese Abstimmung für den Funktionärs-Routinier somit sicher nicht.

Gruppenobmann Josef Hafner erinnert sich: „Vor allem mit der Klasseneinteilung der 2. Klassen Süd A und B hatten einige Vereine in der Vergangenheit immer wieder Probleme. Auch diverse Strafen wurden nicht gerne gesehen, da hat Luisser aber sicher nichts falsch gemacht, sondern lediglich die ÖFB-Vorgaben erfüllt.“ 

Skurril ist es trotzdem: Wird der Antrag aus dem Süden bei der Hauptversammlung tatsächlich per Zweidrittelmehrheit angenommen, wäre die Position des Sportreferenten gestrichen. Die Funktion hat mit Luisser aber wie erwähnt ausgerechnet ein Südburgenländer inne. Der Güssinger weilt derzeit auf einer längeren Reise im Ausland und konnte sich aufgrund schlechter Erreichbarkeit gegenüber der BVZ nur knapp halten: „Ich bin von Mitte und Süd nominiert worden und stehe dazu.“  

Mittlerweile hat sich aufgrund der jüngsten Ereignisse aber die Lage geändert und scheint klar, dass eine drohende Kampfabstimmung aus Südsicht ein potenzielles Risiko darstellt - weil die besagte Funktion geographisch eben von unten nach oben wandern könnte. Und der Faktor Ausgewogenheit im BFV-Vorstand ist durchaus wesentlich, wie auch der Stubener Konrad Renner, Vizepräsident der Gruppe Süd und Vorsitzender des Wahlausschusses, klarstellt: „Im BFV haben wir 16 Vorstandsmitglieder. Neun sind der Gruppe Süd und der Gruppe Mitte zuzuordnen, sieben der Gruppe Nord. Im Norden gibt es aber nominell die wenigsten Vereine. Der Süden hat knapp 40 Prozent, Mitte und Norden rund 30 Prozent. Würde die Funktion des Sportreferenten auch noch in den Norden wandern, hätten dann innerhalb der Vorstandsaufteilung 30 Prozent der Vereine gleich viel Gewicht wie 70 Prozent. Das kann es ja nicht sein. Man muss hier schon auf eine gewisse Parität achten.“

Die besagte Gleichmäßigkeit der Stimmenverteilung sprach auch Gruppe Süd-Obmann Hafner an („A la long gehört das schon verändert.“), der aber im gleichen Atemzug wissen ließ: „Natürlich wäre ich glücklicher über eine andere Vorgehensweise gewesen, als über einen nachträglichen Antrag praktisch in letzter Minute. Bei unserer Gruppensitzung gab es gegen den Wahlvorschlag des Wahlausschusses keinen Einspruch. Überhaupt hätten wir alle schon im Vorfeld Lösungen finden können, statt dass jetzt da und dort allgemeine Stimmungsmache betrieben wird. Der Norden ist keinen Tick besser als der Süden – umgekehrt gilt das ebenfalls. Im Vordergrund muss das Wohl des Verbands stehen.“

Künftig weniger Kompetenzen für den Sportreferenten?

Das besagte Wohl stellt Renner ebenso in den Vordergrund, der den Antrag der Gruppe Süd-Vereine auch pragmatisch argumentiert: „Unabhängig der jüngsten Anträge ist so oder so eine Satzungsänderung geplant, in deren Zuge unter anderem auch die Aufgaben des Sportreferenten gestrichen und in die Geschäftsordnung verschoben werden sollen.“ Denn dann bräuchte es künftig lediglich einen Vorstandsbeschluss und keine Hauptversammlungs-Abstimmung mehr, sollten die Sportreferenten-Aufgaben adaptiert werden – was in der Praxis eine vereinfachte Handhabe bedeuten würde.

Passend dazu soll es eben jetzt auch schon zu veränderten Aufgaben kommen. Weil laut Renner angedacht ist, dass die Klasseneinteilungen künftig komplett den Gruppen direkt  obliegen sollen (und nicht mehr dem übergeordneten Spielausschuss, dem der Sportreferent vorsteht), wäre die Funktion des Sportreferenten dann mehr oder weniger obsolet. Vor allem dann, argumentiert Renner, wenn eine Ebene darüber die drei Vizepräsidenten der drei Gruppen noch mehr in die aktive Verantwortung genommen würden und operative Mitarbeit übernehmen. Aktuell stünde beispielsweise Renner selbst laut BFV-Organigramm direkt über dem Spielausschuss und könnte dann hier entsprechend aktiv sein. „In Niederösterreich gibt es auch keinen Sportreferenten im Vorstand. Generell brauchen die Vizepräsidenten klipp und klare Aufgaben. Nur Repräsentieren bei Zeltfesten im Sommer bringt nichts.“

Und ein weiterer Punkt scheint den Antragstellern aus dem Süden ein Dorn im Auge zu sein: Luisser sei als Sportreferent parallel auch für das Trainer- und Kursreferat zuständig und habe die nötige Lizenz dafür, Bauer nicht. „Da ist schon auch die nötige Qualifikation dafür nötig“, stellt Renner klar.
 

"Unverständlich, die Position abschaffen zu wollen"

Einer, der mit den jüngsten turbulenten Vorgängen gar nicht glücklich ist, ist der BFV-Präsident höchstpersönlich - Gerhard Milletich. „Dass in der Gruppe Nord-Sitzung Josef Bauer als Gegenkandidat aufgestellt wurde, ist aus demokratischer Sicht zu akzeptieren. Die Vereine haben ihn nominiert, keiner der anwesenden BFV-Funktionäre hat auch nur ein Wort in diese Richtung gesagt.“ Den Antrag auf Streichung des Sportreferenten kann der Parndorfer allerdings überhaupt nicht nachvollziehen: Wir sind ein Sportverband. Da ist für mich klar, dass wir die Position unbedingt auch besetzen müssen. Ich brauche einen Sportreferenten im Vorstand.“ Dieser sei von den Aufgaben her schließlich als Bindeglied zum Spielbetrieb (u.a. Meisterschafts-Durchführungsbestimmungen, Durchführung BFV-Cup, Erstellung der Rahmenbedingungen) unabdingbar – auch für den Vorstand, der inklusive Sportreferent 16 stimmberechtigte Mitglieder enthält. In NÖ haben zum Vergleich 19 Mitglieder des Vorstands Stimmrecht. „Hätten wir keinen Sportreferenten, wäre das eine Falschentwicklung.“ 

Milletich gehe es zudem nicht um die besagten Personen Luisser oder Bauer, wie er im gleichen Atemzug sagt: „Jedem Verein bleibt es überlassen, für einen der beiden Kandidaten abzustimmen. Ich halte beide für geeignet. Aber diese Position, von der viele Impulse ausgehen, abschaffen zu wollen, ist für mich einfach unverständlich.“ Ebenso wie die angesprochene Nord-Süd-Thematik. „Ich bin stets für eine sachliche Diskussion. Im Übrigen gibt es im Norden wesentlich mehr Nachwuchsmannschaften, so gesehen kann man das Verhältnis auch anders sehen. Wichtig ist, dass alle für die Sache arbeiten – es geht einfach um den Fußball im Burgenland und nicht um Befindlichkeiten einzelner. Wenn die Interessen des Fußballs im Burgenland gefährdet sind, dann muss ich einschreiten. Aktuell ist das so.“

Auch den angesprochenen Qualifikationsanspruch in Bezug auf die Trainerausbildung lässt Milletich nicht gelten: „Ich bin als BFV-Präsident beim ÖFB auch als Vorsitzender für das Trainer- und Kursreferat bestellt und habe keine Lizenz. Die praktische Ausübung wird ja nicht von mir übernommen. Wichtig ist, etwas vom Fußball zu verstehen.“

Am kommenden Dienstag steht die letzte BFV-Vorstandssitzung vor der Hauptversammlung am Programm. Dabei werden die Anträge noch einmal sondiert und das Prozedere des großen Zusammentreffens der rot-goldenen Fußballfamilie am 1. März besprochen. Eines scheint aber schon jetzt klar: Die Voraussetzungen für eine harmonische Runde waren schon einmal besser.