Neue Werte bis zum neuen Auftakt Ende Juli. Durch den Saisonabbruch fällt vor der neuen Punktejagd der Zeitdruck weg: „Jetzt ist auch eine anständige Vorbereitung möglich.“

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 01. Mai 2021 (01:23)
Einfach nicht möglich. BFV-Geschäftsstellenleiter Karl Schmidt ist bekannt für eine durchaus pragmatische Herangehensweise. „Weder sportlich, noch gesundheitlich und organisatorisch hätte das Sinn gemacht.“
BVZ

Lange hatte die seit Ende Oktober unterbrochene Saison ob der vielen Fragen und Spekulationen den Charme eines einzigen Schreckens ohne Ende.

Zuletzt lichtete sich die diffuse Situation bereits in einem ersten Schritt. Der Vorstand des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) beschloss, die neue Saison vorzuverlegen und bereits am Wochenende vom 30. Juli bis 1. August in allen burgenländischen Ligen und Klassen die Saison 2021/2022 zu starten.

Am Montag folgte dann schließlich mit dem offiziellen Saisonabbruch des BFV und der damit verbundenen Meisterschafts-Annullierung das Ende mit Schrecken für all jene Teams, die aufgrund ihrer Aufstiegsambitionen noch auf eine Fortsetzung der aktuellen Meisterschaft gehofft hatten. Notwendig für eine Wertung wäre hier von den Bestimmungen her das Fertigspielen der noch offenen Hinrunde gewesen. Burgenlandweit sprechen wir aber insgesamt von rund 40 offenen Prozent der angesetzten Matches aus dem Herbst.

Das war zu viel, um mit den vorhandenen Eckpfeilern die Saison retten zu können. Für 19. Mai hat die Bundesregierung Öffnungen angekündigt, sodass im Sport auch wieder ein Vollkontakttraining möglich sein wird. Vier Wochen beschlossene und auch nötige Trainings-Vorlaufzeit, der 4. Juli als festgelegtes letztmögliches Meisterschaftsdatum sowie der bereits fixierte Saisonstart 2021/2022 mit dem Wochenende vom 30. Juli bis 1. August ließen in Summe keine vernünftige Lösung mehr zu. Der Saisonabbruch war die logische Folge. Verbands-Präsident Gerhard Milletich: „Wir haben bis zuletzt alles versucht und sämtliche zeitlichen Möglichkeiten ausgereizt, um noch eine sportliche Wertung zu schaffen. Ich hätte lieber gespielt, aber wenn es nicht geht, geht es nicht. Aus organisatorischer und auch aus gesundheitlicher Hinsicht war es einfach nicht möglich.“

„Außer Kosten und Verletzungen hätte das alles nichts gebracht, ganz abgesehen davon, dass es organisatorisch auch gar nicht mehr möglich war.“ BFV-Präsident Gerhard Milletich über den Saisonabbruch, der nun vollzogen wurde

Immer lauter wurden schließlich auch jene Stimmen, die daran erinnerten, dass sich von der Burgenlandliga bis in die 2. Klassen vorwiegend Amateurspieler tummeln, die seit Ende Oktober kein Meisterschaftsmatch mehr in den Beinen haben und innerhalb von nur 19 Tagen doppelt bis dreimal so viele Spiele absolvieren hätten müssen wie in normalen Zeiten. Ein immens hohes Verletzungsrisiko wäre die Folge gewesen. Und auch die Frage, ob das alles dafür steht, ist legitim – unabhängig davon, dass jene Klubs, die sieben, acht oder gar neun ausständige Partien haben, gar keine zeitlichen Möglichkeiten für die Abwicklung hätten.

Milletich und seine BFV-Crew wussten zudem freilich, dass die große Mehrheit der Vereine (bei denen es sportlich um nichts mehr ging) kein Interesse an diesem Matchpaket-Wahnsinn gehabt haben. „Außer Kosten und Verletzungen hätte das alles nichts gebracht, ganz abgesehen davon, dass es organisatorisch gar nicht mehr möglich war. Da müssen wir schon den Tatsachen ins Auge sehen. Es tut uns leid, aber es war eine Entscheidung, die keine Alternative hatte.“ Nicht nur Milletich musste diesen Umstand akzeptieren, auch BFV-Geschäftsstellenleiter Karl Schmidt sah keinen anderen Weg: „Weder sportlich, noch gesundheitlich wäre das möglich gewesen. Wir sind ja trotzdem nach wie vor im Amateurfußball, die Spieler haben berufliche Verpflichtungen – da kannst du das Programm nicht so durchpeitschen. Abgesehen davon wäre sich die restliche Hinrunde auch theoretisch gar nicht mehr ausgegangen.“

Abgebrochen wurde auch der BFV-Cup, der ebenso noch lange nicht beendet war. Also gibt es keine Meister, keinen Cupsieger sowie keine Auf- und Absteiger. Etwaige Überlegungen innerhalb der Fußballszene, die nun vorhandene Zeit zu nützen, um mit eigens kreierten Modi in den Ligen und Klassen doch noch Aufsteiger zu ermitteln, erteilt der BFV-Präsident eine Absage. „Es wurde einstimmig beschlossen, dass es überall einen Durchgang für eine Wertung benötigt. Jetzt spontan irgendwelche neuen Regeln aufzustellen, obwohl es den klaren Beschluss gibt, halte ich für problematisch und in der Praxis einfach nicht durchführbar.“

Ziel: Bestimmungen an Erfahrungen anpassen

Auch wenn es in Bezug auf den Aufstieg in manchen Ligen und Klassen Teams gibt, die nun eben völlig unschuldig zum Handkuss kommen und nicht rauf dürfen. Milletich: „Über gewisse Basisregeln kann man sich einfach nicht hinwegsetzen – auch wenn das dann nicht für alle gleich fair ist. Nur ein Beispiel: International gilt von der höchsten Profi- bis zur untersten Amateurliga: Eine Rote Karte zieht in jedem Fall eine Sperre nach sich, ganz gleich, ob sie nun tatsächlich zu Recht oder zu Unrecht erteilt worden ist.“

Sehr wohl könne man aber im Vorfeld der Saison die Bestimmungslage neu evaluieren und gegebenenfalls anpassen. Ein Ansatz, dem Karl Schmidt einiges abgewinnen kann: „Natürlich macht es Sinn, wenn wir unsere Bestimmungen aufgrund der Erfahrungen anpassen. Für uns war die Covid-Pandemie auch völliges Neuland, für die neue Saison kann man den Adaptierungsbedarf entsprechend ausloten.“

Hier sind vor allem jene Regeln besonders spannend, die sich um die Aufstiegsfrage und um den Zeitpunkt einer Wertung drehen. In der nun annullierten Saison scheiterte das große Ganze, sprich die Wertung, auch daran, dass die absolvierte Hinrunde als K.o.-Kriterium festgelegt wurde. Ob man sich für die neue Meisterschaft diesbezüglich noch flexibler bewegen werde, gilt es zu prüfen.

In jedem Fall gibt es nun aber eines: Zeit. Die ist zwar durch die unterbrochene Meisterschaft bereits reichlich verstrichen, aber gerade eben dadurch auch besonders nötig, um den Betrieb und vor allem die Beteiligten wieder meisterschaftsfit zu machen. Für Verbands-Boss Gerhard Milletich steht jedenfalls fest: „Wichtig ist, dass sich alle nun im gleichen Maße auf die neue Saison konzentrieren können und genug Zeit für eine anständige, solide Vorbereitung vorhanden ist. Das hat jetzt absolute Priorität.“

Wenn die Ankündigung der Bundesregierung hält, ist ab 19. Mai wieder Vollkontaktsport möglich. Ab dann darf uneingeschränkt trainiert werden. Das sind einmal konkrete Aussichten in Kombination mit relativ wenig Stress – eine gute Mixtur, die nach den mental so fordernden Covid-Lockdowns das vernünftige Hochfahren des Vereinssports begünstigen könnte.