SC Pinkafeld: Wenn Genialität auf Normalität trifft. Bewegte Karriere, großartiger Fußballer: Christoph Saurer, der 2017 zurück ins Südburgenland wechselte, verzückt die Burgenlandliga auf seine Art.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 15. Februar 2021 (02:12)
Huldigung. Seit 2017 kickt Christoph Saurer in Pinkafeld und erfreut mit manchen Gustostückchen nicht nur die Fans, sondern auch Teamkollegen wie Hannes Gamperl.
David Marousek

Wer sich fußballerisch verlieben möchte, ist in Pinkafeld genau richtig. Beim aktuell Tabellenzweiten der Liga kickt einer, der nicht nur genau weiß, wie es ist, wenn man sich mit den ganz großen Österreichs duelliert, sondern so viel Gefühl in seinen Füßchen trägt, dass es oft für ganze Mannschaften reicht.

Christoph Saurer ist ein Unikat der Burgenlandliga. Einer, der dort spielte, wo alle hinwollen und der mittlerweile dort ist, wo er seine Stärken (und Schwächen) punktgenau einbringen kann. Er hilft dem SC Pinkafeld, der SC Pinkafeld hilft ihm. Der sportliche Steuermann des Vereins, der keine Binde braucht, um zu führen. Alleine seine Anwesenheit auf dem Platze überstrahlt vieles. Wenn er sich tief im Sechserraum die Kugel abholt, hat der Gegner schon das erste Mal verloren. Geschickt weicht er gegnerischen Pressingangriffen aus – sofern es überhaupt versucht wird. Eine kurze Drehung reicht ja meist, um des Kontrahentens System zum Einsturz zu bringen. Plötzlich sind Überzahlsituation geöffnet, welche es auch in der vierthöchsten Spielklasse schon braucht.

„Ich kann natürlich immer erzählen, wo ich schon kickte, aber was habe ich davon? Es geht darum, jeden Tag an sich zu arbeiten. Mache ich das nicht, laufen mir die Jungen davon. Es geht nur um Leistung.“ Ein ehrlicher Christoph Saurer

„Der Fokus kann gerne auf mir liegen“, sagt er und ergänzt: „Wenn andere dadurch Freiheiten erhalten. Da läuft für sie vieles leichter.“ Das Standing des Ex-Profis innerhalb des Klubs ist enorm. An guten Tagen gibt es dann Siege für den Traditionsverein, an sehr guten magische SCP-Flutlichtnächte. Wie im Herbst beim 4:1 gegen den Tabellenführer aus Deutschkreutz.

Das Team brillierte mit, aber auch dank Saurer, der nebenbei all seine Klasse mit dem zwischenzeitlichen 4:0-Weitschussknaller demonstrierte. „Dass er nun schon vier Jahre bei uns ist, ist eigentlich Wahnsinn. Es war damals schon so, dass viele Vereine ihn wollten und wir dann extrem froh waren, dass es mit einem Wechsel zu uns klappte“, so Sektionsleiter Alex Diridl, der nachschießt: „Dass es sich so gut entwickelt, damit hätten wir auch nicht gerechnet.“

Seit Jänner 2017 kickt der, der früh auszog, um erst bei Ankerbrot und dann in der damaligen Frank Stronach-Akademie der Austria zu lernen, beim SC Pinkafeld. Und irgendwie fühlt es sich an, als ob Saurer schon ewig im zumeist roten Trikot glänzt. „Ich habe viele Erfahrungen gemacht und war bei einigen Vereinen, aber der SC Pinkafeld ist wie eine Familie.“

Schon immer galt der heute 35-jährige, gebürtig aus Kemeten (und Jabing) stammende Allrounder, als riesiges Talent. Er schaffte es auch zum Profi. Erst beim eigentlichen Stammverein von der Austria, dann beim LASK, ehe es zum violetten Erzrivalen Rapid Wien ging. Gefallen hat es ihm dabei (fast) überall, auch wenn nicht nur positive Erfahrungen seinen Weg zeichneten. „Ich war immer ein treuer Fußballer, zwölf Jahre bei der Austria, dann beim LASK, wo ich rausgekauft wurde und bei Rapid funktionierte es einfach nicht. In Innsbruck wäre ich gerne länger geblieben. Manches würde ich im Nachhinein aber nicht mehr so machen.“ Etwa mit Verletzungen zu kicken. „Einiges kurierte ich nicht gut aus, machte mir selber Druck oder erhielt diesen aus dem Verein. Erst im Alter kennt man seinen Körper dann besser und weiß, mit gewissen Situationen umzugehen.“

Nach Innsbruck ging es abermals zum LASK, ehe über Wiener Neustadt und Mannsdorf das Profi-Dasein ein Ende fand. Sulzriegel wurde die neue Wahlheimat, die Burgenlandliga die sportliche Herausforderung. Der damalige Cheftrainer Thomas Pratl und sein Assistent Benjamin Posch griffen zu, als sich das Türchen mit der Rückkehr ins Südburgenland öffnete. „Ich fühlte mich im Süden immer sehr wohl und freute mich das ganze Jahr auf die Ferien. Eigentlich wollte ich daraufhin gar nicht mehr nach Wien zurück“, schmunzelt der zweifache Familienvater und meint mit einem Augenzwinkern weiter: „Wien hat aber natürlich auch seine Vor- und Nachteile.“

Ein Führungsspieler, der durch Taten führt

Aller Anfang im Unterhaus-Fußball war schwer. Immer wieder sah man seine Klasse aufblitzen, aber es war auch für ihn neu, mit anderen Spielertypen zusammen zu kicken. Diridl: „Es brauchte schon eine gewisse Zeit, um die Umstellung vom Profi-Betrieb zu schaffen. Christoph hat es aber unglaublich gut angenommen.“

So bleibt festzuhalten: Von Spiel zu Spiel und von Jahr zu Jahr wurde es besser. Irgendwann prägte er das Geschehen. Egal ob unter den Pinkafelder Ex-Trainern Johannes Sauhammel, Florian Hotwagner oder heute Maximilian Senft, alle setzten und setzen auf ihn, dessen fußballerische, aber auch menschliche Fähigkeiten nicht zu ermessen sind.

„Er ist sportlich eine unglaubliche Bereicherung und zudem auch eine tolle Persönlichkeit. Ein extrem guter Typ, der hart an sich arbeitete, um diese Konstanz in seine Leistungen reinzubringen. Wenn wir erfolgreich spielen, macht er uns noch einmal ein Stückchen besser“, meint Diridl, der nicht nur die Einstellung des 35-Jährigen, der beruflich bei der Gebietskrankenkasse in Eisenstadt tätig ist, lobt: „Auch schiebt er immer mal wieder eine Extraeinheit ein, das gab es zuvor in dieser Form bei uns nicht. Natürlich nehmen ihn unsere jungen Spieler so dann zum Vorbild.“ Schmunzelnder Nachsatz: „Christoph ist einer, der gewisse Dinge auch einmal schärfer ansprechen darf. Er führt durch Taten und die jungen Spieler sehen extrem zu ihm auf.“

Das ist auch genau seine Vorstellung eines Führungsspielers. Wöchentliche Siege sind das eine, die Weiterentwicklung einer gesamten Mannschaft mit dem Verein im Hintergrund das andere. „Der Klub hat in ein, zwei, drei Jahren, das Ziel, nach oben zu kommen. Da will ich mithelfen und meinen Beitrag dazu leisten.“ Er weiß, was er tut, was er kann und wie er seine teils jungen Teamkollegen mitnimmt. In der tagtäglichen Arbeit oder eben auch an den jeweiligen Spieltagen. „Ich kann natürlich immer erzählen, wo ich schon kickte, aber was habe ich davon? Es geht darum, jeden Tag an sich zu arbeiten. Mache ich das nicht, laufen mir die Jungen davon. Es geht nur um Leistung.“ Die zeigt er in einer unheimlichen Konstanz und bleibt dabei, wie er selbst sagt, vor allem eins: „Ein normaler Typ.“ Der fußballerisch vieles, aber sicher nicht normal ist.