Kirnbauer/Haider: Bachelor brachte Prototyp mit Sinn. Jürgen Kirnbauer und Stefan Haider entwickelten ein Gerät, um wenig trainierte Muskelpartien zu testen und dann zu kräftigen.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 26. Juli 2019 (05:55)
Angenommen. Maxi Neubauer vom SV Oberwart holte sich Tipps von Jürgen Kirnbauer (l.) und Stefan Haider.
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Drei Jahre saßen Jürgen Kirnbauer, ehemaliger Tormann in Oberwart oder Neuberg, und Stefan Haider, Kicker beim FC Winden, nebeneinander und tüftelten über die menschlichen Strukturen – mit klarem Ziel vor Augen: Bachelor der Physiotherapie. Diese Maxime wurde mittlerweile abgeschlossen, denn die beiden Absolventen des Studienlehrganges in Pinkafeld konnten diesen Schritt zuletzt abhaken. Der Weg dorthin war spannend, auch weil ein Schlosser aus Neumarkt bei Schlaining, der SC Pinkafeld und auch der FC Winden ihren Teil dazu beitrugen.

Guter Start. Pinkafeld-Kicker Michi Pahr hatte schon im Winter das Vergnügen sich am Testgerät zu versuchen.
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Für jeden Studenten kommt irgendwann die Frage: Welches Thema wähle ich für meine Bachelorarbeit? Was interessiert mich? Was will ich thematisch und analytisch aufarbeiten, um zu einer guten Note zu kommen und dazu auch meinen Horizont sinnvoll zu erweitern?

Kirnbauer und Haider kamen auf einen Nenner, wie Ersterer erklärt: „Der Adduktorenbereich und die Muskulatur der Oberschenkelrückseite, Hamstrings genannt, sind die im Fußball zweithäufigsten Verletzungen und dazu ist das Wiederverletzungsrisiko extrem hoch. Dem wollen wir vorbeugen.“

Irgendwann reifte bei den beiden Physiotherapeuten der Entschluss, dieses Thema als Arbeit in Angriff zu nehmen. Erste Skizzen und Pläne wurden entworfen, die auch in die Wirklichkeit umgesetzt werden mussten. Johann Müllner, Schlossermeister aus Neumarkt/Schlaining und Vater von Oberwart-Kicker Andi Müllner wurde herangezogen und entwarf einen Prototypen, der den statischen Anforderungen entsprach und dazu schlicht und einfach in der Handhabung funktionierte.

„Wir trugen dann aufgrund unserer literarischen Aufarbeitung unseres Themas die effektivsten Übungen für diese zwei Muskelgruppen zusammen“, so Kirnbauer über die ersten Anläufe.

Steigerung erfolgte um mehr als 15 Prozent

Als erstes Versuchskaninchen fungierte dann der Burgenlandligist aus Pinkafeld und der 2. Liga Nord-Verein vom FC Winden, dort wo Haider selbst der Kugel hinterherjagt. „Außer einem Partner und einem Ball wird nichts benötigt. Daher haben wir darauf geachtet, dass die Übungen auch einsetzbar sind“, meinten die Physiotherapeuten unisono und ergänzten: „Laut unseres Fragebogens waren die Übungen für manche der Spieler mehr und für andere wiederum weniger bekannt.“

Die ersten Testergebnisse waren gut, aber die Steigerung, die nach Einhaltung des fünfwöchigen Trainings in Winden und des sechswöchigen Programms in Pinkafeld Einzug hielt, war außergewöhnlich: Um bis zu 15 Prozent höhere Leistungsfähigkeit war am Testgerät abzulesen, was an den Kickern lag, die ihr Zusatztraining absolvierten. „Es gibt einen speziellen Trainingsplan, der aufgrund der Literaturrecherche bestand und auch von den zwei Vereinen umgesetzt wurde“, erklärte „Kirni“ und führte weiter aus: „Wir bekamen nur positive Rückmeldungen, auch weil es das Training nicht beeinflusst. Es geht einfach und sehr schnell.“

Bis dato ist das Testgerät ein Einzelstück, das seinen Zweck absolut erfüllte: „Optisch ausbaufähig, aber was es messen sollte, war sehr genau und zuverlässig.“ Zu kaufen gibt es das Gerät nicht, auch weil es speziell für unsere Bachelorarbeit konstruiert wurde.

„Es steckt schon ziemliches Know-how dahinter und bedarf fachmännischer Bedienung, auch wenn es vielleicht nicht so aussieht. Dazu zielt es genau auf diese speziellen Muskelgruppen ab“, so der Ex-Goalie, der vereinzelt schon mit Kickern arbeitete und eine Patent-Anmeldung nicht ausschloss: „Wir waren zuletzt mit der Bachelor-Prüfung beschäftigt, aber nachgedacht haben wir darüber. Da müssen wir uns aber erst genauer informieren.“