UEFA Champions League: Ein Blick Richtung Abgrund. Nach dem Super League-Scheitern ist vor der CL-Reform. Georg Pangl prognostiziert eine unüberbrückbare Kluft zwischen wenigen Vereinen und der breiten Masse.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 02. Mai 2021 (02:23)
Georg Pangl nahm zum Thema auch in „Sport & Talk aus dem Hangar-7“ Stellung.
Servus TV/Neumayr, Servus TV/Neumayr

In Europas Fußballszene dominierte zuletzt die geplante und (fürs Erste) auch rasch wieder gescheiterte Super League sämtliche Diskussionen. Jene zwölf Topklubs aus England, Spanien und Italien (Manchester City, Manchester United, Liverpool, Chelsea, Arsenal, Tottenham, Real, Barcelona, Atletico, Juventus, Inter und AC Milan) haben nach heftigen Protesten die präsentierten Pläne wieder in die Schublade geschoben.

Was bleibt, sind die bestehenden UEFA-Strukturen mit der Champions League (CL) an der Spitze. Dort gibt es auch weiterhin sehr viel Geld zu verdienen, das künftig noch mehr werden soll. Die am Montag beschlossene CL-Reform gilt ab 2024/2025 und soll für ein breiteres Starterfeld, mehr Spiele und grob gesagt mehr Möglichkeiten sorgen (Details siehe Infobox). Georg Pangl sieht diese Pläne sehr kritisch. Der Stotzinger hat als ehemaliger Generalsekretär der European Leagues in den vergangenen Jahren gegen die aufgehende Schere zwischen den Top-Klubs und dem großen Rest gekämpft und sieht auch nun, als selbstständiger Experte, die Lage problematisch, denn: „Die sogenannte Super League ist de facto bereits da. Fünf kleinere Meister-Teams können sich künftig aus einem Pool von 45 Mannschaften qualifizieren, die Fixplätze und die zusätzlich zugesicherten Teilnehmer gehen vorwiegend an größere Ligen. So fährt man aus meiner Sicht in Richtung Abgrund.“

Zu unüberbrückbar werde die bereits jetzt große Kluft zwischen wenigen Vereinen und der breiten europäischen Masse. Die These, wonach der Traum Champions League für alle möglich sei, bewertet Pangl gegenüber der BVZ als besseren Marketing-Slogan. „Die kleineren Klubs leiden, es besteht ein exzessives Missverhältnis, das nicht gut ist für den Fußball. Außerdem ist die Vorhersagbarkeit mittlerweile gewaltig.“

Dieses Ungleichgewicht werde durch die beschlossene Reform und die Aufstockung nicht kleiner – vor allem die Verteilung sämtlicher finanziellen Mittel aus den UEFA-Klubbeweben befeuert diesen Trend aus Sicht von Georg Pangl. Hier müsste man ansetzen. „Ich habe Verständnis dafür, wenn man als Fan in einer Champions League lieber die Großen sieht. Aber die Vorgänge sind einfach zu exzessiv geworden, das alles ist ein Teufelskreis.“ Weil die Basis des professionellen Fußballs wegzubrechen droht. Darum hofft der 55-Jährige auch auf ein Umdenken, etwa bei den sogenannten Solidaritätszahlungen an alle Profi-Vereine, die nicht an europäischen Bewerben teilnehmen. Aktuell bleiben für diesen Pool, der aus rund 1.000 Vereinen besteht, 130 Millionen vom jährlich 3,25 Milliarden-Einnahmentopf übrig, das sind vier Prozent. „Der Champions League-Sieger kassiert mehr als alle diese Vereine zusammen.“

Für Pangl wäre hier eine kräftige Erhöhung auf 20 Prozent ein wesentlicher Schritt, auch um parallel an der Spitze finanzielle Eskapaden besser eindämmen zu können. „Dann müssten auch größere Klubs lernen mit weniger zu wirtschaften.“