Karner: „Entscheidend ist immer, Perspektive zu haben“. Der Wiesener will im Herbst wieder zurück ins Trainergeschäft und spricht über seine bisherige Laufbahn, den weiteren Karriere-Plan und die schwierige Corona-Zeit im Sport.

Von Martin Ivansich. Erstellt am 06. April 2021 (04:02)
Fokussiert: Egal ob in Neusiedl, Stegersbach, Gleisdorf oder in Horn. Die Handschrift von Markus Karner war bei seinen Klubs bislang deutlich sichtbar.
Martin Ivansich

Von 2013 weg ging Markus Karners Trainerkarriere steil nach oben. Bei seinem Stammverein SV Mattersburg durchlief der heute 42-Jährige vom Nachwuchscoach bis zum Co-Trainer in der Bundesliga sämtliche Teams, war später Cheftrainer bei Burgenlandligist Stegersbach, Ostligist Neusiedl/See und – kurzfristig – Gleisdorf in der Regionalliga Mitte. Knapp zwei Monate nach seinem dortigen Amtsantritt lockte sein erster Cheftrainer-Posten im Profibereich beim 2. Liga-Klub SV Horn. Mitte November 2019 endete seine Zusammenarbeit mit den Waldvierteln. Seitdem verfolgt der A-Lizenz-Trainer das Fußballgeschehen genau aus der Beobachterrolle – und ist bereits voller Vorfreude auf eine neue sportliche Herausforderung. Die BVZ fragte nach.

BVZ: Was haben Sie seit dem Ende der Zusammenarbeit mit Horn in der Zwischenzeit getan?
Markus Karner: Ich verbringe noch immer Zeit als Trainer auf dem Rasen. In Absprache mit dem SV Horn habe ich im Rahmen der von Christian Fuchs gegründeten Fox Soccer Academy (Anm.: Fußballangebot für Youngsters zwischen 8 und 16 neben dem Vereinstraining) viele talentierte Fußballbegeisterte trainiert und begleitet. Es gab auch viel Zeit zur Selbstreflektion. Von Neusiedl nach Gleisdorf und schon nach kurzer Zeit nach Horn, das ist relativ schnell gegangen.

Würden Sie es im Nachhinein betrachtet anders machen?
Karner: Nein, ich würde es wieder so machen. Wobei hier zu berücksichtigen ist, dass bei den Gesprächen mit dem FC Gleisdorf immer der Aufstieg in die 2. Liga das Ziel war. Das Umfeld dort gibt das auch her. Überraschenderweise ist man in Gleisdorf nach dem Absprung eines Großsponsors von diesem Ziel abgekommen und gleichzeitig hat der SV Horn für mich als Trainer ein Angebot vorgelegt. Die Vereine waren sich bald einig und es nahm alles seinen Lauf. Der FC Gleisdorf hat eine schöne Ablöse bekommen. Für mich hat es die Sache dann eben rund gemacht, weil ich damit zurück im Profigeschäft war.

Was stand zuletzt noch am Tagesprogramm in Sachen Fußball?
Karner: Abgesehen von der Reflexion hatte ich in der Zeit, wo ich nicht aktiv war, die Möglichkeit mich weiterzuentwickeln. Da habe ich eine Fortbildung am Fußballinstitut in München gemacht. Die Sportwissenschaft überholt sich alle sechs Jahre um 50 Prozent. Dazu habe ich im Bereich der Videoanalyse vom ehemaligen ÖFB-Chefanalytiker Christian Heidenreich viel lernen dürfen. Du musst einfach up to date sein. Die Spieler sind selbst sehr gut informiert, haben hohe Ansprüche an das Trainerteam — egal ob es Trainingsmanagement ist oder ob es technisch-taktische Bereiche betrifft. Wenn du da nicht 100 Prozent systematisch arbeitest, wird es schwierig. Durch die Fortbildung nehme ich viel für die nächste Aufgabe mit. In den kommenden Wochen trete ich eine Hospitation beim LASK an.

Entwickler. Markus Karner legt ganz großen Wert auf die Entwicklung seiner Spieler. Einer, der unter Karner reifte, ist Ercan Kara. Der Offensivmann wurde unter dem Burgenländer Stammspieler beim SV Horn in der 2. Liga und ist mittlerweile bei Rekordmeister Rapid Wien in der Bundesliga gesetzt.
SEPA

Stichwort kommende Aufgabe als Trainer: Gibt es da schon etwas Konkretes?
Karner: Während der Beurlaubung gab es bereits zwei Angebote. Das ist aber an der Auflösung mit Horn gescheitert. Nachdem im Sommer der Vertrag mit Horn endet, möchte ich mit Beginn der Herbstsaison wieder als Betreuer wirken. Und da bin ich sehr zuversichtlich. Möglichkeiten liegen vor, festgelegt ist aber aktuell davon noch nichts.

Ihrer Philosophie von Fußball würden Sie aber treu bleiben?
Karner: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wenn ich eine Erfahrung aus Horn mitgenommen habe, dann ist es, dass es nicht nur darauf ankommt, Spieler und Trainerteam zu coachen, sondern auch das Umfeld kommunikativ mitzunehmen. Ich denke, das sollte bei Vertragsverhandlungen ganz klar auf den Tisch kommen, was der Verein mitträgt, was der Verein vorhat, was er unterstützt. Und da zählt dann auch das System, wie Fußball gespielt werden soll, dazu.

Was zählt noch dazu?
Karner: Aus meiner Sicht sind drei Dinge entscheidend, an denen ein Trainer gemessen wird. Das ist einmal der Punkt, Spieler weiterzuentwickeln. Dann attraktiv aktiv und dynamisch Fußball zu spielen und drittens ganz klar erfolgreich zu sein. Wenn du Spieler weiterentwickelst, attraktiv spielst und trotzdem keine Erfolge einfährst, dann wird es auch nicht reichen. Zumindest im Erwachsenenfußball, im Akademiebereich vielleicht schon.

Peilen Sie zwingend wieder ein Cheftrainer-Job an oder wäre Co-Trainer im Profigeschäft so wie damals beim SV Mattersburg auch ein Thema?
Karner: Da will ich mir alle Optionen offenhalten. Auch das Thema Akademie ist für mich sehr reizvoll. Ich arbeite aktuell im Bereich Individualtraining mit vier Akademie-Spielern zusammen. Das taugt mir irrsinnig. Klar wäre es schön, wenn ich wieder im Profitum wirken könnte. Aber meine jetzigen Erfahrungen im Trainergeschäft sind so, dass man auch in der vierten Liga hervorragend arbeiten kann. In Stegersbach zum Beispiel hatten wir ein beachtliches Umfeld und eine Mannschaft, die Ziele hatte. Das war richtig schönes Arbeiten.

Was sind für Sie die wichtigsten Kriterien?
Karner: Entscheidend ist immer, dass man eine Perspektive hat, im Verein etwas zu entwickeln. Ich glaube, dass dies mittlerweile ein kritischer Erfolgsfaktor ist. Und ein Umfeld zu haben, wo das Arbeiten natürlich Spaß macht, aber auch die Möglichkeit da ist, um etwas entwickeln zu können und erfolgreich zu sein. Zum Punkt Co-Trainer: Schon in Mattersburg konnte ich, mit großem Gestaltungsfreiraum, unter Beweis stellen, dass ich die Rolle konstruktiv ausfüllen kann und den größten persönlichen Erfolg mit dem Aufstieg in die Bundesliga feiern.

Mattersburg war Ihre sportliche Heimat. Wie haben Sie den Sommer 2020 inklusive Niedergang des SVM erlebt?
Karner: Die Zeit war prägend für mich. Mattersburg ist ja mein Heimatverein gewesen. Ich habe beim SVM quasi alles durchlebt – als Nachwuchsspieler begonnen, mit 17 in der Regionalliga debütiert und dann eben dort als Trainer begonnen. Der Aufstieg von der 2. Liga in die Bundesliga und dann das erste Spiel gegen Salzburg mit dem späten Siegestor zum 2:1 von Alexander Ibser, das sind emotionale Momente, die man nie mehr vergisst. Hätte es Mattersburg nicht gegeben, hätte ich es sicher schwieriger gehabt im Trainergeschäft Fuß zu fassen. Diesbezüglich muss ich Martin Pucher dankbar sein, auch wenn die Enttäuschung aufgrund seiner für mich kaum nachvollziehbaren Entscheidungen und dem traurigen Ende des Vereins überwiegt.

Weiter geht es in Mattersburg trotzdem, nun mit dem neu gegründeten MSV 2020, der die Nachwuchsabteilung des SVM übernommen hat und künftig auch im Erwachsenenbereich in der 2. Klasse Mitte starten will. Hat dieses Projekt Zukunft?
Karner: Ja, für mich auf alle Fälle. Es war sehr erfreulich, dass sich mit Manfred Strodl ein Mann gefunden hat, der schnell gehandelt und dem Nachwuchs eine Plattform geboten hat, um dem Hobby Fußball nachzugehen. Im Herbst startet man auch mit einer Kampfmannschaft und ich traue dem MSV zu, nachhaltig erfolgreich zu sein. Ich möchte jetzt nicht von einem Durchmarsch bis in die Regionalliga sprechen, aber über kurz oder lang ist das für mich vorstellbar, dass in Mattersburg wieder Burgenlandliga-Fußball zu sehen ist.

Aktuell ist ja gar kein Amateur-Fußball zu sehen. Ist der Stillstand im Sport aufgrund der aktuellen Covid-Situation notwendig?
Karner: Da trifft man einen wunden Punkt bei mir. Mein Verständnis von der Politik ist, dass die Politik dem Volk zu dienen hat. Das sehe ich auf Bundesebene nicht gegeben. Welchen Stellenwert der Sport hat, kriegt man jetzt sehr gut aufgezeigt. Ich war vor meinem Horn-Engagement mit großer Freude als Bewegungscoach in den Schulen aktiv. Und für die Kinder bedeuteten diese Einheiten der Bewegungscoaches wahre Wochen-Highlights. Wenn da Kollegen oder ich in die Schulen gekommen sind und wir mit ihnen Bewegung gemacht haben, da waren fast alle motiviert und begeistert sowie der Großteil der Kinder mit enormer Freude dabei. Jetzt gibt es nicht einmal einen Regel-Turnunterricht. Das wirkt auf mich wie eine Bankrott-Erklärung für den Sport.

Gibt es dennoch etwas Positives, das man aus den letzten Wochen und Monaten mitnehmen kann?
Karner: Ich glaube, alle die es gewollt haben, die haben ihre Persönlichkeit gestärkt und weiterentwickelt. Ich habe mich zum Beispiel in eine körperliche Fitness gebracht, die wahrscheinlich ohne Corona nicht zustande gekommen wäre.

Wird Corona den Fußball verändern? 
Karner: Nein. Ich hoffe, dass bald wieder die Normalität wieder zurückkommt. Corona im Allgemeinen hat uns aber alle gefordert, an unseren Lösungskompetenzen zu arbeiten beziehungsweise zu wachsen.