Christopher Trimmel: Der Zeitlose auf der Überholspur. Der 32-Jährige war zuletzt mit Union Berlin und dem Nationalteam erfolgreich – keine Frage des Alters.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 23. Oktober 2019 (06:20)
APA (AFP)
Union-Berlin-Kapitän Trimmel

Willkommen auf der doppelten Überholspur, Christopher Trimmel. Mit Aufsteiger Union Berlin hat der Burgenländer im Heimspiel gegen Freiburg nach vier Pleiten in Folge beim 2:0 die sportliche Kurve in der Deutschen Bundesliga gekratzt. Mit dem Nationalteam steht er nach dem 3:1-Sieg gegen Israel und dem 1:0-Erfolg in Slowenien vor der EM-Qualifikation. Ob der Mannersdorfer für die letzten beiden Länderspiele im November gegen Nordmazedonien und in Lettland einberufen wird? Abwarten.

Für die Partien gegen Israel und in Slowenien rückte er jedenfalls statt des verletzten Stefan Lainer in das Aufgebot nach. Wo Hoffenheim-Legionär Stefan Posch rechts in der Viererkette zum Einsatz kam, dann aber raus musste und Trimmel gegen Israel ab Minute 63 aktiv war. In Slowenien war dann noch im Finish ein Kurzeinsatz drin. „Es hat mich riesig gefreut dabei zu sein. Das ist ja auch ein Zeichen, dass der Teamchef überzeugt von mir ist. Ich wiederum wollte beim Team zeigen, was ich draufhabe. Das ist gelungen.“

„Wenn du fit bist und Leistung bringst, stellt sich die Frage gar nicht.“ Für Christopher Trimmel, 32, gibt es im Fußball keine Alters-, sondern nur eine Leistungsfrage.

Und es könnte eine Duftmarke zur richtigen Zeit gewesen sein. Auch wenn er an sich auf der Abrufliste stand und Lainer sowie Posch von der Position her vorgereiht waren, hat sich Trimmel kurz vor der möglichen EM-Teilnahme positioniert und nach rund neuneinhalb Jahren sein Comeback im Nationalteam gefeiert – mit 32 Jahren. Überrascht?

„Ganz ehrlich. Das Altersthema wird irgendwann fad“, muss der sympathische Profi bei diesem Punkt den Kopf schütteln. „Fußball ist ein Leistungssport. Es gibt international genügend Top-Spieler über 30. Wenn du fit bist und Leistung bringst, stellt sich diese Frage gar nicht.“ Und Trimmel legt gleich nach, wenn es um Jung/Alt im Profisport geht: „Irgendwann ist dann das Thema aufgekommen, wie lange man jungen Spielern Zeit geben muss, bis sie funktionieren. Ein 32-Jähriger braucht keine Zeit mehr. Der ist einfach da, wenn er gebraucht wird. Das ist das Wichtigste.“

Einfach da sein. Das bleibt auch sein Anspruch, wenn er beim Thema Teameinberufung „wie immer ruhig und geduldig“ an die Sache herangehen wird. „Die Basis ist die Leistung beim Verein und dass man dort auch regelmäßig spielt. Alles weitere kann ich nicht beeinflussen.“

Was den besagten Verein betrifft, ist Trimmel bei Union Berlin persönlich sowieso im Soll, was Spielpraxis betrifft. Der Kapitän der Eisernen feierte mit seinem Team zuletzt nach vier Niederlagen in Folge mit dem 2:0 gegen Freiburg den zweiten Saisonsieg. „Wir haben es schon davor echt nicht schlecht gemacht und großteils gut gespielt, aber dann auch eine rund 15 minütige schwächere Phase gehabt. Grundsätzlich sind wir aber in der Bundesliga angekommen, es passt.“

Mit sieben Punkten aus acht Spielen reist der 14. nun nach München, um am Samstag (15.30 Uhr) bei Rekordmeister Bayern anzutreten. Klar sei das erste Punktespiel für Union bei den Bayern etwas Besonderes, Trimmel stellt trotzdem klar: „Die Arena kenne ich, wir haben ja bereits auswärts gegen 1860 hier gespielt. Da war das Stadion nicht voll, von daher wird die Atmosphäre eine andere sein. Aber ich bin bei der Herangehensweise an solche Spiele cool. Sowas animiert mich nur, noch ein, zwei zusätzliche Prozent aus mir herauszukitzeln.“