Roland Poiger: „20 Jahre harte Arbeit“. Der Internationale Judoverband (IJF) nominierte den gebürtigen Oberwarter als Kampfrichter für die Paralympics in Tokio.

Von Daniel Fenz. Erstellt am 22. Februar 2021 (02:34)
Roland Poiger.
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Nach Siegfried Spennlingwimmer (Olympische Spiele Los Angeles 1984, Seoul 1988, Barcelona 1992) sowie Manfred Häusler (Atlanta 1996, Sydney 2000) ist Roland Poiger der dritte österreichische Kampfrichter, der sich über Olympia-Ehren freuen darf. Seine Nominierung als Paralympics-Judo-Kampfrichter Ende August in Tokio ist ein Meilenstein für den Oberwarter. Die BVZ fragte nach.

BVZ: Sie wurden als Kampfrichter für die Paralympics in Tokio Ende August nominiert. Gab es eine eigens angefertigte Bewerbung?

Roland Poiger: Man kann sich nicht dafür bewerben. Durch stetige Leistungen, zuerst auf kontinentaler Ebene in Europa, wurde ich von der IJF (Anm.: International Judo Federation) eingeladen, bei der World Tour als Kampfrichter tätig zu sein. Von 30.000 Judokampfrichtern bekommen nur 350 dann die Möglichkeit, international werten zu dürfen. Die besten 25 werden eingeladen, ich wurde 2017 ausgewählt. Dahinter stecken 20 Jahre harte Arbeit.

Ein Olympia-Pionier aus dem Burgenland: Wie groß ist der Stolz?

Poiger: Dass ich der dritte Österreicher und erste Burgenländer bin, macht mich schon mächtig stolz. Ich bin allerdings „nur“ für die Paralympics nominiert.

Was sind Ihre persönlichen Erwartungen bei den Spielen in Tokio?

Poiger: An einem olympischen Turnier teilzunehmen ist ein Kindheitswunsch. So wie Sportler zu den Spielen wollen, geht es Funktionären sicher auch so. Ich werde mich penibel auf die Aufgabe vorbereiten.

Was erwartet Sie in Japan?

Poiger: Im „Budokan“, wo auch bei den Olympischen Spielen Ende Juli gekämpft wird, werden an drei Tagen die Paralympics-Sieger in 13 Gewichtsklassen ermittelt.

Inwiefern muss im Vorfeld noch der reibungslose Ablauf perfektioniert werden?

Poiger: Es gibt Vorbereitungsevents. Ich hoffe, dass diese stattfinden. Die IJF hat bewiesen, dass mit dem Covid-19-Konzept (Anm.: von „bubble to bubble“) sehr viel möglich ist. Disziplin gehört dazu, das ist in unserem Sport nichts Neues.

Kann man diese Einberufung noch übertrumpfen?

Poiger: Es geht step-by-step, wobei sich meine Nominierungsliste schon recht beeindruckend liest. Die volle Konzentration gilt nun aber Tokio.

Thema Covid-19. Was gilt es vor Ort alles zu beachten?

Poiger: Das Konzept der IJF und auch der Organisatoren vor Ort in Tokio ist beeindruckend und simpel zugleich: Testen im Vorfeld, eingeschränkte Bewegungsfreiheit vor Ort, Aufenthalt nur im Hotel mit getesteten Personen und Disziplin – nicht nur bei den Events.

Mit welchen sportlichen Erwartungen gehen Sie in die Spiele?

Poiger: Bei den Paralympics kämpften Sehgeschädigte und teilweise taube Sportler um Medaillen. Ich erwarte beeindruckende Leistungen und viele Emotionen.

Wie viele Einsätze wird es für Sie vor Ort geben?

Poiger: Es wurden zwölf Kampfrichter nominiert. Die Auslosungen der Wettkämpfe finden dann erst vor Ort statt.

Zurück zum Judo im Burgenland, wo Sie Verbands-Präsident sind. Wie sehen Sie hier in die Zukunft?

Poiger: Zurzeit macht die Perspektivlosigkeit im Breitensport richtig schlechte Laune. Hoffentlich gibt es hier bald nachvollziehbare Entscheidungen für alle Sportarten. Wir scharren in den Startlöchern und warten auf einen möglichen Trainingsbeginn.