Ein baldiger Neustart, allerdings auf Raten. Trotz einer Trainings-Freigabe ab 19. Mai gehen die Kampfsport-Verbände vom langen Weg retour zur Normalität aus.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 03. Mai 2021 (02:12)
Schlagfertig. Wolfgang Reiterer (rechts), Cheftrainer des Burgenländischen Boxverbandes, freut sich bereits auf die ersten Nachwuchstrainings. Bis zur Wettkampfform sei es allerdings noch ein weiter Weg.
zVg, zVg

Werden die angekündigten Öffnungsschritte der Regierung durchgezogen, dürfen ab 19. Mai sowohl Kinder als auch Erwachsene in sogenannten Kontaktsportarten – dazu zählt Kampfsport zu einem überwiegenden Teil – wieder aktiv sein. Outdoor wie Indoor ist dann erlaubt, freilich unter den nötigen Sicherheitsmaßnahmen. So oder so ist dann noch nicht wieder „alles beim Alten“, sondern nur ein erster Schritt gesetzt. Ein Aufatmen ist bei den Verbänden trotzdem spürbar.

„Die Leute sehnen sich nach Sport“

  • „Den letzten Kampf hatten wir im Oktober 2019“, muss etwa Wolfgang Reiterer, Cheftrainer des Burgenländischen Boxverbandes, im Kalender weit zurückblättern. Seither waren nur individuelle Trainings möglich. Seine Boxer hätten in letzter Zeit zu wenig trainiert, um einen Wettkampf zu bestreiten. „Ich lasse niemanden kämpfen, der nicht in Form ist. Bis Neulinge in den Ring steigen können, braucht es ein Jahr hartes Training“, so der Boxtrainer. Die Nachfrage sei jedenfalls da, „die Leute sehnen sich nach Sport.“
  • Die Karateka wiederum hatten es im Vorjahr etwas leichter als ihre Kampfsport-Kollegen, für sie wurden schon früher Outdoor-Trainings freigegeben — zumindest im „Schattenkampf“ (Kata), dort gibt es keinen Körperkontakt. Zudem konnten einige Kämpfer bei virtuellen „eTournaments“ ihr Können unter Beweis stellen. „Eine Kampferlaubnis haben aktuell aber nur 14 EM-, WM- und Olympia-Starter — von insgesamt 16.000 Karateka in Österreich“, erklärt Verbandspräsident Jürgen Krell. Wo die Kämpfer nach der langen kontaktfreien Zeit sportlich stehen, lasse sich kaum abschätzen. Daher brauche es nun eine Standortbestimmung wie die Staatsmeisterschaften.
  • Ein ähnliches Bild zeichnet auch Hannes Ganster, Präsident des Burgenländischen Jiu Jitsu Verbandes. Seine Kämpfer konnten immerhin 2020 noch die Neulingsmeisterschaften bestreiten, „wenige Tage später kam der Lockdown.“ Derzeit läuft das Training nur virtuell, „das heißt es ist nicht gerade einfach die Techniken richtig zu trainieren. Daher geht es hauptsächlich um Kraft, Ausdauer, Stabilität und koordinative Fähigkeiten.“

Ganster sorgt sich um den Anschluss an die internationale Konkurrenz: „Wenn in Schweden oder Ungarn der Sport durch die Pandemie kaum eingeschränkt ist, wird es für uns natürlich schwer, mitzuhalten.“ Mit der „20 Quadratmeter-Regel“ (ein Sportler pro 20 Quadratmeter Indoor-Fläche) könne man gut leben, fraglich sei allerdings, ob die Schulen ihre Hallen für Trainings freigeben. Denn: „Das Bildungsministerium hat andere Vorgaben als das Sportministerium.“

Dringender Appell für noch mehr Schulsport

  • Bei den Ringern gibt es im Burgenland aktuell keine Kader-Athleten, die bereits trainieren dürfen. „Selbst wenn, sie hätten keine Trainingspartner“, erklärt Verbandspräsident Andreas Sommer. Der Mörbischer streicht die Bedeutung von Sport für die Gesundheit hervor, „besonders bei Jugendlichen. Wir wissen, wie wichtig Ringen speziell und Bewegung generell für die Entwicklung von Kindern ist“, verweist er auch auf die Initiative „Wrestling goes School“. Gerade in den Schulen gelte es nun anzusetzen. „Daher der Appell an die Schulen: Bewegung muss groß geschrieben werden. Schulsport ist die perfekte Grundlage für Leistungssport, das gilt es zukünftig zu intensivieren und auszubauen.“
  • Beim Taekwondo zeigt sich Verbandspräsident Christoph Kozarits froh über den baldigen Trainingsstart, aber: „Es ist nach eineinhalb Jahren viel neu zu planen. Im Jugendbereich glauben wir schon, dass wir Mitglieder verloren haben.“ Vor allem brauche es nun etwas Zeit.
  • Kickbox-Verbandspräsident Michael Gerdenitsch wiederum sagt über die bevorstehenden Öffnungsschritte: „Wir beurteilen die Ankündigung vorsichtig euphorisch. Im Outdoor-Bereich wäre jetzt schon mehr gegangen. Das ist ein kleiner Kritikpunkt. Da man ja weiß, dass im Outdoor-Bereich die Ansteckungsgefahr minimal ist.“

Poiger: „Öffnung für den Kampfsport zu wenig“

  • Im Judo sind landesweit rund 30 Prozent der Athleten abhandengekommen. Mit Wörterberg musste auch ein Verein zusperren. „Wir wissen noch keine Details“, wartet Vizepräsident Thomas Puntigam auf den Verordnungstext und die Vorgaben des Österreichischen Verbands.

Als Obmann des größten Burgenländischen Vereins, dem JK Mattersburg, meint er: „Wenn nur ein Hauch von Training möglich ist, werden wir anfangen. Es ist dringendst notwendig, vor allem für die Kinder und Jugendlichen.“ Und Verbands-Präsident Roland Poiger ergänzt abschließend kritisch anhand eines Beispiels: „Für den Kampfsport ist die in Aussicht gestellte Öffnung zu wenig und auch sehr schwer sinnvoll umsetzbar. In einem 120 Quadratmeter großen Turnsaal dürfen dann mit der 20 Quadratmeter-Regel sechs Kinder und der Trainer anwesend sein. Im Kleinkindbereich von vier bis sieben Jahren wird somit ein Trainingsstart erst mit September möglich und sinnvoll.“