Karl Kaplan: „Es ist ein Jammer“. Der Ex-BFV-Präsident war einer der Gründungsväter der Fußballakademie und sieht die aktuell schwierige Lage mit Wehmut.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 23. August 2020 (01:11)
Alles neu im September 2009. Karl Kaplan (l.) und Martin Pucher besichtigen von der Tribüne der Fußballakademie Burgenland aus das Hauptfeld. Zu diesem Zeitpunkt ist noch lange nicht absehbar, dass Pucher mit seiner Commerzialbank elf Jahre später für einen historisch riesigen Bilanzskandal verantwortlich sein wird.
Hafner

Von 2004 bis 2012 stand der ehemalige ÖVP-Landesrat Karl Kaplan als Präsident an der Spitze des Burgenländischen Fußballverbands (BFV). Die nachhaltigste Errungenschaft des heute 77-jährigen Mittelburgenländers war zweifelsohne die Mitgründung der Fußballakademie Burgenland 2009, als der Verbandsboss gemeinsam mit den Partnern Land Burgenland (in Person von SP-Landeshauptmann Hans Niessl), SV Mattersburg (Präsident Martin Pucher) und der Stadt Mattersburg (SP-Bürgermeisterin Ingrid Salamon) den Bau der Akademie im Vorfeld beschloss und schließlich in die Tat umsetzte.

Elf Jahre danach ist mit dem SV Mattersburg ein wichtiger Eigentümer weggebrochen. Martin Pucher ist von der Bildfläche verschwunden, der Konkurs des Klubs nach dem Bilanzskandal rund um seine Commerzialbank Mattersburg bleibt. Auch rund um die so stabil wirkende Fußballakademie Burgenland mehrten sich die Gerüchte, dass das Ende bevorstehen könnte. Mittlerweile haben sich die verbliebenen Eigentümervertreter auf die Fortführung verständigt, auch wenn die 35 Prozent Anteile des SVM (vorerst) noch offen sind. Und Kaplan? Der hat sämtliche Vorgänge von seinem Funktionärs-Ruhestand aus verfolgt, sagt: „Es ist ein Jammer, was da alles passiert ist. Mein Herz blutet, da ist viel Wehmut dabei, keine Frage.“

Zumindest ist der AKA-Fortbestand gesichert, das sei man laut Kaplan der burgenländischen Jugend auch schuldig. Wundern würde es den Ex-Präsidenten übrigens nicht, wenn das Land Burgenland die Anteile übernimmt, denn: „Mir war immer schon klar, dass die Akademie irgendwann einmal vom Land übernommen werden muss. Dass es aber so schnell und in dieser Form passiert, war einfach nicht absehbar.“

Dementsprechend enttäuscht zeigte er sich auch von Pucher, mit dem er oft gemeinsam am Verhandlungstisch saß. „Ich habe ihn überhaupt nicht so eingeschätzt – und verkannt.“ Auch das Ende des SV Mattersburg schmerzt Kaplan freilich, war er doch bis zuletzt Stammgast im Pappelstadion, allerdings auf der Haupttribüne. „In den VIP-Räumlichkeiten habe ich mich nicht mehr wohlgefühlt.“

Und auch gewisse Vorgänge rund um die Akademie und den SVM haben Kaplan gestört, wie er rückblickend verrät: „2012 bin ich unter anderem auch deshalb als BFV-Präsident ausgeschieden. So gab es in dieser Phase auch Bestrebungen, den Verband von Eisenstadt nach Mattersburg zu übersiedeln und die Fußballakademie generell noch mehr unter SVM-Kontrolle zu bekommen. Das haben wir verhindert, gefallen hat es mir aber nicht.“ Ob Kaplan rückblickend noch einmal alles genauso machen würde? „Ja. Überall in Österreich gab es Akademien, praktisch alle unseren guten Spieler sind abgewandert. Vielleicht wäre das Projekt finanziell sparsamer möglich gewesen, aber dass die Akademie grundsätzlich entstanden ist, war enorm wichtig und ist eine tolle Sache für das Burgenland.“