Fußballakademie: „Wir können langsam Früchte ernten“. Der Blick der Verantwortlichen zurück auf den Herbst fällt positiv aus – weil die Fortschritte mittlerweile auch messbar sind.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 28. Dezember 2018 (06:55)
Bernhard Fenz
Kompetente Runde. Christian Illedits, Aufsichtsratsvorsitzender der Fußballakademie (AKA) Burgenland, AKA-Geschäftsführer Oliver Snurer, AKA-Sportchef Franz Ponweiser und SV Mattersburg-Cheftrainer Klaus Schmidt (v.l.) zeigten sich beim Blick auf die sportliche Bilanz der drei Teams durchaus zufrieden.

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Ausbildung und Entwicklung stehen bei der Fußballakademie (AKA) Burgenland klarerweise ganz oben auf der Prioritätenliste. Um diesen Prozess der Spieler aber auch messbar zu machen, wurde bei der im Jahr 2009 gegründeten Einrichtung mittlerweile die Gesamtstrategie umgestellt. Das berichteten die Verantwortlichen zuletzt im Rahmen eines Analyse-Gesprächs mit der BVZ über die Hinrunde der Akademie-Teams. Geschäftsführer Oliver Snurer: „Wir sind bewusst ergebnisorientierter unterwegs. Das Dogma früher war nur die Ausbildung, jetzt versuchen wir schon, die Ergebnisse nicht zu vernachlässigen.“

Schließlich gehe es auch darum, den Youngsters in der Meisterschaft Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Kein unwesentlicher Faktor für Moralinjektionen und die so entstehende mentale Stabilität.

Veränderte Philosophie beim Sichtungsprozedere

Dafür braucht es aber auch Konkurrenzfähigkeit. Und eben daran hat Franz Ponweiser, seit 1. Jänner 2017 AKA-Sportchef, mit seinem Team gearbeitet: „Wir haben durch personelle Umstrukturierungen, durch intensives Scouting, eine veränderte Spielphilosophie und einen veränderten Trainingsbetrieb im Lauf der Zeit einiges erreicht. Schön langsam können wir Früchte ernten und sind auf einem guten Weg.“

In diesem Zusammenhang hat sich auch die Philosophie beim Sichtungsprozedere verändert, wie Ponweiser schildert: „Wir schauen hier ganz genau auf Positionen und achten, dass etwa die Sechser dreifach oder die Außenbahnen zumindest doppelt besetzt sind, sodass wir ein entsprechendes Mannschaftsgefüge bekommen.“

Dabei gehe es aber um mehr als nur den Moment. „Wir wollen etwa physisch starke Spieler nicht nur wegen der körperlichen Komponente nehmen. Sie müssen schon die Qualität haben, dass sie dir nicht nur ein oder zwei Jahre lang helfen und dann ausgemustert werden – was teils in anderen Akademien passiert. Bei uns geht das nicht, weil wir die Talente ja auch die Schule im Zuge der Kooperationen abschließen lassen. Sie müssen also grundsätzlich das Rüstzeug haben, vier Jahre hier spielen zu können.“

„Wir waren insgesamt noch nie so gut“

Die Anstrengungen dürften jedenfalls greifen, zumindest was die Ergebnisse betrifft. Dass die drei Mannschaften der Fußballakademie mittlerweile nicht mehr chronisch im Tabellenkeller abgelegt sind, zeigt auch eine Gesamtstatistik aller Bewerbe im Herbst (U15, U16 und U18). Hier sind die Verantwortlichen stolz darauf, dass das Burgenland hinter den Vereins-Akademien von Salzburg, Sturm Graz, Austria, Rapid und Admira auf Platz sechs liegt.

„Jahrelang sind wir immer auf die Tabellensituation hingewiesen worden, darum betonen wir das jetzt auch, was wir erreicht haben. Wir haben im Lauf der Zeit auch Mut zur Veränderung aufbringen müssen und scheinbar nicht alles falsch gemacht“, freut sich mit Christian Illedits der Aufsichtsratsvorsitzende über die aktuelle Bilanz. Und Snurer ergänzt: „Wir waren insgesamt noch nie so gut. Im Vergleich ist das für uns sehr wohl ein Erfolg, wenn wir hier als beste Landesverbands-Akademie Österreichs abschneiden.“

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Klar ist gerade bei dieser Wertung die Sache knapp. Einen Punkt hinter dem Burgenland rangiert Linz, zwei Zähler dahinter die NÖ-Akademie aus St. Pölten – besagtes Trio begegnet sich also praktisch auf Augenhöhe (siehe Infobox). Fakt ist aber auch angesichts des ausgewiesenen Respektabstands nach unten: Rot-Gold hat sich längst im Mittelfeld eingenistet.

Das sei einerseits eine Frage der Qualität (so konnten einige Talente von Ponweiser zurück ins Burgenland gelotst werden), andererseits freut den AKA-Sportchef auch die psychische Komponente: „Uns ist wichtig, wie die Burschen auftreten. Früher haben sie sich in einem Spiel oft aufgegeben, jetzt hat sich diese Mentalitätsgeschichte zum Positiven verändert. Das wird mittlerweile auch im Training von den Betreuern eingefordert. Es geht eben einerseits um die Ausbildung, aber auch darum Spiele zu gewinnen.“

Und es gehe auch um Prinzipien. Besagtes Schlagwort betont Ponweiser, weil man auch hier auf einem guten Weg sei. „Spielsysteme werden künftig eine Orientierung sein, aber auf hohem Level wird oft hin- und hergeswitcht. Unsere Spieler müssen wissen, was ein Außenverteidiger macht, wenn wir zu viert hinten spielen, was er macht, wenn wir zu dritt hinten spielen, welche Laufwege und Passoptionen es gibt, et cetera.“

Klaus Schmidt, Trainer der Mattersburg-Profis („Das Konstrukt und die Nähe zwischen Nachwuchs und Profis in der Fußballakademie sind einzigartig.“), ist ebenfalls interessierter Teilnehmer der Runde. Der Steirer sieht die Systemfrage ähnlich: „Es ist gut, dass jeder Spieler eine Ausbildung hat und drei, vier Systeme kennt. Je variabler ein Kicker ist, desto leichter tut er sich.“ Und doch gilt es, auf AKA-Ebene zumindest bei der U18 auch schon taktisch deutlich präventiv mitzudenken. Ponweiser bringt folgendes Beispiel: „Klaus Schmidt spielt mit den Profis gerne Dreierkette. Also wird es wichtig sein, dass wir das im Frühjahr mit der 18er starten. Dann wissen die Burschen, die raufkommen, wie sie sich in einem 3-4-3, einem 3-5-2 oder einem 5-3-2 zu verhalten haben und kennen Prinzipien.“

Am Ende geht es darum, wer oben eingebaut wird

Nur ein logischer Schritt, denn in weiterer Folge zählt freilich auch, dass die Talente den Weg zum Fußballprofi zu Ende gehen können – optimalerweise in der eigenen Fußballakademie, deren Ende der Fahnenstange nach der U18 erst die Amateure des SVM und dann die Mattersburg-Profis sind. „Wir hatten schon eine Zeit, in der wenig Spieler raufgekommen sind. Warum, will ich gar nicht beurteilen.“ Wichtig sei laut dem Sportchef von AKA-Seite, dass die Qualität stimme. Das sei die eine Seite.

Die andere Seite sei der nötige Einbau von Talenten. Hier sieht SVM-Chefcoach Schmidt aktuell den einen oder anderen U18-Akteur mit Perspektive für ganz oben. „Ein David Nemeth ist sicher eine Ausnahme, auch einen Manuel Haring sehe ich richtig gut.“ Die beiden 17-Jährigen befinden sich also auf der Überholspur. Bereits mitten im Einbauprozess sind Michael Steinwender (18), Stephan Schimandl (19, der nun aber zum Bundesheer muss) oder Christoph Halper (20), der für Schmidt „ein überragender Spieler“ ist. Manuel Salaba (18) steht als Dreiergoalie im Kader.

So oder so weiß auch Klaus Schmidt, dass die Durchlässigkeit Möglichkeiten und Räume braucht: „Künftig wollen wir den Kader so zusammenstellen, dass die Burschen andere Perspektiven erhalten und im Kader nicht Nummer 24, 25, 26 sondern etwa 19, 20, 21 sind. Dann ist auch der Weg nach vorne wesentlich kürzer und sie bekommen so auch eine Anerkennung.“ Diese logische Vorrückung im Kader wäre laut dem SVM-Trainer auch ein erstrebenswertes Ziel. „Ein Traum wäre, wenn du jedes Jahr zwei Plätze hast, die du nachbesetzt – und der Rest rückt vor.“

Zukunftsdenken. Vorerst müssen die neuntplatzierten Profis in der neuen Zwölferliga einmal im weiteren Saisonverlauf etwaige Sorgen in Bezug auf den Klassenerhalt ablegen, der Wille zur Durchlässigkeit in der Praxis ist aber allseits spürbar. Ebenso wie die kollektive Betonung der guten Zusammenarbeit.

Oder, wie Oliver Snurer abschließend feststellt: „Vom Zwischenmenschlichen her ist wirklich eine Durchgängigkeit zwischen den einzelnen Schnittstellen gegeben.“