Milletich: „Wir sollten uns den Rücken freihalten“. Verbands-Boss Gerhard Milletich sieht die Änderungen kritisch, appelliert aber trotzdem zu spielen.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 22. Oktober 2020 (02:45)
 
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Keine Kantine mehr, fix zugewiesene Sitzplätze ab 13 Zuschauern, permanentes Tragen von Mund-Nasen-Schutz: Die von der Bundesregierung am Montag angekündigten verschärften Maßnahmen zur Covid-19-Eindämmung (sie sollen ab Freitag schlagend werden) treffen auch die Veranstalter von Fußballspielen hart.

„Das, was im Burgenland zuletzt bei Ampelfarbe orange gegolten hat, nämlich die Kantine mit Schlusspfiff zu sperren, war eine gute Maßnahme, die aus meiner Sicht ausgereicht hätte. Meiner Meinung nach wäre auch ein Al-koholverbot noch verkraftbar gewesen. So aber ist das schon ein harter Einschnitt für die Klubs, vor allem, weil die Maßnahmen bislang großteils gut umgesetzt wurden.“

Angespannte Lage. Dessen ist sich auch BFV-Präsident Gerhard Milletich im Klaren.
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Gerhard Milletich, Präsident des Burgenländischen Fußballverbands (BFV), zeigte sich gegenüber der BVZ besorgt über das, was nun auf die Vereine zukommt. Unterstützt wird er in seiner Ansicht übrigens auch von Sportlandesrat Heinrich Dorner, der zum Thema meint: „Das Burgenland hat gezeigt, dass es, auch im Amateurfußball, mit Augenmaß vorgeht. Diese Treffsicherheit wünsche ich mir auch vom Bund. Denn wenn jetzt wieder übers Ziel geschossen und etwa kein Kantinenbetrieb mehr zugelassen wird, droht vielen Klubs das Aus. Das kann auch der Sportminister nicht wollen.“ Um etwaige finanzielle Verluste aufzufangen, will Milletich hier die Gespräche für eine mögliche Unterstützung forcieren, unter anderem eben auch mit dem Land Burgenland. Zudem will der BFV-Präsident die Kommunikation mit seinen Kollegen aus den anderen Bundesländern stärken, weil „wir hier schon einheitlich vorgehen sollten“.

Die Tendenz geht aber in die Richtung, die verbleibenden Runden bis zur Winterpause unter den verschärften Umständen über die Bühne zu bringen. Milletich: „Mir ist bewusst, dass die Probleme der Vereine noch größer werden, aber Fakt ist auch, dass wir primär ein Fußballverband und kein reiner Kantinenbetrieb sind. Da der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann, muss man das jetzt weiterdenken. Wenn wir die verbleibenden Runden bis zum Winter fertigspielen, haben wir einmal ein Ergebnis stehen, das wir auch werten können.“

Sonderregelungen in Bezug auf Covid-19

Hintergrund: Sobald jeder gegen jeden einmal gespielt hat (in Achterligen jeder gegen jeden zweimal), würde die Meisterschaft im Falle eines Komplettabbruchs nicht annulliert werden, sondern zählt – je nach Fortschritt der weiteren gespielten Runden dann entweder mit dem Stand der Hälfte oder, ab einem Drittel im Frühjahr, ab dem Stand zum Zeitpunkt des Abbruchs. Weisen hier mindestens zwei Vereine weniger Spiele auf, werden für alle Vereine Quotienten gebildet, um die endgültige Reihenfolge zu ermitteln.

Diese Covid-19-Sonderregelungen des BFV wurden für die Saison 20/21 abgesegnet, um bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine mögliche Wertung zu erreichen. „Darum halte ich es für sinnvoll weiterzuspielen. Wir sollten uns den Rücken freihalten, falls es im Frühjahr zu noch größeren Covid-Problemen kommen sollte. Außerdem müssen wir jetzt aufpassen, dass wir rechtlich auf der sicheren Seite bleiben – etwa wenn Vereine weiterspielen wollen und sich gegen eine etwaige Unterbrechung wehren. Denn spielen dürfen wir trotz der neuen Maßnahmen ja.“