Ein Abenteuer außerhalb der Komfortzone. Bernd Eibler fiebert seiner Co-Trainer-Tätigkeit in den USA entgegen. Die ersten Erfahrungen im völlig neuen Umfeld machten Lust auf mehr.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 24. Januar 2021 (01:23)
Wo alles begann. Bernd Eibler am Sportplatz in Sigleß. Nun verlässt der 26-Jährige die vertraute Umgebung des Burgenlands.
Bernhard Fenz

Wann startet der Fußballbetrieb auf breiter Basis wieder? Diese Frage aller Fragen bleibt aktuell unbeantwortet. Zumindest auf höchster Ebene wird in Covid-Zeiten europaweit gekickt. Geisterspiele via TV mitzuerleben, das ist für die Fans des professionellen Fußballs schon mal was.

In den USA hingegen heißt es in der dortigen Major League Soccer (MLS) bitte warten, was die neue Saison 2021 betrifft. Noch ist ungewiss, wann der Startschuss erfolgen wird. Gewiss ist aber, dass mit Bernd Eibler ein Burgenländer mittendrin sein wird, wenn grünes Licht für die nordamerikanisch/kanadische Profiliga gegeben wird. Der 26-Jährige ist an der Seite von Chefcoach Gerhard Struber Co-Trainer bei den New York Red Bulls – und aktuell in der Warteschleife. Weil die Regeln besagen, dass die Vorbereitung erst sechs Wochen vor dem offiziellen Startschuss beginnen darf, ist das rot-weiß-rote Duo noch auf Standbye gestellt, was die Arbeit vor Ort betrifft. Von Kuchl in Salzburg (Struber) und Sigleß im Burgenland (Eibler) aus wird aber längst getüftelt, vorbereitet und fleißig Richtung US-Ostküste kommuniziert.

Abschied von der Heimat. Bernd Eibler verlässt Sigleß, um sich künftig bei den New York Red Bulls fußballerisch zu entfalten.
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„Es ist nicht so, dass wir hier in Österreich jetzt auf Urlaub sind“, stellt der ehemalige Videoanalyst und Co-Trainer des SV Mattersburg klar. Scoutingberichte über potenzielle Zugänge, Vorab-Infos an die im Heimtraining stehenden Spieler über die nötigen Grundprinzipien wie Pressing, Umschalten, Ballbesitz: Das Neo-Betreuer-Duo scharrt bereits in den Startlöchern für die neue Saison. Angepeilt ist am 28. Jänner in die USA zu fliegen, ehe dann Trainingslager in Florida und Arizona folgen könnten. Sicher ist das aktuell aber alles noch nicht.

Was Bernd Eibler und seinen Chefcoach Struber generell an ihren Arbeitsstätten rund 50 Kilometer westlich von Manhatten in Whippany (wo das Red Bull-Trainingszentrum liegt) sowie etwas näher dran am Big Apple in Harrison (wo das Stadion und die Geschäftsstelle beheimatet sind) erwartet, wissen beide. Die Red Bull-Fußball-Standorte im Bundesstaat New Jersey verfügen über eine durch und durch hochprofessionelle Struktur, wie der 26-Jährige schwärmt.

Top-Stadion. Bernd Eibler im November beim Besuch seiner neuen Arbeitsstätte, der Red Bull Arena in Harrison/New Jersey.
Eibler

Im November stießen sie schließlich schon kurzfristig zum Team, als die Verträge fixiert waren und die Saison nach dem bereits absolvierten Grunddurchgang noch zu Ende gespielt wurde. Inmitten strenger Corona-Auflagen und mit kurzer Trainings-Vorlaufzeit wurde so das erste Play-off-Match beim späteren MLS-Champion Columbus Crew bestritten. Am Ende zogen die Red Bulls mit 2:3 den Kürzeren und schieden aus. Die Eindrücke blieben aber und wachsen nun zur großen Vorfreude auf die neue Saison.

„Du brauchst auch deine eigenen Ideen“

In der Struber/Eibler dann mit mehr Vorlaufzeit arbeitstechnisch auch unter die Oberfläche gehen. Klar ist, dass der gesamte Red Bull-Konzern in Bezug auf Fußball eine generell ähnliche Philosophie betreibt. Das soll dann etwa bei den Klubs Red Bull Bragantino in Brasilien, New York Red Bulls in den USA, Red Bull Salzburg in Österreich und RB Leipzig in Deutschland sichtbar sein. Und doch gibt es Unterschiede, die von den handelnden Personen auf der Betreuerbank abhängen, wie Eibler weiß: „Natürlich wollen wir offensiven Fußball spielen, früh vorne attackieren und mit einer hohen Intensität gegen den Ball sowie einem guten Positionsspiel den Gegner vor Probleme stellen. Aber auch wenn es eine gewisse Grundphilosophie gibt, brauchst du eigene Ideen, um erfolgreich zu sein. Salzburg unter Trainer Marco Rose war im Ballbesitz einfach anders, als sie es jetzt sind. Es gibt sehr wohl Unterschiede.“ Die besten Ideen zu einem Plan zusammenzutragen, sei jener Prozess, den der Sigleßer aktiv mitgestalte: „Ich genieße hier extrem viel Vertrauen von Gerhard Struber und soll stets meine Meinung äußern. Letztlich geht es darum, dass aus unseren Zugängen eine Idee entsteht, die wir draußen am Platz gemeinsam vertreten.“

Schließlich hat das neue österreichische Trainer-Duo, das sich noch aus Akademie-Zeiten kennt (als Struber bei Red Bull Salzburg und Eibler bei der Admira war) Großes vor. Dreimal – 2013, 2015 und 2018 – holten sich die Red Bulls aus New York bislang den Supporters Shield, sprich die Auszeichnung für das punktebeste MLS-Team nach dem Grunddurchgang von 34 Spielen. Das mag eine schöne Prestige-Zwischenbilanz sein und bringt auch ein Fixticket für die nord- und zentralamerikanische Champions League, das Ende der sportlichen Fahnenstange ist diese Ehre aber noch lange nicht. Erst in den Play-offs geht die Saison dann mit den K.o.-Partien in die entscheidende Phase. Am Ende steigt zwischen den beiden Halbfinal-Gewinnern das Finalduell um den sogenannten MLS Cup, wo der Meister gekürt wird. 2016 gelang das mit Andreas Ivanschitz übrigens einem Burgenländer. Der Baumgartener feierte als US-Legionär mit den Seattle Sounders damals den erstmaligen MLS-Triumph der Klubgeschichte.

Die besagte Trophäe fehlt den Red Bulls noch, „das ist schon ein großer Ansporn. Wir wollen hier etwas Gutes aufbauen und um Titel spielen“, sagt Eibler, der mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet ist. In einer Liga, die nach seinen ersten Eindrücken „durch die amerikanischen Spieler sehr physisch geprägt ist, aber auch viel Spielwitz aufgrund der zahlreichen südamerikanischen Legionäre bietet.“

Dass es nun für ein knappes Jahr – der nächste Heimatbesuch ist für die Weihnachtszeit angepeilt – in die USA geht, schiebt Eibler trotzdem noch vor sich her. Freundin Julia etwa wird ihn bedingt durch die Ausbildung frühestens im Sommer besuchen können. „Es kann schon sein, dass es dann beim Abschied am Flughafen schwer wird. Aber es ist jetzt einfach das Ding, das ich machen möchte. Sie hat mich von Beginn an voll unterstützt, auch in meiner Familie sind alle megastolz.“ Guter Rat kam zudem von Eiblers bestem Freund Jakob Krenn, selbst Kicker beim SC Sollenau in der 1. Klasse Süd in Niederösterreich, den er seit gemeinsamen Kindergarten-Zeiten in Sigleß kennt. „Auch er hat von Beginn weg gemeint, dass ich das unbedingt machen sollte.“ Schmunzelnder Zusatz: „Am liebsten würde er selbst mitkommen.“

Doch diesen Weg gilt es für Bernd Eibler nun alleine zu bestreiten. Dessen ist sich der ehrgeizige Trainer auch bewusst: „Beim SV Mattersburg habe ich ganz in der Nähe von daheim gearbeitet, das war schon eine gewisse Komfortzone. Jetzt ist der Plan, den nächsten Schritt zu wagen.“

In eine völlig neue Umgebung inmitten einer Metropole. In die der Burgenländer beim ersten US-Aufenthalt schon reingeschnuppert hat: „Wir sind etwa 40 Minuten außerhalb von New York stationiert. Es war schon sehr beeindruckend, als wir das erste Mal Richtung Manhatten gefahren sind und sich dann die Skyline der Wolkenkratzer erhoben hat. Überhaupt gibt es viele Eindrücke, das gesamte Projekt ist sehr spannend.“

Und es gibt täglich etwas zu lernen, natürlich auch sprachlich, was das Englisch betrifft. Trotzdem: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut funktioniert – und es wird von Tag zu Tag besser.“ Ein wichtiger Aspekt, schließlich will Bernd Eibler auch auf kommunikativer Ebene schnell im neuen Umfeld ankommen, um sich nicht nur fachlich, sondern auch als Person weiterzuentwickeln. „Es war mein erklärtes Ziel so einen Schritt zu gehen. Dazu bin ich auch bereit, weshalb die Vorfreude auf die neue Aufgabe überwiegt.“

Bei der, was medial so gerne aufgegriffen wird, auch das Alter keine Rolle spielen wird. Mit seinen 26 Jahren wäre der Burgenländer sozusagen im besten Fußballer-Alter für einen Aktiven, als Betreuer ist er blutjung. „Ich habe das schon in Mattersburg gemerkt, dass das sogar ein Vorteil sein kann, weil du zu den Spielern einen ganz anderen Draht hast und einen anderen Zugang findest. Am gegenseitigen Respekt ändert das überhaupt nichts.“ Den hat sich Eibler erarbeitet – und mit seinem ganz persönlichen Aufstieg nun auch selbst belohnt.