Judoverband: Poiger soll‘s richten. Der Oberwarter Martin Poiger ist neuer Präsident – und muss nach dem WM-Entzug für Ordnung sorgen.

Von Daniel Fenz. Erstellt am 16. Oktober 2019 (06:16)
ÖJV
Das neue Team am Bild oben: Thomas Stückler, Andreas Weinzierl, Albert Gmeiner, Sabrina Filzmoser, Silvia Ehrengruber, Jochen Haidvogel, Martin Poiger, Ernst Raser, Veronika Jakl, Martin Stump, Gerald Eidenberger und Hans-Peter Zopf (v.l.). Foto: ÖJV

Bis vor zwei Monaten stand das Thema „Präsident des Österreichischen Judoverbandes“ noch nicht auf der Agenda von Martin Poiger. Der gebürtige Oberwarter, der derzeit in Stockerau wohnt, hat in seinem Job bei der Europäischen Judo Union in Wien eigentlich genug zu tun.

Bis es zuletzt zu Streitigkeiten innerhalb des ÖJV-Verbandes kam, der nunmehrige Ex-Präsident Hans Paul Kutschera das Vertrauen verlor und zudem acht Vorstandsmitglieder zurücktraten. Eine außerordentliche Generalversammlung war nötig, Poiger sprang ein.

„Bin der Verpflichtung gerne nachgekommen“

Kurz davor teilte der Weltverband „IJF“ per Anwaltsschreiben mit, dass die Weltmeisterschaft 2021 dem Österreichischen Verband entzogen werde, da die zweite von drei Raten (zu je zwei Millionen Euro) nicht fristgerecht bezahlt wurde. Diese wäre am 30. September fällig gewesen, konnte aber nicht abgewickelt werden.

Zu klären sei laut Poiger nun, warum Kutschera nicht für die ordnungsgemäße Berichterstattung an das Sportministerium gesorgt und nicht schon vor Ablauf der Frist um Aufschub angesucht hat. Denn laut ÖJV-Aussendung war die Zahlung der Rate nicht möglich, weil „der ÖJV seinen im Fördervertrag festgeschriebenen Verpflichtungen gegenüber dem Sportministerium nicht nachgekommen ist“.

Inmitten dieser schwierigen Situation muss Martin Poiger nun für Ruhe und Ordnung sorgen, wurde er doch von den Landesverbänden gefragt, ob er sich die Funktion des Präsidenten vorstellen könne. „Ich leite das Headoffice seit Jänner 2013. Auch wenn es aktuell eine harte Mission wird, bin ich der Verpflichtung, mich als Präsident aufzustellen, gerne nachgekommen“, so Poiger, der einstimmig gewählt wurde und seinen Vorgänger Hans Paul Kutschera beim WM-Thema in die Pflicht nimmt.

„Wahlergebnis macht mich mächtig stolz“

„Er hat mit seinem Nicht-Handeln den Österreichischen Judoverband in die Bredouille gebracht – ein großer Image-Verlust für den Österreichischen Judosport.“ In einer Aussendung des Verbandes stellte Poiger nochmals fest: „Es war nicht der Plan, in diesem Jahr Präsident zu werden, aber die Umstände haben mich bewogen, in dieser für den ÖJV schwierigen Situation die Verantwortung gemeinsam mit einem starken Team zu übernehmen. Das Wahlergebnis macht mich mächtig stolz und ist ein schönes Zeichen, dass Judo Österreich geeint hinter diesem Team steht. Selbstverständlich ist dieser Vertrauensvorschuss ein Auftrag, dem wir uns mit voller Energie stellen.“

Bis vergangenen Freitag wollte der gebürtige Südburgenländer noch die WM 2021 retten. „Nach dem Schreiben des Weltverbands wird es aber schwierig, diese abermals nach Österreich zu holen. Wir müssen nun das Vertrauen mit dem IJV wiederherstellen und konzentrieren uns derweil auf unser zweites Ziel.“ Dieses sei, ein gutes Team für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio auf die Beine zu stellen. Dabei müsse man laut Poiger gut vorbereitet sein, um „vielleicht mit einer Medaille“ wieder nach Hause zu fahren.