Mit Bronze und der Fahne nach Tokio

In knapp zwei Wochen starten die Bewerbe in Japan. Tanja Frank und Thomas Zajac holten 2016 Bronze und tragen diesmal die rot-weiß-rote Fahne.

Martin Ivansich
Martin Ivansich Erstellt am 08. Juli 2021 | 01:44

Eine Olympia-Teilnahme alleine ist für viele Sportler ein Kindheitstraum. Für Tanja Frank und Thomas Zajac gab es sogar mehr. Viel mehr. 2016 in Rio waren die beiden Segler mit Bronze die einzigen österreichischen Sportler, die eine Medaille vom Großereignis mit nach Hause nahmen. Bei den Spielen in Tokio sitzt das Erfolgs-Duo nicht mehr im selben Boot. Tanja Frank segelt mittlerweile in einer anderen Klasse, der 49er-FX, mit Lorena Abicht. Zajac ist der Katamaran-Klasse treu geblieben und teilt sich nun mit Barbara Matz aus Neusiedl/See gemeinsam ein Boot.

Einen gemeinsamen Auftrag für das Mega-Event in Tokio haben Frank und Zajac aber dennoch — und der bedeutet den beiden richtig viel. Die Olympia-Dritten von Rio wurden vom ÖOC (Österreichisches Olympisches Comité) zu Österreichs Fahnenträger in Japan bestimmt. „Für mich ist das Tragen der österreichischen Fahne bei der Eröffnungsfeier eine sehr große Ehre — und auch ein Traum, der sich damit erfüllt. Ich bin sehr dankbar, dass ich ausgewählt wurde. Ich freue mich, diesen gemeinsamen Moment mit Tom erleben zu dürfen“, meint Tanja Frank. „Die Pandemie und ihre Folgen machen die Olympischen Spiele in Tokio zweifelsohne sehr speziell. Das ändert aber nichts daran, dass ich es als Ehre und großes Privileg empfinde, gemeinsam mit Tanja mit der rot-weiß-roten Fahne einzumarschieren. Seine Heimat in dieser Form repräsentieren zu dürfen, ist in meinen Augen das Größte, das ein Sportler erreichen kann.“

Fokussiert vorbereitet geht es zu den Spielen

Hinter Barbara Matz, die in Japan ihre Olympia-Premiere feiert, und Thomas Zajac liegen richtig intensive Monate — ausgenommen einer kurzen Babypause (Thomas Zajac wurde im Mai erstmals Vater). Sizilien, Sardinien und wieder Sizilien waren die Trainingsstandorte der zweifachen Sieger der Kieler Woche. Bis zuletzt trainierte man vor Marina di Ragusa.

„Seine Heimat in dieser Form repräsentieren zu dürfen, ist in meinen Augen das Größte, das ein Sportler erreichen kann.“ Thomas Zajac, Österreichs Fahnenträger in Tokio

Zajac/Matz werden heute, Donnerstag, nach Tokio aufbrechen. „Bis dahin gilt es den Körper bereits gut auf Tokio umzustellen. Wir müssen einerseits Ruhe finden und uns bereits auf die neue Zeitzone sowie die Temperatur in Tokio einstellen. Neben der langsamen Änderung des Biorhythmus haben wir bereits mit der Hitzeadaption gestartet. In den letzten Tagen gab es noch einige Medientermine. All diese Dinge sind zu berücksichtigen und in unserem intensiven Trainingsplan integriert“, berichtet die Vorschoterin. Nach Ankunft im Olympia-Revier vor Enoshima soll gleich mit dem Bootsaufbau begonnen werden. Für 15. Juli ist der erste Segeltag geplant.

Für das 49er-FX-Duo Frank/Abicht geht die Reise nach Tokyo erst ein paar Tage später los — am kommenden Montag, den 12. Juli. „Wir haben unsere besten Regatten analysiert — allen voran die WM in Aarhus 2018 – und uns noch einmal ganz genau angesehen, wann wir angereist sind und wie viele Wasserstunden wir vor Regattabeginn hatten. Das haben wir auf die Olympia-Planung umgelegt. Für uns ist die Ankunft zwei Wochen vor dem Auftakt optimal“, erklärt Abicht.

Erfahrung von Rio ist mit im Tokio-Gepäck

Tanja Frank nimmt ihre Erfahrung vom Bronzemedaillen-Gewinn 2016 mit in den fernen Osten. „Die Erinnerungen an Rio sind noch sehr präsent, durch die pandemiebedingten Regeln werden diese Spiele aber ganz anders. Ich denke aber, dass die Gefühle bei der Anreise, im Bootspark oder erstmals am Wasser sehr ähnlich sein werden. Die Olympischen Spiele sind etwas ganz Besonderes, seglerisch gesehen ist es aber eine weitere Regatta. Daher werden wir während Olympia an unseren Abläufen nichts Großartiges ändern und einfach versuchen so gut wie möglich zu segeln“, stellt Frank im Vorfeld klar.