Patrick Konrad will hoch hinaus. Für den Wahl-Eisenstädter Radprofi Patrick Konrad ging es zuletzt steil bergauf. Sein nächstes Ziel ist die Tour de France.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 24. Juni 2021 (02:08)
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Motiviert. Der Neo-Eisenstädter Radprofi Patrick Konrad mit seinem Sportstadt Eisenstadt-Leiberl.
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Vor drei Jahren zog es den gebürtigen Ebreichsdorfer Patrick Konrad der Liebe wegen in die Landeshauptstadt. Etwa zeitgleich begann auch der steile sportliche Aufstieg des Radprofis mit dem Hang zu Bergetappen vom Team Bora. Am Wochenende fügte sich ein weiteres Steinchen in sein Erfolgs-Puzzle: der österreichische Staatsmeistertitel.
„Es war viel Poker dabei“, erklärt Konrad am Montag bei einem Pressegespräch mit Medienvertretern und dem Bürgermeister seiner neuen Heimatgemeinde, Thomas Steiner. Als Teil der Spitzengruppe setzte er sich relativ früh im Rennverlauf vom Hauptfeld ab.

Mit Staatsmeistertitel zur Tour de France

„Ich habe bemerkt, dass die anderen bereits angeschlagen waren und habe versucht aus der Gruppe auszubrechen. Zum Glück hat sich das Risiko bezahlt gemacht“, resümiert er nach seinem zweiten Staatsmeistertitel.

In der Vorwoche zeigte die Formkurve für Konrad bereits steil nach oben, bei der renommierten Critérium du Dauphiné landete er bei zwei Etappen als Dritter auf dem Stockerl. Das gibt natürlich Motivation für die kommenden Großevents – und die lassen nun definitiv nicht lange auf sich warten.

Hoffnung auf Bergtrikot oder Etappensieg

Schließlich hat Konrad auch für die nächsten Monate höchst ambitionierte Ziele. Neben Olympia in Tokio (23. Juli bis 8. August) steht für den 84. der UCI-Weltrangliste bereits ab dem Wochenende das berühmteste Radrennen der Welt, die Tour de France (26. Juni bis 18. Juli), auf dem Kalender – am Mittwoch reiste er nach Frankreich. Zahlreiche Kilometer hat er aber auch vorab in seiner neuen Homebase-Region abgespult. Eisenstadt und Umgebung ist für den Radprofi schließlich ein gutes Trainingsgelände: „Die Radwege um Eisenstadt sind wirklich sehr gut ausgebaut. Ich fahre gerne die Serpentinen im Leithagebirge oder durch die Puszta (Anm.: die pannonische Tiefebene an der Grenze zu Ungarn)“, so der gebürtige Niederösterreicher, der sich selbst „definitiv als Eisenstädter sieht.“

Für die Tour de France hat sich Konrad die Latte selbst nicht zu tief gelegt: Er liebäugle ein bisschen mit dem berühmten weißen Bergtrikot mit den roten Punkten, auch einen Etappensieg sei seiner Einschätzung nach durchaus drin. Das hänge aber natürlich auch von der Abstimmung mit seinen Teamkollegen ab, denn: „Radfahren ist definitiv ein Mannschafts- und kein Einzelsport“, erklärt der Fahrer vom Team Bora-Hansgrohe. Auch wenn nur einer in die Pedale treten kann, sei man alleine „aufgeschmissen. Wenn man in der Gruppe im Windschatten mit 250 Watt in die Pedale tritt, verrichtet die Spitze oft über 400 Watt Leistung“, schildert er. Mit seinen Teamkollegen stimme die Chemie, „wenn einer besser drauf ist als man selbst, übernimmt man selbstverständlich die Führungsarbeit und zieht den Schnelleren mit.“ Das gilt natürlich auch umgekehrt, ein paar Etappen hat Konrad schon als Chance auf einen Etappensieg im Visier. Nur stur seinen Plan durchzuziehen führe bei der Tour de France jedenfalls nicht zum Erfolg: „Man braucht immer Plan A bis C, vielleicht sogar D“, scherzt der 29-Jährige, bevor es in Frankreich ernst wird.