Burgenland statt Südtiroler Berge

Erstellt am 17. Januar 2022 | 02:43
Lesezeit: 4 Min
Christian Staffler (30), seit Sommer beim SC Neusiedl/See im Trainerteam, stammt aus Südtirol, wuchs im Ort von Skistar Dominik Paris auf und kam der Liebe wegen nach Österreich. Hier lebt er seine Leidenschaft weiter – den Fußball.
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So wirklich stand es wohl nicht am Plan von Christian Staffler, als er mit 20 Jahren die Trainerkarriere einschlug, einmal die Berge Südtirols gegen das flache Burgenland zu tauschen. Zehn Jahre später ist der heute 30-jährige freie Journalist im Burgenland sesshaft geworden. „Schuld“ daran ist eine Burgenländerin: Lebensgefährtin Julia, Pachinger, die aus Steinbrunn stammt. Mit ihr und Tochter Helena (2) ging die Reise von Südtirols zweitgrößter Stadt Meran, wo man einige Zeit verbachte, ins östlichste Bundesland Österreichs.

„Ab und zu vermisse ich die Berge schon.“ Christian Staffler

Aufgewachsen ist Staffler in St. Walburg im Ultental, auf 1.200 Meter. „Der Kontrast zum Burgenland ist schon groß“, lacht der B-Lizenz-Coach, der künftig für die Geschicke der 1b des SC Neusiedl/See verantwortlich sein wird: „Ab und zu vermisse ich die Berge schon.“ Übrigens: Der wohl bekannteste Einwohner St. Walburgs ist ein guter Bekannter von Staffler: Skistar Dominik Paris. Außerdem pflegt der Neo-Burgenländer ein wenig Kontakt zum Coach von Serie A-Klub Venezia, Paolo Zanetti.

Den kennt er aus Zanettis Zeit beim FC Südtirol, wo dieser von 2017 bis 2019 Trainer war. Das geplante Hospitieren in Venedig kam coronabedingt noch nicht zustande, soll aber definitiv nachgeholt werden. Jetzt gilt die Konzentration einmal dem neuen Daheim. Ab dem Frühjahr wohnt Staffler samt Familie in Eisenstadt, sein Privatleben stellt er daher gerade auf „burgenländisch“ um.

Seiner großen Leidenschaft, dem Fußball, bleibt er jedenfalls auch in der neuen Heimat treu. Im vergangenen Sommer holte Ostligist Neusiedl den Italiener in sein Team – zunächst als Videoanalyst und Individualtrainer. Nach einigen Umstellungen im Betreuerstab hat Staffler nun eben die Verantwortung als 1b-Cheftrainer, um das 2. Klasse-Team (aktuell Zweiter hinter Leader Hornstein, die Top-Zwei steigen auf) im Frühjahr zum Gang in die 1. Klasse Nord zu führen. Und das als 30-Jähriger mit bereits einem Jahrzehnt Trainer-Erfahrung. Seit 2011 ist Staffler Coach.

„Das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe: Mir taugt es, ich will gar nicht mehr spielen.“ Christian Staffler

Eine Sprunggelenks-Verletzung stoppte im jungen Alter die aktive Karriere – sein Heimatverein in Südtirol suchte gleichzeitig einen U19-Trainer. Staffler, der selber noch in der Mannschaft spielen hätte dürfen, sagte zu und wurde „Coach von vielen meiner Freunde“. Gleichzeitig war es der Startschuss der Trainerkarriere. „Das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe: Mir taugt es, ich will gar nicht mehr spielen.“ Der weitere Weg: zahlreiche Stationen als Jugend-Coach, bis dann das erste Angebot aus Liga fünf (FCD St. Pauls) kam: „Vergleichbar mit der Regionalliga in Österreich.“

Dort war er für die U19 zuständig, ehe die ersten Stationen als Cheftrainer bei AFC Girlan und FC Tirol (nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Bundesliga-Klub) folgten – zwei Jahre lang, dann kam schon der „Wechsel“ nach Österreich und das Engagement in Neusiedl. Für das kommende Frühjahr ist die Devise: „Der Aufstieg mit der 1b, dem wird alles untergeordnet„Das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe: Mir taugt es, ich will gar nicht mehr spielen.“

„Taktik und Strategie haben für mich einen hohen Stellenwert.“
Christian Staffler

Was wohl nicht ganz österreichisch ist und auch nicht zwingend werden wird, ist die fußballerische Denkweise. Da tickt er italienisch. „Taktik und System haben für mich einen hohen Stellenwert. Wenn nach drei oder vier Wochen nicht erkennbar ist, wie ein Trainer spielen will, dann macht man etwas falsch.“

Außerdem räumt der Juventus-Fan mit einem Klischee auf: „Der Fußball in der Serie A ist längst kein Defensivfußball mehr. Für mich wird in Italien und Spanien der Fußball gespielt, der mir am besten gefällt“, so der Südtiroler, dessen erster Schritt im burgenländischen Fußball nun der Aufstieg mit der Neusiedler 1b in die 1. Klasse Nord sein soll.

Endstation soll die 1. Klasse jedoch noch lange nicht sein. Staffler will nicht nur beim Heimaturlaub in den Bergen des Ultentals Höhenluft schnuppern – auch im Fußball soll es für den engagierten und ehrgeizigen Coach Schritt für Schritt nach oben gehen. Zeit hat er in seinem jungen Alter noch genug – und Trainer-Erfahrung wahrscheinlich mehr als manch 45-Jähriger …