Fußballakademie Burgenland: Viele Lichtblicke, wenig Schatten

Erstellt am 29. Juni 2022 | 05:54
Lesezeit: 6 Min
U15 und U18 landeten in der Endabrechnung jeweils auf dem vierten Gesamtrang – eine tolle Leistung. Die U16 hingegen blickt auf eine schwierige Saison zurück.
Werbung

Im Juni konnte U15-Trainer Christoph Morgenbesser schon wieder wie ein gut gelaunter Spitzbube grinsen. Mit einem tollen Finish – vier Siege in Serie – sicherte sich seine Mannschaft den ausgezeichneten vierten Platz. Auf der Abschussliste standen auch Rapid (4:2) und Austria Wien (3:1), jeweils auswärts. Admira Wacker, ebenfalls ein Bundesliga-Talente-Schuppen, wurde 2:0 in die Schranken gewiesen.

„Das war ein tolles Jahr mit den Jungs, es steckt jede Menge Potenzial in diesem Jahrgang.“ U15-Trainer Christoph Morgenbesser

„Im Herbst lagen wir auf Rang acht. Da waren wir einige Male mit dem Gegner auf Augenhöhe oder sogar besser, gingen aber zu oft als Verlierer vom Platz“, erinnert sich der Coach. Im Frühjahr kehrte Stabilität und Konstanz ein, die Youngsters präsentierten sich sehr konzentriert – sowohl in der Defensive als auch im Sturm, vor allem bei den Abschlüssen.

440_0008_4864578_mat41rup_akademie_logo2sp.jpg
Foto: BVZ

53 Mal klingelte es im Netz des Gegners, lediglich Meister Salzburg, Wolfsberg und Rapid trafen öfters als die Burgenländer. Die Rot-Gold-Burschen waren auch das einzige Team, das gegen Salzburg ungeschlagen (2:2 auswärts, 4:2 daheim) blieb. „Das war ein tolles Jahr mit den Jungs, es steckt jede Menge Potenzial in diesem Jahrgang“, so Morgenbesser. „Ich hoffe, die Kicker bleiben auch in der kommenden Saison so am Drücker.“

Ausgezeichnet hat die Mannschaft vor allem die Quantität an Qualität. Das Trainerteam konnte in jedem Spiel bedenkenlos auf Wechselspieler zurückgreifen, die dann beim Eintausch für frischen Wind oder sogar eine Wende sorgten.

Morgenbesser selber übernimmt in der neuen Saison den 2008er-Jahrgang, ist als U15-Trainer wieder einmal voll gefordert, um den Neuankömmlingen den Umstieg in den sportlichen AKA-Alltag rasch und reibungslos zu ermöglichen. Zurzeit sucht man in der AKA noch nach einem neuen U15-Assistenztrainer, da Manuel Weber zur SV Ried in die Bundesliga wechselte.

„Ich bin bei den Profis vor allem für den Bereich der Athletik verantwortlich“, erklärt Weber, der sich mit den Oberösterreichern bereits in der zweiten Trainingswoche befindet. „Ich wurde vor geraumer Zeit von Ried kontaktiert. In mehreren Gesprächen durfte ich meine Ideen präsentieren, die anscheinend sehr gut angekommen sind.“

Ein „Seuchenjahr“ für die U16-Mannschaft

Auf ein richtiges Seuchenjahr (die Ausfälle betreffend) blickt man in der U16 zurück. Es gab keine zwei Spiele in Serie, wo Trainer Ivo Smudla dieselbe Mannschaft aufbieten konnte. „So etwas habe ich in meiner bald vier Jahrzehnte dauernden Karriere als Betreuer noch nicht erlebt“, schüttelt der Coach den Kopf.

Sage und schreibe 38 verschiedene Spieler wurden im Laufe der 24 Meisterschaftsspiele eingesetzt. Die Gründe liegen nicht auf einer, sondern auf zwei Händen: Langzeitverletzte, angeschlagene Kicker, mittelschwere oder leichte Blessuren, Zerrungen, Kreuzbandrisse, Probleme durch Wachstumsschübe, Corona-Infektionen sowie „normale“ Krankheiten – die Jungmannen der Smudla-Truppe fassten eigentlich alles aus.

Gegen Ende der Saison war die personelle Situation schon so prekär, dass sieben Stammspieler ersetzt werden mussten. Aus den eigenen Reihen konnte das Loch nicht gefüllt werden, auch mit den bis zu maximal drei erlaubten U18-Leihgaben konnte man das Auslangen nicht finden. In den letzten beiden Partien liefen bereits Spieler aus der U15 ein. Im Herbst musste man eine sieben Runden dauernde Durststrecke überstehen, erst dann gab es Punktezuwachs.

Zehn Punkte in der Hinrunde, ebenso viele im Frühjahr – mehr als der vorvorletzte Platz war da nicht möglich. „Die Ausbildung steht immer noch im Vordergrund. Aber dazu gehören auch Siege, sonst verzweifeln die Burschen eines Tages“, so Smudla weiter.

Schmerzhaft waren vor allem die langen Ausfälle von Stammspielern wie Kapitän Johannes „Joschi“ Polster, Julian Stöger oder Sanel Sahilovic. Einige Kicker – wie beispielsweise Leon Woborny oder Andreas Jungbauer, die früher kaum in der Startformationen standen – nutzten die Chance, um sich ein Stammleiberl zu erkämpfen.

Die beste Performance lieferte die U16 in der Rückrunde beim LASK ab, dort gewann man aufgrund einer geschlossenen Leistung mehr als verdient 4:2. Smudla selbst wird wohl in der neuen Meisterschaft wieder als U16-Trainer am Platz stehen. „Mit Kollege Morgenbesser habe ich schon ein Training mit dem 2007er-Jahrgang absolviert“, erklärt der Coach. „Außerdem kenne ich vom Schultraining die meisten der Spieler.“

U18-Truppe mischte an der Spitze mit

Nach einem positiv turbulenten Herbstdurchgang landete die U18 auf dem sensationellen dritten Platz. Als zwischenzeitlich Zweiter forderte man zudem Tabellenführer Salzburg, verlor das Kräftemessen aber mit 1:4. „Wir ordneten das Ergebnis richtig ein und starteten danach wieder eine Serie mit drei Siegen in Folge“, erinnert sich Trainer Christoph Witamwas.

In der Winter-Transferzeit verlor man den Kapitän und Teamspieler Nicolas Wisak – dieser wechselte zum SKN St. Pölten in die zweithöchste Liga Österreichs. Dadurch entstand im offensiven Mittelfeld eine Neuordnung, die der eine oder andere Akteur auch nutzen konnte.

„Das Frühjahr kann man in einem Satz Revue passieren lassen: Zuhause hui – auswärts pfui“, so Witamwas zur Heimstärke und gleichzeitigen Auswärtsschwäche. In der Fremde konnte man im Frühjahr nur einen Sieg feiern, just in der letzten Runde bei den Altersgenossen der Veilchen aus Wien-Favoriten. Zuhause jedoch blieb man makellos und verlor kein Heimspiel, musste auch nur drei Gegentore hinnehmen.

„Man kann der Mannschaft zu einer sensationellen Saison gratulieren.“ Christoph witamwas Trainer AKA Burgenland U18

Die Höhepunkte waren für den Coach der 5:0-Heimsieg gegen den Dritten aus Vorarlberg und natürlich der 3:1 Auswärtssieg bei der Austria. „Schlussendlich kann man der gesamten Mannschaft nur gratulieren“, so Witamwas. „Abgesehen davon, dass man eine sensationelle Saison spielte, stellte man auch Nationalteamspieler (Niklas Lang – Doppeltorschütze gegen Wales, Noah Leopold) ab.

Außerdem konnte man den bisherigen U18-Punkterekord (30 Punkte aus der Saison 2018/19) mit unglaublichen 43 Punkten einstellen. „Die Jungs arbeiteten hart für den Erfolg und trugen mit Stolz das Trikot der AKA Burgenland“, so der Trainer. Einige Talente haben sich in die Notizbücher von Scouts aus dem Profifußball gespielt.

Niklas Lang wechselt zu Rapid, Noah Leopold zur Austria und Stefan Trimmel nahm das Angebot des SV Lafnitz an. Regionalliga-Klub Draßburg hat sich gleich die Dienste von drei AKA-Abgängern gesichert: Tobias Polz, Nedim Muratcehajic und Alexander Sinabel.

Im administrativen Bereich gab es eine große Änderung. Patrick Glavanics löste mit April Stefan Fuhrmann (erst im Sommer 2021 zum Sportchef bestellt) als Akademieleiter ab. Er war bislang als Individualtrainer, Leiter der Athletikabteilung, Internatsleiter und Schulkoordinator im AKA-Bereich tätig. „Das war schon eine große Herausforderung“, so Glavanics. „Es kam sehr überraschend und mitten im laufenden Spielbetrieb, wo dann auch schon die Planungen für 22/23 gemacht werden mussten.“

In dieser Woche gehen die Entwicklungsgespräche mit Spielern und deren Eltern über die Bühne, dann stehen sowohl die Kader als auch die Betreuer der neuen Saison fest.