Schritt für Schritt ins Ostliga-Licht. Wie ein Traditionsverein nach seiner Identität fahndete und diese nach und nach auch fand. Der Lohn ist der Regionalliga-Anspruch.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 19. April 2021 (02:23)
Gerne Regionalliga. Für Michi Pahr (l.) und Co. wäre die Ostliga der logische Schritt.
Bauer

Zehn Jahre ist es her, als der SC Pinkafeld in der 2. Liga Süd kickte und die Spielzeit 2010/11 auf Platz drei abschloss. Zwar 19 Punkte hinter dem damaligen Meister vom UFC Jennersdorf, aber zumindest wieder auf Tuchfühlung zu etwaigen Burgenlandliga-Aufstiegsplätzen. Die sportlichen Ansprüche stiegen und mehr und mehr wurden auch Meister-Ambitionen konkret. Weil die südlichste 2. Liga aber ungemein schwer zu bespielen ist, war es auch trotz Investitionen keine Selbstverständlichkeit, dorthin zurückzukehren, wo man sich - ob seiner Historie - immer sah.

2011/12 musste man dem kleinen Buchschachener Nachbarn den Vortritt lassen. Ein Fingerzeig, dass es nur mit starkem Kader nicht getan ist. Ein Jahr später sollte es dann aber doch soweit sein. Der damalige Trainer Sandor Homonnai legte die Saat, die der gebürtige Neuberger Andi Konrad dann meisterlich einfuhr. Just beim heutigen Liga-Konkurrenten Markt Allhau feierte man die Rückkehr nach zehn Jahren 2. Liga-Ehren.

Seitdem ist viel passiert, denn es scheint, als brauche der SCP diesen Rhythmus, um sich kontinuierlich zu festigen. 2003 stieg man aus der Landesliga ab, 2013 wieder auf und auch wenn 2023 noch etwas entfernt ist: Utopie ist es sicher keine mehr, dass der 1912 gegründete Klub bald Regionalliga-Luft schnuppert. Diesen Anspruch stellt man mittlerweile sehr lautstark. Dabei soll es sportlich und fair ablaufen und nicht am Grünen Tisch entschieden werden.

Angriffslust mit Bedacht. SCP-Obmann Mario Windhofer würde die Ostliga sicher nehmen.
BVZ

„Beim jetzigen Stand der Burgenlandliga-Tabelle ist das sehr schwer möglich“, stellt Sektionsleiter Alex Diridl klar und ergänzt: „Wir können auch mit einer Annullierung leben. Für uns wäre es natürlich extrem schade, da wir um die Meisterschaft kämpfen. Diese Chance hatten wir lange nicht.“ In dieselbe Kerbe schlägt auch Obmann Mario Windhofer: „Wenn es an die Diskussion um eine Regionalliga-Aufstockung geht, tragen wir uns mit Sicherheit an. Es muss dann aber eine sportliche Lösung geben.“

Kampfansage an die Konkurrenz

Wie man diese erreichen könnte, bleibt die große Frage. Die drei potenziellen Aufstiegs-Anwärter aus Deutschkreutz, Siegendorf und eben Pinkafeld haben eine ungleiche Anzahl absolvierter Hinrunden-Spiele. Deutschkreutz führt, könnte aber auch zurück auf Rang drei gereicht werden, sofern Pinkafeld das noch fehlende Spiel mit mehr als zwei Toren gewinnen und Siegendorf sich bei den Nachträgen auch wenige Umfaller mehr erlauben würde.

„Ich kann mir auch ein Play-off-Turnier mit den besten Teams der Liga beziehungsweise den Mannschaften, die aufsteigen wollen, vorstellen. Das kann dann auch gerne in Pinkafeld passieren, die Anlage ist in einem optimalen Zustand“, sagt Windhofer und schießt nach: „Siegendorf soll uns dann in Pinkafeld erst einmal schlagen.“

„Siegendorf soll uns in Pinkafeld erst einmal schlagen.“ Mario Windhofer, Obmann des SC Pinkafeld, über ein etwaiges Play-off-Turnier um den Regionalliga-Aufstieg mit den Top-Teams der Burgenlandliga

Eine Kampfansage, die aus Pinkafeld in den letzten Jahren eine Seltenheit blieb. Man weiß, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, sich mit den Besten des Landes zu messen, aber es hat sich vieles getan. Der gesamte Klub wird peu á peu professioneller, ist Sprungbrett nach oben, auch weil die SCP-Führung immer auch jungen, engagierten Trainern vertraute. Nach Andi Konrad folgte etwa Thomas Pratl, auf ihn dann Maximilian Senft. Dieser kam schnell in Profi-Kontakt und Trainer-Routinier Johannes Sauhammel bildete dann die Ausnahme der jungen Trainerriege. Der Ollersdorfer werkte ein Jahr, holte Platz acht und musste dann Florian Hotwagner weichen. Weil er vermeintlich besser ins Pinkafelder Anforderungsprofil passte. Rang sieben und der BFV-Cupsieg waren nach der Spielzeit 2018/19 der Dank und mit diesem das beste Liga-Abschneiden nach der Rückkehr nach oben.

Bis zuletzt, denn nach der vorjährigen Annullierung übernahm abermals Maximilian Senft, der es nach seinem ersten SCP-Engagement bis Barnsley, wo er als Assistent von Gerhard Struber arbeitete, schaffte. Er wollte aber wieder in die Heimat und der Ex-Klub schlug zu. Das sollte man trotz der Meriten, die sich Hotwagner erwarb, nicht bereuen. „Maximilian arbeitet extrem professionell. Das alleine reicht aber nicht mehr. Er paart enorme fachliche mit menschlicher Qualität“, lobt Freund und Sektionsleiter Diridl und schießt nach: „Wir haben im Herbst schon darauf spekuliert, dass wir vorne mitspielen und Ziel war auch ein Top-Fünf-Platz, aber in dieser Form haben wir es nicht erwartet.“

Senft bleibt, wenn kein Profi-Angebot kommt

Auch ein Verdienst des Chefs, der vom Vereins-Boss dafür geehrt wird: „Maximilian macht einen Top-Job. Der Trainer setzt genau das um, was wir als Philosophie deklarierten, macht unsere jungen Spieler besser und auch die Arrivierten spielen auf einem anderen Level. Er holt das Potenzial aus unserem Kader heraus.“

Die Leistungen wecken Begehrlichkeiten und bleiben auch nirgends verborgen. So ist Oberhaupt Windhofer froh, folgendes Zitat tätigen zu können: „Max hat auch im kommenden Jahr einen Vertrag bei uns. Natürlich muss man es sich bei einem etwaigen Bomben-Angebot aus dem Profibereich ansehen, aber aktuell bleibt er unser Coach.“ Auch weil er der wichtigste Mann des sportlichen Bereiches ist. Das sieht man in Pinkafeld seit Langem so. Die Kaderplanung ist wichtig, das passende Drumherum aber noch viel mehr. „Wir fahnden gerade noch nach passenden Kandidaten für einen Posten in unserem Trainerteam und einige Bewerbungen haben wir auch schon bekommen. Diese Stelle ist mit die wichtigste“, so Windhofer zur BVZ.

Reif für den Schritt, der kommen wird

Das alles zeigt, wohin der Weg in den kommenden Jahren führen soll. Langsam, aber sicher, ist der SC Pinkafeld auch reif für diesen Schritt. Der Kader ist nach dem der Siegendorfer wohl der breiteste der Liga, man hat verschiedene Ausrichtungen im Talon und auch der Unterbau lässt vieles zu. Zudem ist da ja auch noch die Spielgemeinschaft mit dem 2. Liga Süd-Verein aus Grafenschachen, die in Jahr eins und mit Corona noch nicht ganz den erwünschten Ertrag brachte. Auf diverse Risiken wolle man sich dennoch nicht einlassen.

„Wir haben einen Rahmen und in dem bewegen wir uns“, sagt Windhofer und meint damit die schon gestartete Kaderplanung für den Sommer 2021. Allzu viel soll da nicht passieren, war der Umbruch im vergangenen Jahr kein kleiner, dafür aber umso fruchtender. Die Mannschaft soll gehalten und zudem auch auf einzelnen Positionen verstärkt werden.

„Wir haben das Bestreben alle zu halten, außer es hat dann einer unrealistische Vorstellungen. Da gehen wir sicher nicht mit“, erklärt der Klubchef, um noch einen Wunsch Richtung Verband zu deklarieren. Weil man den letzten amtierenden BFV-Cupsieger stellt und der Cup 2021 nicht über die Bühne gehen wird, sieht man sich in Pinkafeld als Anwärter für ein etwaiges ÖFB-Cupticket. Das bekräftigten Diridl und auch Windhofer, die diesen Versuch zumindest starten werden. „Da werden wir unseren Anspruch deponieren und den BFV auch in die Pflicht nehmen“, so der Obmann, wobei diese Chancen garantiert weitaus geringer als ein Regionalliga-Ticket sind.