Roman Rasser will doch nur spielen. Liga-Top-Stürmer Roman Rasser kann sich halbjährlich aussuchen, wohin er wechseln wollen würde. Trotzdem bleibt der 25-Jährige dem GSV treu – aus gutem Grund.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 27. Januar 2021 (02:01)
Die stolze Familie. Papa Heinz, Schwester Katharina und Freundin Bianca Gröller sind bei jedem Spiel ihres Roman live dabei. Mama Beate eigentlich auch, wobei diese die weiten Auswärtsfahrten in den Norden nicht immer in Angriff nimmt. Einer der schönsten sportlichen Momente der Familie Rasser war dabei der 2. Liga-Meistertitel 2019.
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Alle halben Jahre und immer wenn sich das Transferfenster im Amateur-Bereich für knapp einen Monat öffnet, steht eine Frage im Raum: Bleibt Roman Rasser beim SV Güssing? Zumeist ist die Frage schnell geklärt, denn der mittlerweile 25-Jährige, aus Hackerberg stammende Angreifer, hat am GSV einen Narren gefressen, der ihn selbst richtig gute Angebote ausschlagen lässt. Egal ob aus Oberwart, Markt Allhau oder dem steirischen Nachbarland: „Rommel“ lässt selten einen Zweifel an seinem GSV-Verbleib aufkommen. Das hat Gründe.

Liebling der Fans. Roman Rasser ist beim SV Güssing der Mann für die besonderen Momente.
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Noch im Kindesalter lernte er in Ollersdorf sein Handwerk, ehe es ihn dann schulisch in die Bezirkshauptstadt trieb. Dort war er, ob seiner offenen, lustigen Art schnell integriert und wechselte so zum SV Güssing. Erst mit dem Schritt ins BORG nach Hartberg änderte sich auch sein Verein. In der Steiermark war er ebenfalls in der Jugend aktiv, ehe er dann bei Hartberg/Umgebung erste Kampfmannschafts-Erfahrungen sammelte. 2014 rief der GSV dann erstmal, und Rasser folgte.

„Ich bin auf den Input des neuen Trainers gespannt und freue mich, wenn es losgeht.“ Roman Rasser im Gespräch über die demnächst folgende Arbeit mit Güssings neuem Chefcoach Tihamer Lukacs

Nach einem Jahr ging es dann zum TSV Hartberg zurück, wo er sich gar im Kader der Kampfmannschaft beweisen durfte. Nicht immer behagt ihm aber dabei die Ernsthaftigkeit des Fußball-Tuns. Er will vor allem eines: kicken. Das kann und konnte er in Güssing schon immer am besten. Dort wird er gemocht, akzeptiert, aufgrund seines Charakters geliebt. „Roman ist für uns unglaublich wichtig“, sagt sein Sportlicher Leiter und ehemaliger Mitspieler Johannes Jandrisevits und ergänzt: „Nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch für das Drumherum. Er schafft es immer wieder, Situationen aufzulockern und bringt gute Stimmung rein.“

Man weiß, was man an ihm hat, denn er ist ein Ausnahmekönner. Alleine seine Laufwege, wenn er irgendwo im halbrechten Mittelfeld herumturnt, um dann mit explosivem Antritt anzuziehen und auf die Bälle aus der Tiefe – meist von Michael Kulovits – zu warten. Das macht er wie kein Zweiter im Landessüden. Oder auch im Burgenland.

Pflegeleicht ist er dabei nicht immer und auch nicht jeder Trainer duldet seine doch etwas andere Stellung beim GSV. Er nimmt sich Phasen raus, lässt ab und zu den Kopf hängen, stellt zur Schau, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. „Er braucht seine Freiheiten“, schmunzelt Jandrisevits. „Das funktioniert bei uns einfach, auch weil sein Standing innerhalb des Teams sehr gut ist.“

Die Mitspieler akzeptieren das, weil sie wissen, dass sie ihn brauchen. Er zahlt es sowieso mit Toren zurück. Egal gegen wen. So gesehen beim Testspiel anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums 2019 gegen den SK Rapid Wien, wo er nach einer Ecke am hinteren Sechzehner lauerte und per Schlenzer ins Kreuzeck traf. Rapid-Trainer Didi Kühbauer soll damals gesagt haben, dass nicht einmal Bayern-Goalie Manuel Neuer diesen Ball gehalten hätte – und man muss ihm zustimmen. „Ich freue mich über jedes Tor für den GSV, auch wenn ich mich daran gerne zurückerinnere“, sagt er, der gefragt nach seiner Treue für den Sportverein erklärt: „Ich fühle mich einfach wohl. Das Gefüge und das Drumherum passen.“

Nach nun fast fünf Jahren im GSV-Trikot ist es nicht unwahrscheinlich, dass er trotz der unzähligen Angebote langfristig in Güssing bleibt. Schon auch schade, weil die Grenzen nach oben kaum ausgelotet wurden und es sehr spannend zu sehen gewesen wäre, wohin es ihn wirklich führen hätte können. Unter die Fittiche von Ex-Stegersbach-Trainer Max Karner zum Beispiel. Mit diesem trafen sich Papa Heinz und der Junior einst zum Gespräch, wobei der Ältere sofort bereit gewesen wäre, für Karner die Packler zu schnüren, während es dem „Klanen“ bei all dem Gegenpressing fast zu viel wurde. Für ihn gilt eben: Er will ja nur spielen.