Junge Wilde und Routiniers. Die Landesliga A der Damen bietet einen Mix aus Erfahrung und großem Nachwuchstalent.

Von Malcolm Zottl, Daniel Fenz, Dietmar Heger und Peter Wagentristl. Erstellt am 17. Mai 2021 (01:34)

In der Damen Landesliga A sind die Nordburgenländerinnen auch heuer in der Überzahl: Nur Gerersdorf im Süden und Neutal im Mittelburgenland spielen in den beiden höchsten Spielklassen mit, die übrigen Teams verteilen sich auf die Bezirke Eisenstadt, Neusiedl und Mattersburg. Sowohl an der Spitze, als auch im Keller warten heuer spannende Duelle. Der Kampf um den Meistertitel führt dabei wohl über Neudörfl. Titelverteidiger UTC, so wie Habeler&Knotzer gelten als Favoriten, dahinter lauern Mönchhof und Rohrbach. Das neue Play-off-System könnte allerdings die eine oder andere Überraschung bringen.

Bad Sauerbrunn 1.

Die Damen aus dem Kurort werden heuer wahrscheinlich ohne ihre slowakische Nummer eins, Anna Simkova, antreten. „Wegen Corona ist das mit der Ein- und Ausreise nicht so einfach“, erklärt Mannschaftsführerin Sonja Brehovsky. Mit insgesamt drei Damen-Mannschaften muss sich der UTC personell nun nach der Decke strecken: „Aber das wird anderen nicht anders gehen“, relativiert Brehovsky, die den Klassenerhalt als Ziel ausgibt. Spannend zu sehen wird, wie das spielerische Niveau im Vergleich zu den Vorjahren ist: „Wir haben ja alle im Winter nicht spielen können.“ Ein neuer Reiz sei das Play-off-System, wenngleich sich hier Brehovsky eine bessere Information seitens des BTV gewünscht hätte.

Gerersdorf 1.

Mannschaftsführerin Silvia Mittl wäre das alte System lieber gewesen, „das war einfacher und überschaubarer, schon alleine wegen der Planung.“ Laut ihr weiß die Mannschaft nämlich nicht, wo man nach den Vorrunden steht, „spiele ich auswärts oder doch am Heimplatz. Die Kosten erhöhen sich dabei aber Gott sei Dank nicht“, so Mittl. Eine Veränderung gibt es innerhalb des Teams. Barbara Kuh-Knor gebar ein Kind und hörte auf, Sabine Chadha muss aufgrund einer Knie-Operation heuer ebenfalls aussetzen. Daher werden Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft aufrücken. „Wer das dann genau ist, wird noch nicht verraten“, schmunzelt Mittl. Eigenbauspielerin Emily Wolf soll jedenfalls die Geheimwaffe des Vereins sein.

„Wir sind schon neugierig, wie es ihr ergeht und ob sie mit den gegnerischen Spielerinnen mithalten kann.“ Auch, wenn es immer einer weiten Reise in den Landesnorden bedarf, so gibt es finanziell keine Schwierigkeiten. „Wir zahlen uns die Anfahrtskosten selbst, wir sind nicht so professionell aufgestellt und spielen Tennis, da wir Spaß daran haben.“ Die Meisterschaft generell bewertet die Mannschaftsführerin derweil schwierig, da sie noch nicht genau weiß, welche Anforderungen bezüglich Corona von der Bundesregierung auf sie zukommen.

Mönchhof 1.

Gemessen an der ITN-Wertung sind die Mönchhoferinnen wohl eines der heißesten Eisen im Titelkampf in der Landesliga B. Mit Emma Hubekova (ITN 4,0) aus der Slowakei und der Ungarin Eszter Serfözö (ITN 5,5) spielen dort in der Landesliga gleich zwei starke Legionärinnen. Mit der 25-jährigen Helena Nyikos (ITN 4,3) verfügt Mönchhof zudem über eine hochkarätige Eigenbau-Spielerin.

Neudörfl WienInvest Group 1.

Der Titelverteidiger ist erst einmal froh, dass die Meisterschaftssaison überhaupt beginnen kann. „Das war ja recht lange unklar“, regiert bei Mannschaftsführerin Sarah Voit die Vorfreude. Ob die Ergebnisse angesichts dessen fast nebensächlich sind? „Jein“, sagt Voit: „Natürlich wollen wir gewinnen.“ Die Neudörflerinnen zählen wieder zu den Titelaspirantinnen. Als unangefochtene Nummer eins sieht Voit ihr Team aber nicht: „Das Derby gegen Habeler&Knotzer wird wieder entscheidend, auch Rohrbach und Mönchhof schätze ich stark ein“, hat Voit die üblichen Verdächtigen auf der Rechnung und „es sind letztes Jahr ja viele Vereine aufgestiegen, die wir eigentlich gar nicht kennen“, will sie die vermeintlichen Außenseiter nicht unterschätzen. Der UTC vertraut zu großen Teilen auf das Erfolgsteam der Vorsaison. Mit Celine Höller und Katharina Sket stießen zwei junge Spielerinnen neu dazu.

Habeler-Knotzer Neudörfl 1.  

„Wir wünschen uns einfach, dass wir die Saison coronafrei spielen können und wieder etwas Normalität einkehrt“, drosselt Elisabeth Habeler die Erwartungen. Traditionell sind die Neudörflerinnen eines der Top-Teams der Liga. Ein Trumpf im Vergleich zu den anderen Mannschaften war in den vergangenen Jahren auch immer wieder die Routine. Den Kampf der Generationen möchte Habeler aber nicht heraufbeschwören: „Es hat einfach jeder ein gewisses Niveau, wir freuen uns, dass wir mit den Jungen noch mitspielen können. Wenn wir einmal nur noch verlieren und uns alles wehtut, müssen wir eh abtreten“, lacht Habeler, die sich heuer über junge Verstärkung freuen darf. Neu im Team sind nämlich die Wulkaprodersdorferin Kim Kühbauer sowie die Hochwolkersdorferin Anna Richtar.

„Wir freuen uns, wenn sie von uns Arrivierten dann auch ein bisschen was lernen können“, blickt Habeler voraus.

Neusiedl/See 1.

Frei von eingekauften Profis und Legionären versucht der UTTC Neusiedl heuer sein Glück. Die Truppe um Mannschaftsführerin Cornelia Stranz marschierte letztes Jahr ungeschlagen von der Landesliga B in die Landesliga A. Heuer gilt es sich daher in der höchsten Spielklasse des Landes zu beweisen. „Wir hoffen natürlich, dass wir den Klassenerhalt schaffen“, so die Devise der Mannschaftsführerin. Dabei setzen die Seestädterinnen auf geballte Neusiedler Power ohne Legionäre oder Auswärtige.

„Das ist unsere Philosophie, wir wollen es aus eigener Kraft schaffen“, so Stranz. Als ungeschlagene Aufsteiger aus der Landesliga B üben sich die Neusiedlerinnen in Bescheidenheit. „Da war natürlich auch Glück dabei, heuer könnte es schon ganz anders laufen.“

Neutal 1.

Auf die Ladies des ASK Neutal wartet eine schwierige Saison. „Wir haben mit Verletzungen und Schwangerschaften zu kämpfen“, erklärt Mannschaftsführerin Michaela Faymann. Dementsprechend niedrig ist die Erwartungshaltung. „In der Gruppenphase wird es einmal richtig schwer zu punkten. Wir müssen aufs Play-off schauen“, so Faymann, die aber auch mit einem Abstieg leben könnte. „Dann kommen wir in der nächsten Saison, in der wir wieder komplett sein werden zurück.“

Einen Klassenerhalt zu erkaufen, steht bei den Neutalerinnen nicht zur Diskussion. „Wir sind ein super Team, spielen gerne zusammen. Wenn es für die Landesliga A reicht, ist das super, wenn nicht, spielen wir in der B und geben dort unser Bestes.“ Ihr Bestes werden für Neutal heuer auch erstmals die Neuzugänge Julia Prandler und Laura Schremser geben. Die beiden Youngsters werden aufgrund der Personalsituation zu viel Spielzeit auf höchstem Niveau kommen.

Oggau 1.

„Wir sind anscheinend die Lift-Mannschaft“, scherzt TC Oggau-Obfrau Stefanie Stipschitz. „Einmal spielen wir in der Landesliga A, dann wieder in der Landesliga B. Für die eine sind wir zu stark, für die andere vielleicht zu schwach.“ Entsprechend bescheiden ist daher ihr Saisonziel: der Klassenerhalt. Personell hat sich beim TC Oggau in den letzten Jahren kaum etwas geändert, im Gegensatz zu anderen Teams setzt man in der Seegemeinde nicht auf junge Wilde, sondern auf gestandene Routiniers.

„Unsere jüngste Spielerin ist 26 Jahre alt — also auch kein Nachwuchstalent mehr“, so Stipschitz. Bei der Jugend schaue es im Verein eher mager aus, erklärt sie. Für die Entwicklung macht sie auch den Verband verantwortlich: „Es war ein Fehler den Pflichtjugendlichen (früher musste mindestens ein Spieler der Landesliga-Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs kommen; Anmerkung) abzuschaffen. So sind die Jungen bei uns immer gut integriert worden, seither schaut es aber schlecht aus.“ Man könne zwar freiwillig auf junge Talente setzen, sei damit aber eher im Nachteil.

Rohrbach 1.

„Vorne mitspielen“, das will Mannschaftsführerin Maria Artner mit ihren Rohrbacherinnen. In der Favoritenrolle sieht sie abermals die beiden Mannschaften aus Neudörfl: „Aber Platz drei oder vier wäre schon schön, mit dem Abstieg wollen wir jedenfalls nichts zu tun haben.“ Der Kader bleibt im Vergleich zur Vorsaison quasi unverändert. Einziger Neuzugang ist die 13-jährige Ungarin Jazmin Ganbat. „Aber das ist keine bezahlte Legionärin, sondern ein Mädchen, das in Ungarn keinen Verein zum Spielen hatte, deshalb jetzt bei uns ist“, verrät Artner.