Markus Pingitzer: „Das ist keine gute Entwicklung“. Wenig Interesse am Wintercup, immer weniger Hallen: Um Tennis im Winter ist es schlecht bestellt – sehr zum Leidwesen des BTV.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 28. Dezember 2020 (01:23)

„So werden wir den Anschluss verlieren“, blickt Markus Pingitzer, Generalsekretär des Burgenländischen Tennisverbands (BTV), mit Sorgenfalten in die Zukunft. „Das ist keine gute Entwicklung.“ Nicht ohne Grund spricht der Funktionär besorgt das Tennis-Geschehen in der kalten Jahreszeit an. Das Interesse an Winter-Meisterschaften schrumpft kontinuierlich, adäquate Hallen-Plätze sind Mangelware. Mit einem Beispiel aus seinem Heimatbezirk Neusiedl veranschaulicht er die Lage: „Wir haben im Bezirk 64 Outdoor-Tennisplätze, Hallenplätze gibt es nur zehn. Davon werden fünf (Anm.: Neusiedl/See) demnächst abgerissen, die Hallen in Podersdorf und Pamhagen sind für Kader-Trainings und Meisterschaften nicht geeignet.“

Dabei handelt es sich keineswegs um ein Einzelphänomen, von Neusiedl bis Jennersdorf fristet der Tennis-Sport im Winter ein Schattendasein. Für die knapp 8.000 Vereinsmitglieder stehen künftig nur 14 Hallen zur Verfügung, einige davon nur eingeschränkt oder sanierungsbedürftig. Andere, wie eben jene in Neusiedl, haben bereits ihr ungefähres Ablaufdatum erhalten. Wann genau es zu Ende ist, steht aber noch nicht fest. Der Besitzer der Halle in Neusiedl verstarb vor drei Jahren, die Kinder wollten sie nicht weiterführen, erinnert sich Pingitzer. Nun steht der Abriss bevor, die Vereinsmitglieder und der BTV Nord-Kader sind damit im Winter künftig obdachlos. „Es braucht rasch ein Konzept, wie es weitergehen soll, damit wir nächsten Winter spielen können. 2022 wäre es bereits zu spät“, drängt Pingitzer auf eine Lösung. International sei man jedenfalls nicht wettbewerbsfähig, wenn man den Sport in den kollektiven Winterschlaf schickt.

„Reine“ Tennishallen kämpfen um Frequenz

Die Hallen im Land teilen sich in zwei Kategorien: eigenständige Hallen und jene, die an Hotels angeschlossen sind. Beide Organisationsformen bringen Vor- und Nachteile.

„Reine Tennishallen“, ohne Gastronomie, Hotel und andere Sportarten, sieht Pingitzer dabei eher als Auslaufmodell. Da die Hallen fast ausschließlich in den Wintermonaten genutzt werden, stehen sie den Großteil des Jahres leer. Kosten fallen aber ganzjährig an, der Betrieb muss also in wenigen Monaten das ganze Jahr finanzieren. Kaum möglich, wie man neben Neusiedl auch am Beispiel Pinkafeld sieht: Im Süden schloss die Halle vor fünf Jahren, Gemeinde und Eigentümer fanden keine gemeinsame Lösung. Ähnliches wiederholte sich nun in Neusiedl, wo die OSG das Areal samt Tennishalle kaufte, um dort Reihenhäuser zu bauen.

In Oslip wird regelmäßig über einen Verkauf durch die Weigelsdorfer Eigentümer spekuliert. Die übrigen privaten Hallen sind meist sanierungsbedürftig — „aber wir sind schon froh, ein Dach über dem Kopf zu haben“, bleibt der BTV-Generalsekretär und TC Nickelsdorf-Obmann bescheiden.

Die Hotel-Tennishallen sind dagegen eher wenig an Kader-und Vereins-Trainings interessiert, da man Kapazitäten für Hotelgäste freihalten möchte. Für Hobby-Spieler seien diese Plätze zwar eine gute Lösung für den Winter, aber nicht für den Liga-Betrieb, so Pingitzer.

Positiv-Beispiele weisen den Weg

Lobend erwähnt er Initiativen privater Hallenbetreiber wie von BTV-Präsident Günter Kurz in Oberpullendorf oder Heinz Mock. Letzterer, Obmann des ASKÖ TC Eisenstadt, plant bei der neuen Halle sogar zukünftig im Winter zwei Sandplätze zu reaktivieren. Allerdings nicht wie früher mit einer Traglufthalle, sondern modular: ohne Wände, aber mit Dach. Aufwand und Energiekosten sprechen einfach gegen eine Traglufthalle, so Mock. „Ein gutes Beispiel, wie es funktionieren kann“, sind für Pingitzer auch Kombi-Angebote wie in Breitenbrunn bei der Tennishalle Proyer sinnvoll, wo das angeschlossene Restaurant als Frequenzbringer dient.

Güssing übernimmt, Neusiedl wartet ab

Die Güssinger Tennishalle, die der WSF-Gruppe gehört, wird laut Martin Szerencsits von der Güssinger Sport- und Freizeitanlagen GmbH ab dem Jahreswechsel von der Gemeinde selbst übernommen und betrieben. Es wäre die erste Halle im Burgenland, die von öffentlicher Seite betrieben wird.

Eine Option, die man in Neusiedl abgelehnt hat. Pingitzer appelliert bereits länger für eine gemeinsame Lösung für das geschlossene Hallenbad und die Tennishalle. Die Gemeinde habe aber wenig Interesse gezeigt. Billig wäre eine solche Lösung jedenfalls nicht.

Burgenlands Nummer eins eher unzufrieden

Der beste Tennisspieler im Lande, der Osliper David Pichler, spielt regelmäßig in der Halle seiner Heimatgemeinde. Ganz zufrieden ist er mit der Infrastruktur im Lande jedoch nicht. Auf internationalen Turnieren werde nie auf Teppich mit Granulat gespielt, „Hartplatz wäre natürlich viel besser. Da gibt es im Burgenland nur einen in Steinbrunn. Senioren und Hobbyspieler meinen oft, dass ein Hartplatz schlecht für die Gelenke ist. Ich finde dagegen Teppich mit Granulat extrem rutschig“, so der 24-Jährige, der bei den M15-Events fast nur auf Hartplatz und Sand spielt. Auch Hallen-Sandplätze gibt es aktuell keine, zumindest bis die Erweiterungspläne der Eisenstädter Realität werden. „Deshalb muss man zum Trainieren nach Wien fahren“, klagt Pichler.