4:1! Eine glatte Sache für Mattersburgs Klassenerhalt. Mit einem letztlich völlig ungefährdeten 4:1-Triumph über die WSG Tirol sicherte sich der SV Mattersburg in der vorletzten Runde der Saison vorzeitig den Ligaerhalt. Einziger Wermutstropfen ist ein Schlüsselbeinbruch von Andi Kuen nach einem Rot-Foul von Ione Cabrera.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 01. Juli 2020 (06:58)

Von Beginn weg lief die Partie wie auf einer schiefen Ebene, weil die Gastgeber rasch die Richtung dafür definiert hatten. Bereits in der 4. Minute brachte Patrick Bürger den SV Mattersburg per Foulelfer in die linke untere Ecke in Führung.

Er rutschte übrigens in die Startformation, weil Andi Gruber seine zweite (!) Gelbsperre in der lediglich zehn Spieltage dauernden Qualifikationsgruppe absitzen musste. Verteidiger Thorsten Mahrer nutzte den freien Raum und zog bei einem Angriff in den Strafraum, wo er (statt abzuschließen, der Platz dafür war vorhanden) noch auf Alois Höller ablegte, der wiederum von Gegenspieler  Kevin Nitzlnader zu Boden gebracht wurde. Referee Manuel Schüttengruber entschied auf Strafstoß, es sollte nicht der letzte Elfer der Partie bleiben.

Hart mit seinem ersten SVM-Tor zur Vorentscheidung

Die Führung trug allerdings nicht zwingend sofort zur völligen SVM-Kontrolle bei, weil sich die Wattener in der Folge durchaus bemühten, ohne allerdings die totale Gefahr auszuspielen. Und nach einer knappen halben Stunde folgte der nächste Keulenschlag durch den SVM, der sich in der 27. Minute über Patrick Salomon und Thorsten Mahrer (er war an diesem Tag mit drei Vorbereitungen der Assistkönig) locker durchkombinieren konnte, ehe Florian Hart aus spitzem Winkel ganz genau via Innenstange in die obere Ecke zum 2:0 traf. Es war der erste Treffer des Mittelfeldspielers für den SV Mattersburg. Davor traf er im April 2017 noch im Dress seines Ex-Klubs Ried.

Schlimmste Szene des Spiels in Minute 32

Es sollte die Vorentscheidung sein, vor allem weil die Gäste nach einer guten halben Stunde aufgrund einer Roten Karte gegen Ione Cabrera nur noch zu zehnt waren. Auf diesen Ausschluss hätten aber alle Beteiligten gerne verzichtet, musste Andreas Kuen die Aktion doch teuer bezahlen. Der durchbrechende Offensivmann wurde von Cabrera mit dem hohen Bein so brutal gestoppt, dass er mit einem Schlüsselbeinbruch vom Platz getragen werden musste.

Es war eine von zwei ganz schlimmen WSG-Foulszenen dieser Partie. Lediglich sechs Minuten später traf Bruno Soares bei einem Tackling das Standbein von Patrick Bürger gerade nicht so genau, dass ein weiterer Knochenbruch auf der SVM-Liste verbucht werden musste. Übrigens: Bürger wiederum ließ sich gleich in der Anfangsphase nicht lumpen, als er Fabian Koch nach wenigen Minuten höchst unsanft von den Beinen holte. Vergleichbar sind die Fouls aber nicht miteinander.

Endgültige Klarheit gleich nach Wiederbeginn

Dass der Abstiegskampf nicht noch mehr Opfer forderte, lag wohl auch daran, dass die Partie unmittelbar nach der Pause bereits endgültig entschieden war und dadurch merklich an Pfeffer bei den Zweikämpfen verlor - zum Glück. 49. Minute: Eckball des eingewechselten Christoph Halper auf Kapitän Jano, der den Ball per Kopf verlängerte und Goalie Ferdinand Oswald zum 3:0 bezwingen konnte.

Nach einer guten Stunde verwertete Alois Höller einen Mahrer-Stangler zum 4:0, ehe die WSG Tirol aus einem (durchaus fragwürdigen) Foulelfer durch Zlatko Dedic schließlich noch zum Ehrentreffer kam. Auf Seiten des SVM gab es in der Folge nach einem Handspiel ebenfalls noch einen weiteren (und diesmal aber gleichermaßen fragwürdigen) Strafstoß. Martin Pusic verwertete im ersten Versuch souverän.

Weil aber Luca Pichler (er wurde eingetauscht und feierte dabei sein Bundesliga-Debüt) zu rasch in den Strafraum gerannt war, ließ Schüttengruber den Elfmeter wiederholen. Diesmal traf Pusic nur die Latte. Der Stürmer wird es verkraften, änderte sich doch nichts mehr am Ergebnis, wodurch der SVM nun den Ligaerhalt fix in der Tasche hat.

Am Samstag reisen die Burgenländer noch nach Wien-Favoriten, um bei der Wiener Austria die Qualifikationsgruppe zu beenden. Mit dem Klassenerhalt im Gepäck ist das ein feiner Abschluss der Saison, ist das Ziel doch erreicht worden.

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Statistik

MATTERSBURG – WSG TIROL 4:1 (2:0).- Torfolge: 1:0 (4.) Bürger (Foulelfer), 2:0 (27.) Hart, 3:0 (49.)
Jano, 4:0 (62.) Höller, 4:1 (67.) Dedic (Foulelfer). 

Rot: Cabrera (32., Foul).

Gelb: Soares (38., Foul).

SR: Schüttengruber.- Pappelstadion.

Mattersburg: Kuster; Mahrer, Jano, Nemeth; Salomon, Erhardt, Hart (46. Halper), Rath (86. Majnovics); Höller (86. Olatunji), Kuen (35. Pusic), Bürger (65. Luca Pichler).

WSG Tirol: Oswald; Cabrera, Hager, Soares; Koch (29. Santin), Svoboda, Petsos, Nitzlnader; Yeboah (52. Walch), Maierhofer (70. Neurauter), Dedic (70. Gölles).

Stimmen zum Spiel

SVM-Präsident Martin Pucher: "Ein absolut verdienter Sieg und eine tolle Leistung mit Andreas Kuen als großen Pechvogel nach einem grässlichen Foul. Wir vom SVM wünschen ihm alles Gute - und dass er hoffentlich bis zum Start in die neue Saison wieder einsatzfähig sein wird.  Gratulation an die gesamte Mannschaft und an das Trainerteam rund um Franz Ponweiser, der nach der enttäuschenden Niederlage gegen die Admira am vergangenen Samstag diesen heutigen zweiten Matchball souverän verwertet hat."

SVM-Trainer Franz Ponweiser: "Ich bin unglaublich stolz auf den Charakter der Truppe - und wie wir in den letzten Wochen zusammengearbeitet haben. Für Andi Kuen tut es mir sehr leid, aber man hat gesehen, dass die Mannschaft danach für ihn gefightet hat. Auch wenn es bitter für Andi und für uns war, hat der Gegner das Foul nicht absichtlich gemacht."

WSG Tirol-Trainer Thomas Silberberger zum Rotfoul von Ione Cabrera: „Das schaut brutal aus, das ist nicht unser Stil. Genesungswünsche an Andi Kuen. Ich muss mich entschuldigen, aber auch Ione in Schutz nehmen. Er ist gestern nachgereist, seine Frau hatte eine sehr schwere Operation. Er war nicht bei der Sache, wollte aber unbedingt spielen. Ich hätte ihn nicht aufstellen dürfen. Das Spiel an sich war nach fünf Minuten vorentschieden, das 2:0 war dann die Entscheidung. Heute war Mattersburg klar besser, man muss gratulieren." 

Alois Höller: "Das war eine Bombenleistung. Wir haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Das Ergebnis spricht ohnehin für sich."

Thorsten Mahrer: "Es ist einfach super, dass uns alles aufgegangen ist. Ich für meinen Teil nutze den Raum gerne, wenn ich ihn bekomme - wie beim ersten Tor. Wir sind mit viel Energie ins Spiel gestartet, haben gut kombiniert, weitergedrückt, dann aus meiner Sicht ein ganz arges Foul kassiert, aber die Partie staubtrocken heimgespielt."

Kapitän Jano: „Ich freue mich extrem. Wir haben ein schnelles 1:0 gemacht, danach war es einfacher, als wir gedacht haben.“