David Nemeth: Von „Schurldorf“ in die große Fußballwelt. David Nemeth (19) ist am besten Weg zu einer großen Karriere. Zumindest der Start verlief rund — im Nachwuchs war das nicht immer so.

Von Martin Ivansich. Erstellt am 13. Dezember 2020 (04:04)
Blick in die Zukunft von der Startlinie: In St. Georgen begann die Fußball-Reise für David Nemeth, führte ihn bislang über Mattersburg und Mainz aktuell nach Graz. Sein letztes Spiel der Karriere will der 19-Jährige übrigens wieder für St. Georgen bestreiten. Bis dahin hat er aber noch jede Menge vor.
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Alle Fußballakademie-Burgenland-Mannschaften von der U15 bis zur U18 durchlaufen, Probetraining beim AC Milan mit 17 Jahren, Stammspieler in diversen Nachwuchs-Nationalteams, Bundesliga-Debüt mit 18 beim SV Mattersburg , Profivertrag in der Deutschen Bundesliga beim FSV Mainz 05 mit 19 — die Karriere des St. Georgeners David Nemeth ist bislang richtig aufregend verlaufen, und das alles noch vor seinem 20. Geburtstag, den der Abwehrrecke im kommenden März begeht.

Aktuell ist der 1.91 Meter große Defensivmann von Mainz bis zum Saisonende an Sturm Graz verliehen. Nemeth, der in Deutschland im Herbst zwei Spiele in der Regionalliga für das zweite Team der Mainzer bestritt, erklärt den Schritt nach Graz: „Es war von Anfang an geplant, dass ich verliehen werde. Da gab es mehrere Optionen.

Dass es jetzt Sturm Graz geworden ist, freut mich besonders, weil es auch der Verein ist, der mich in Österreich am meisten begeistert.“ Seit Anfang Oktober ist der Burgenländer nun in der steirischen Hauptstadt, hat sich bestens eingelebt, sowohl in der Stadt als auch am Spielfeld, ortet aber dennoch einen ganz großen Unterschied im Vergleich zu seiner Mattersburg-Zeit: „Das sind auf jeden Fall die Fans, auch wenn wir jetzt vor leeren Rängen spielen.

Im Vorwärtsgang. David Nemeth befindet sich seit Monaten auf der richtigen Spur, der 19-Jährige hat sich zum Bundesliga-Stammspieler etabliert und hat noch richtig viel vor.
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Früher standen unter einem Foto von mir fünf Kommentare, jetzt sind es wahrscheinlich 150 oder so. Klar ist auch der Anspruch hier deutlich höher als beim SVM. Die Ziele sind ganz andere. Das Einleben in Graz ging aber einfach. Die Mannschaft hat mich super aufgenommen, ich habe auch schon mehrere Spieler aus den Nachwuchs-Nationalteams gekannt und auch Andi Kuen aus der gemeinsamen Mattersburg-Zeit.“

Der SVM ebnete dem Innenverteidiger auch in gewisser Weise den Weg über Mainz nach Graz: „Eigentlich stand auf meinem Karriere-Plan noch ein Jahr im Burgenland drauf.“ Das Ende des einstigen rot-goldenen Fußball-Aushängeschilds bedeutete für Nemeth gleichzeitig den nächsten Schritt in seiner noch jungen, aber schon so ereignisreichen Karriere. Und in dieser kam am vergangenen Wochenende der nächste Höhepunkt dazu: das erste Bundesliga-Tor. Der „Schurldorfer“ traf nach 40 Minuten zum 1:0 für Sturm, am Ende gab es einen 4:0-Sieg seiner Grazer, gleichzeitig der höchste Sieg bei der Austria in der Bundesliga-Geschichte. Trotzdem meinte Nemeth nach dem Spiel selbstkritisch: „Ich habe schon bessere Partien gespielt.“ In der Anfangsphase verlor der Youngster einen Zweikampf, der zu einer Austria-Torchance führte. Nemeth reagierte mit seiner großen Stärke: Ruhe.

Er ließ sich nicht aus dem Konzept bringen, staubte nach einem Standard zur Führung ab und war danach souverän — so wie über den Großteil seiner bisherigen fünf Einsätze für den Tabellenvierten der Bundesliga. Deshalb ist er aktuell nicht aus der Viererkette in Graz wegzudenken. Weil in Mattersburg meistens mit einer Dreierkette in der Abwehr gespielt wurde, musste sich der Abwehrrecke umstellen, was aber nicht schwerfiel: „Das ging problemlos, weil auch in den Nachwuchs-Nationalteams mit einer Viererkette gespielt wird.

Da hat mich unser Trainer jetzt auch richtig gut darauf eingestellt“, so Nemeth, der für seinen Coach Christian Ilzer viel Lob austeilt: „Man merkt einfach, dass er schon eine Zeit lang im Fußball-Geschäft ist. Er hat eine klare Spielidee, gibt uns genau vor, was in gewissen Situationen zu tun ist. Das hat alles einen Plan und der ist aktuell richtig gut.“ Die Bilanz bestätigt das: Sturm holte aus den letzten acht Pflichtspielen sieben Siege. „Da hat der Trainer logischerweise immensen Anteil“, meint Nemeth, der speziell das Duell in Salzburg herausnimmt: „Viele fahren nach Salzburg und stellen sich hinten rein. Uns hat der Trainer vor dem Spiel immer wieder deutlich gemacht, dass wir dorthin fahren, um zu gewinnen.

Die Devise war ‚mutig sein‘, auch wenn Fehler passieren.“ Der Mut wurde belohnt, Sturm gewann sensationell mit 3:1, Nemeth glänzte mit einem 60-Meter-Pass, der das vorentscheidende 3:0 einleitete. Seine Leistungen blieben auch von U21-Teamchef Werner Gregoritsch nicht unbeobachtet. Beim entscheidenden Gruppenspiel gegen die Altersgenossen aus der Türkei wurde Nemeth in den rot-weiß-roten Kader nachnominiert, musste aber vorzeitig wieder abreisen, weil zu diesem Zeitpunkt bei Sturm Graz ein Corona-Fall auftrat.

„Natürlich schade, aber es wird hoffentlich nicht die letzte Einberufung gewesen sein“, sagt Nemeth, der für Österreichs U18- und U19-Mannschaft insgesamt schon 15 Einsätze hinter sich hat. Fast genau so viele Trainer hatte der robuste Verteidiger bereits, der in seiner Heimat St. Georgen in der U7 mit dem Kicken begann – beim UFC, dort wo sein Vater Erwin Obmann ist. „Da war die komplette Palette an Charakteren von Trainern dabei“, schmunzelt der Youngster, der aber einen besonders herausnimmt und auch als seinen größten Förderer bezeichnet: „Das ist sicher Franz Ponweiser.“ Ohne den Nemeth wohl nicht dort stehen würde, wo er jetzt steht. „Als ich in der U12 spielte, hätte wohl keiner gedacht, dass ich irgendwann einmal in der Bundesliga kicken werde“, erinnert sich Nemeth zurück.

Ponweiser: „Er wollte ständig besser werden“

Damals gab es in St. Georgen zwei U12-Mannschaften, Nemeth kickte im B-Team, war auch nur im B-Pool der Schülerliga-Mannschaft und als dann auch beim ersten Versuch die Aufnahme-Prüfung für das LAZ (Landesverbandsausbildungszentrum) nicht gelang, schien der Traum vom Profifußballer schon früh geplatzt zu sein.

Genau hier kommt Franz Ponweiser ins Spiel. Sein damaliger Klassenvorstand in der Fußballklasse des Theresianums in Eisenstadt und späterer SVM-Cheftrainer griff zum Hörer und versuchte den damals 12-Jährigen umzustimmen — mit Erfolg. „Man hat damals schon gemerkt, dass er das gewisse Etwas hatte. Nach dem LAZ-Rückschlag hat er dann zum Glück nicht aufgegeben, hatte die richtigen Leute um sich und als es darum ging in die Fußball-HAK nach Mattersburg zu kommen, da hat der David unendlich Gas gegeben.

Der wollte das unbedingt. Als er in die Akademie kam, war er natürlich noch kein fertiger Spieler. Aber er wollte ständig besser werden und ist auch ständig besser geworden. Ich traue ihm viel zu, auch die Deutsche Bundesliga und jetzt einmal den Sprung in das U21-Team, auch wenn die Konkurrenz groß ist. In der Bundesliga gibt es aktuell kaum 2001er-Jahrgänge, die so performen wie er“, schwärmt Ponweiser, der über seinen ehemaligen Schützling auch sagt: „Er ist ein super Typ und immer bodenständig geblieben.“

„Ich glaube, dass genau diese Phase als Nachwuchsspieler für mich nicht unwichtig war und mich bodenständig bleiben ließ."David Nemeth

Und Nemeth weiß gleichzeitig die Anfänge zu schätzen: „Ich glaube, dass genau diese Phase als Nachwuchsspieler für mich nicht unwichtig war und mich bodenständig bleiben ließ. Wenn man die Seite kennenlernt, vor allem schon früh, wo man nicht erste Wahl ist, dann kann man die aktuelle Situation nun viel mehr schätzen. Jetzt liegt der volle Fokus auf der Herausforderung Sturm, im Sommer muss man dann schauen, was Mainz vor hat. Fakt ist aber, dass es mein Ziel ist auch im Ausland Fuß zu fassen“, meint Nemeth optimistisch, weiß aber mittlerweile aus eigener Erfahrungen, dass man nie zu hundert Prozent seine Karriere planen kann. Ein Fixpunkt soll aber der Ausklang der Laufbahn sein: „Das letzte Spiel wird, wenn alles nach Wunsch läuft, im Dress des UFC St. Georgen stattfinden.“