Klaus Schmidt nach Abschied: „Wollte mehr Dynamik“. Klaus Schmidt spricht über seinen Abgang, die neue Trainer-Konstellation beim SVM und seine Pläne. „Warte nicht darauf, dass irgendwer wo rausgeschmissen wird.“

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 19. Juni 2019 (03:11)
Martin Ivansich
Ex-Trainer. Klaus Schmidt bat beim SVM um Vertragsauflösung und wird seine berufliche Zukunft woanders gestalten.

Unmittelbar nach dem Ende der abgelaufenen Saison begab sich Trainer Klaus Schmidt, nunmehriger Ex-Chefcoach des SV Mattersburg (siehe Seite 82/83), auf Tauchstation. Offensichtlich brauchte der 51-Jährige Zeit. Zeit, um zu überlegen und eine Entscheidung zu treffen. Die kam dann – vor allem nach außen hin – überraschend.

Der Aflenzer bat Präsident Martin Pucher um die Auflösung seines Vertrags. Dieser Kontrakt wurde, wie Pucher bestätigte, erst am 28. März um zwei Jahre verlängert. Am Sonntag stellte der Klubchef im Gespräch mit der BVZ dann fest: „Seit 31. Mai will er weg und hat das uns gegenüber auch so kommuniziert. Dann habe ich halt Ja gesagt.“ Am Ende trennten sich beide Vertragspartner einvernehmlich, wobei auch Pucher festgehalten wissen wollte: „Ich bin immer schon für Kontinuität gestanden. Wenn einer nicht mehr will, dann will ich auch nicht mehr. Das ist mein Grundsatz, den hatte ich immer schon.“

„Als ich gehört habe, dass die beiden es machen werden, hat mein Herz gelacht.“Klaus Schmidt zur Bestellung von Franz Ponweiser und Markus Schmidt als seine Nachfolger auf der Betreuerbank

Doch warum wollte Klaus Schmidt nicht mehr? War es das Vakuum nach dem veröffentlichten Abgang von Robert Almer als Sportlicher Leiter und die Ungewissheit, wer Nachfolger sein könnte? War es die Kaderplanung? Schmidt sagt: „In den letzten Wochen hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass wir in Bezug auf die neue Saison andere Gedanken haben. Das hat Konsequenzen geben müssen. Mein Ansatz war, die Mannschaft etwas zu verändern und von der Konstellation her in eine dynamischere Richtung zu lenken. Das war die Idee, aber die war in der Form nicht möglich.“

Dass es bei der Zusammenstellung der Profis derart große Gräben gegeben habe, wollte Martin Pucher nicht bestätigen. „Wir sind den Kader gemeinsam durchgegangen. Bei zwei, drei Spielern waren wir anderer Ansichten, mehr aber nicht.“ Fakt ist jedenfalls, dass sich Schmidt um ein Ende der Zusammenarbeit bemühte und der SVM diesem Wunsch letztlich nachkam. „Ich habe lange überlegt und das Gefühl, das Richtige getan zu haben. Auch wenn ich gut dotierte zwei Jahre nun mit Füßen getreten habe und noch nicht sicher bin, welche Konsequenzen dieser Schritt für mich haben wird.“

Schließlich ist er jetzt nicht, wie kurzfristig kolportiert wurde, neuer St. Pölten-Coach. Namensvetter Alexander Schmidt aus Deutschland werkt dort mittlerweile als Nachfolger von Ranko Popovic, der steirische Schmidt stellt klar. „Es gab einmal vor einiger Zeit eine Anfrage, ich habe aber klar gesagt, dass ich einen Vertrag habe. Dann wurden Gerüchte geschürt und plötzlich war ich eine interessante Aktie.“

„Das sind die Werte die stehen bleiben“

Nun ist Klaus Schmidt offiziell ab Juli ein arbeitsloser Fußballtrainer, der auf seine zehn Monate in Mattersburg trotz allem mit einem positiven Gefühl zurückblickt. „Wir gehen im Guten auseinander. Ich kann mich in den Spiegel blicken und denke, dass ich einen guten Job gemacht habe. Auch wenn wir nicht die Meistergruppe erreicht haben, waren wir erfolgreich.“

Nicht nur das. Die Zusammenarbeit innerhalb der grün-weißen Familie sei höchst korrekt gewesen. Schmidt, der in Mattersburg – wenn er in der Freizeit nicht nach Hause in die Steiermark fuhr – in der Fußballakademie stationiert war, zeigt sich hier durchaus wehmütig: „Das waren alles super Menschen, die ich kennengelernt habe. Auch die Mannschaft war top und hat gut performt. Das sind die Werte, die stehen bleiben. Aber ich hatte eben das Gefühl, dass es für mich schwierig wird, wenn die Bedingungen so bleiben.“

Über seine beiden Nachfolger Franz Ponweiser und Markus Schmidt weiß Klaus Schmidt übrigens nur Gutes zu berichten. „Als ich gehört habe, dass die beiden es machen werden, hat mein Herz gelacht. Das sind großartige Typen. Wenn man mit denen nicht gut auskommst, ist man eh verhaltensgestört.“ Mehr noch: „Ich weiß, dass meine Trainerkollegen hier absolut gut aufgehoben sind. Außerdem steht fest, dass sie die Mattersburger Geschichte weitertragen und die Jungen hochziehen. Das habe ich schon versucht und das wird jetzt sicher noch intensiver erfolgen.“

Sehr wohl aber sieht der Ex-Coach seine Nachfolger nun auch in einem anderen Licht. „Jetzt müssen sie natürlich liefern, denn hier bläst es schon ein bisserl anders rein. Es geht also von ruhigen Gewässern nun aufs offene Meer hinaus.“

Klaus Schmidt selbst einmal die neue Situation ruhig, unbeschwert und ohne großen Druck leben. „Ein wenig Spanisch weiterlernen, den Fußball weiterhin bissl anders sehen, vielleicht noch einmal irgendwo hinfahren.“ Stichwort neue Aufgaben? Hier ist dem Sportwissenschaftler eines wichtig: „Ich möchte ja nicht den Anschein erwecken, heute darauf zu warten, dass morgen ein Trainer bei seinem Klub rausgeschmissen wird. Das vergönne ich niemandem.“